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Rio Grande - Valle Noble

Route Chos Malal - Bardas Blancas

Nach den Lagunas Varvarco geht die Fahrt mit dem Wanderer im Abenteuer PanAmericana weiter nach Norden über die berühmt berüchtigte Ruta Cuarenta bis Bardas Blancas. Dort, vor einer massiven Wand aus Bergen, biegt die Cuarenta nach Osten ab, während ich nach Westen in Richtung der chilenischen Grenze am Paso Pehuenche fahre. In Las Loicas, dem letzten Ort vor der Grenze und unmittelbar vor der Aduana (Zoll), zweige ich dann in das Tal des Rio Grande zum Valle Noble ab. Die weiteren Ziele sind mehrere, wiederum sehr abgelegene Täler tief in den Anden im Gebiet süd- und nordwestlich der Stadt Malargüe, rund 250 Kilometer nördlich von Chos Malal.

So wie sich daheim in Deutschland schon deutlich der Frühling bemerkbar macht, ist es hier in Südamerika der Herbst. Noch ist das Wetter mit seinem meist tiefblauen Himmel und Tagestemperaturen von manchmal immer noch über 30° klar auf meiner Seite. Spätestens, wenn ich in den Anden dann wieder auf Höhen von über 2.000 Meter klettere, gelten andere Wetterregeln und die Nachttemperaturen sind in den letzten Tagen schon mehrfach an die Frostgrenze gefallen...

 

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Ruta Cuarenta

Donnerstag, 20. März ´25, nach den letzten Einkäufen und randvoll gefüllten Dieseltanks, verlasse ich mit Chos Malal den Ausgangs- und Endpunkt meiner 3-wöchigen Rundreise zu den Lagunas Varvarco. Die nächsten Ziele sind mehrere, wiederum sehr abgelegene Täler tief in den Anden im Gebiet süd- und nordwestlich der Stadt Malargüe, rund 250 Kilometer weiter im Norden.

In Chos Malal geht es dazu wieder über die berühmt berüchtigten Ruta Cuarenta, auf der ich in den letzten 3 Jahren schon tausende von Kilometern zurückgelegt habe. Auch jetzt geht es sofort wieder lang und knackig bergauf. Noch sind die Kurven riesig & weitläufig und nach den unzähligen Pistenkilometern der letzten drei Wochen ist der Asphalt unter meinen Rädern so wohltuend, wie die Fahrt in einer Sänfte. Im strahlenden Sonnenschein fahre ich jetzt östlich entlang der Berge -allen voran dem riesigen Massiv des Domuyo- die ich an den Lagunas Varvarco genau von der anderen Seite gesehen habe. Langsam und unmerklich wird die Landschaft entlang der Ruta immer wüstenähnlicher. Im etwas größeren Ort Barrancas mache ich, in der festen Überzeugung, hier ein stabiles Netz zu haben, erst einmal eine ausgiebige Frühstückspause. Ich staune aber nicht schlecht, als ich trotz aller Empfangsbalken auf dem Handy zwar Netz, aber kein Internet habe! 20 Kilometer weiter passiere ich dann einen winzigen Ort mit nicht mehr als 20 oder 30 Häusern und die nächste Überraschung: Mein Handy meldet sich auf einmal und empfängt jede Menge Nachrichten - ich habe Internet! ..und kann damit auch meine Position, die weiteren Pläne und die "Abmeldung" für die nächsten Tage in die Heimat "funken".

Am Nachmittag, nach über 160 gefahrenen Kilometern auf der Cuarenta erreiche ich mein heutiges Tagesziel. Einige hundert Meter abseits der Ruta stehe ich schon wieder auf 1.590 Metern an der kleinen Laguna Coipo Lauquen. Was für ein Unterschied zur Geschäftigkeit und zum Lärm in Chos Malal! Um mich herum ist absolute Ruhe, Stille, kein Bewegungen... nur das Wetter macht mir Sorgen. Immer mehr schwere Wolken ziehen auf und dann fallen sogar erste, dicke Regentropfen. Als sich dann später immer mehr Donnergrollen dazu mischt, werden auch die "Einschläge" auf dem Dach langsam zu Hagel! Der Himmel über mir entläßt jetzt wahre Sturzfluten aus Regen, Hagel, wieder Regen - in ständigem Wechsel... Als irgendwann Regel & Hagel urplötzlich enden, ist es beinahe unnatürlich still. Der Himmel dagegen zeigt unmittelbar nachdem die Sonne untergegangen ist, ein unglaubliches Schauspiel aus Farben. Immer wieder gehe ich noch vor dem Schlafengehen nach draußen. Schräg über mir steht eine riesige Gewitterzelle, noch viel schwärzer als die Nacht selbst. In ihr allerdings zucken alle 30 Sekunden gewaltige Blitze und lassen den Koloß grell aufleuchten - eine Lightshow der absoluten Sonderklasse!

 

der Wanderer auf der Ruta Cuarenta
der Wanderer auf der Ruta Cuarenta

 

auf der Laguna Varvarco Campos
mein Stellplatz an der Laguna Coipo Lauquen

 

 

schwere Gewitterwolken
immer mehr schwere Gewitterwolken ziehen auf

der Himmel beginnt zu brennen
kurz nach dem Sonnenuntergang beginnt der Himmel zu brennen

 

 

Am nächsten Morgen ist von dem Unwetter des letzten Tages nur noch wenig zu sehen und die höhersteigende Sonne verbrennt später auch die letzten Wolkenreste. Kaum bin ich wieder auf der Cuarenta in Richtung Norden, zeigt diese berühmt berüchtigte Ruta wieder ihre (Heim-) Tücke: Ohne jede Ankündigung war`s das mit dem Sänftenuntergrund, fin de pavimento, Ende des Asphalts und wieder Piste mit Staub, riesigen Schlammlöchern vom Regen des letzten Tages, Steinen und ripio, Wellblech! ..und das für die nächsten 90 langen Kilometer. Sofort ist wieder ein 15-min-Stopp angesagt, um den Reifendruck in den Rädern auf Pistenverhältnisse abzusenken. Mein nächstes Teilziel, den kleinen Ort Bardas Blancas, werde ich beim jetzigen 20-er Schnitt heute nicht mehr erreichen können...

Durch die abwechselungsreiche und schöne Bergwelt geht es bis zum Nachmittag weiter und mit dem Riecher, den ich nach zehntausenden von Kilometern inzwischen entwickelt habe, finde ich dann auch einen schönen und abgelegenen Stellplatz direkt am Rio Grande.

 

vom Regen aufgeweichte Piste
die Ruta Cuarenta ist nach dem Regen zu einer aufgeweichten Piste geworden

 

 

an der Cuarenta

an meinem Stellplatz
an meinem Stellplatz am Rio Grande

 

La Pasarela
nur wenige hundert Meter weiter zwängt sich der Rio Grande durch La Pasarela,
einer engen Schlucht durch das fast schwarze Lavagestein

 


erneut ein brennender Himmel
am Abend zeigt sich das gleiche Schauspiel wie am Vortag: In einem ganz kleinen, nur wenige Minuten dauernden Zeitfenster,
beginnt der Himmel erneut zu "brennen".
Die Sonne ist schon untergegangen und ihre letzten Strahlen müssen einen weiten Weg
durch die Atmosphäre zurücklegen bevor sie, jetzt von schräg unten, auf die Wolken treffen.
Dabei werden bis auf die roten Bestandteile alle anderen Farben des Lichts absorbiert - was bleibt, ist dieses Wunder aus Farben

 

 

Dieses Video liegt wieder in FullHD vor
Vergrößern der viereinhalb-Minuten-Fahrt auf der Ruta Cuarenta durch Doppelklick auf Vollbild

 

Samstag, der 22. März ´25, nach insgesamt 90 Kilometern Staub, Wellblechpiste, Steinen und Schlamm auf der Ruta Cuarenta, setzt irgendwann endlich wieder Asphalt ein. Wie jedesmal nach so einer Tortur kann ich die Ruhe und Weichheit im Steyr anfangs kaum fassen. Jede Geschwindigkeit jenseits von 30 km/h erscheint mir fast wie Lichtgeschwindigkeit und das Ende des Tal`s, eine riesige Wand aus Bergen, rückt jetzt in kürzester Zeit immer näher. Vor dieser Wand, im Ort Bardas Blancas, zweigt die Cuarenta rechtwinklig nach Osten ab, während ich mit dem Wanderer genau die endgegengesetze Richtung, nach Westen, auf die Grenze zu Chile zusteuere.

 

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im Tal des Rio Grande

Route Valle Noble

Über die RN145 (RN - Ruta Nacional) fahre ich durch ein so unglaublich schönes Tal auf den Paso Pehuenche (ist auch die Grenze zu Chile) zu, daß es mir fast wie das Elbenland in Mittelerde aus Herr der Ringe vorkommt. Während sich auch dieses Tal immer enger zuschnürt, erreiche ich das winzige Örtchen Las Loicas. Unmittelbar vor der Aduana, der Grenzstation Argentiniens, biege ich auf die RP226 (RP - Ruta Provincial) ins Tal des Rio Grande, das spätere Valle Noble ab - nicht ohne den erforderlichen Stopp, um erneut die Luft aus den Rädern zu lassen und den Wanderer damit wieder pistentauglich zu machen. Je weiter ich dem Rio Grande flußaufwärts folge, desto beeindruckender werden die Felswände die das Tal einschließen. Nachdem ich gerade die 35.000 km-Marke aller 3 Törns in Südamerika geknackt habe, finde ich am Fuß eines hoch aufragenden Felsmassivs direkt am Fluß, einen Stellplatz für die Nacht - zwar nur 20 Meter von der Piste entfernt, aber bei den weniger als zehn Autos/Tag die hier vorbei fahren und mit meinem Kopfkissen drei Meter über dem Flußufer, kann ich mich weiterhin nur über mein Bauch-Navi freuen.

Am Abend werde ich noch vor dem Mondaufgang mit der leuchtenden Milchstraße in umgebender, absoluter Dunkelheit belohnt.

 

im Tal des Rio Grande
im Tal des Rio Grande...

 

im Tal des Rio Grande

 

 

mein Stellplatz am Rio Grande
mein Stellplatz am Rio Grande

Felsmassiv

 

Der nächste Tag begrüßt mich allerdings mit fürchterlichem Wind, schweren Wolken und immer weiter fallenden Temperaturen. Ich beschließe zu bleiben, bei dem Wetter nicht auf die Piste zu gehen und dafür lieber das Tagebuch der letzten Zeit aufzuarbeiten. Bei einem Gang zum gegenüberliegenden Felsmassiv starre ich lang auf die steile, grauweiße Sandzunge vor mir und der kleine Teufel in mir überlegt doch tatsächlich, ob er`s schaffen könnte, da hoch zu kommen...? Zum Glück verschiebe ich die Entscheidung aufgrund des miesen Wetters, während plötzlich ein riesiger Schatten vor mir durch`s Gesichtsfeld zieht! Beim Blick nach oben sehe ich den Condor nur 20 Meter über mir!

Waren es am Morgen noch 5,4°, sind die Temperaturen am Nachmittag auf 2,2° gefallen während sich die Wolken jetzt mit ihrem ganzen Gewicht direkt auf der Wanderer legen. Anfangs ist es noch "Nebel", dann wird`s zu Regen und mit dem Einsetzen der Dunkelheit wird daraus Schnee! Bei meinem üblichen, "letzten Gang vor dem Schlafengehen" trete ich in einen absolut schwarzen Kohlensack hinein! Nicht einmal die Hand vor meinen Augen kann ich erkennen... kein einziger Stern ist zu erkennen und auch der abnehmende Mond, der eigentlich ein wenig Licht spenden sollte, schafft es nicht mit einem einzigen Lichtstrahl durch die Wolken über mir. Dafür fühle ich auf den Stufen meiner Einstiegsleiter ganz deutlich etwas verdammt "Glattes"... Schnee!

Am nächsten Morgen beharrt mein Thermometer auf 0,2° Außentemperatur und die Welt um mich herum zeigt sich in einem völlig neuen Bild. Es liegt Schnee, nicht viel, aber genug, um mich über diesen neuen Anblick - und die vereinzelt sichtbaren, bläulichen Stellen am Himmel zu freuen. Als dann am frühen Mittag die Wolken immer spärlicher werden, beschließe ich, zumindest noch 2 bis 3 Stunden weiter dem Rio Grande im Valle Noble zu folgen.

 

die ersten Sonnenstrahlen
die ersten Sonnenstrahlen auf den Gipfeln lassen auf besseres Wetter hoffen

 

 

im Tal des Rio Grande

 

 

Felsmassiv an meinem Stellplatz
der Wanderer am Rio Grande der Wanderer als Zugpferd für den Kurzhauber

 

das Loch des Grauens

Ich bin erst wenige Kilometer unterwegs, als ich diesen Mercedes Rundhauber, von denen in Südamerka tatsächlich noch Millionen fahrtüchtig sind, bis zu den Achsen eingewühlt in weichem Sand sehe - ohne jede Chance, aus dem Loch wieder heraus zu kommen... Natürlich halte ich an und der Fahrer ist überglücklich als ich ihm bedeute, ihn aus der Falle heraus zu ziehen. Natürlich hat er kein Abschleppseil - wozu wohl auch? Dafür bin ich ein bischen besser ausgerüstet. Zusammen haben wir den Rundhauber nach kurzer Zeit an der Leine und der Argentinier staunt nicht schlecht, als ihn der Steyr ohne das geringste Rucken oder Bocken einfach aus dem Loch herauszieht - und das mit seinen fast quer stehenden Vorderrädern, weil er sogar sein Lenkrad losgelassen hat...
Nach seinem überglücklichem Dank und mehrfachem Händeschütteln wünschen wir uns beide noch gute Fahrt und trennen uns in entgegengesetzten Richtungen.

 

weiße Sandwüste
ich staune nicht schlecht, als ich auf einmal diese schneeweiße Wüste durchqueren muß! Es ist kein Schnee der letzten Nacht, sondern tatsächlich eine Mischung aus weißem Sand & Staub!

 

mein neuer Stellplatz für die Nacht
einige Kilometer weiter und nach zweieinhalb stündiger Fahrt, habe ich in einer Schlucht meinen nächsten Stellplatz für die Nacht gefunden

 

..ach Mensch, was soll ich sagen? Von mir kann man doch keine Objektivität erwarten! Nicht bei 55'30'' Videomaterial der Fahrt von der Ruta Cuarenta nach Las Loicas, dann ins Tal des Rio Grande und weiter ins Valle Noble... Dennoch, ich hab`s geschafft! Das folgende Video -mit wieder beeindruckenden Landschaften- ist auf etwas über 11 Minuten zurecht gestutzt, also nicht abendfüllend... smiley_zwinkern

 

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Vergrößern der beeindruckenden Bergwelten durch Doppelklick auf Vollbild

 

 

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es geht weiter...

..im Valle Noble, weiter nach Norden, noch ein kleines Stückchen... nur noch bis zu den Bergen, die am Horizont bereits deutlich sichtbar in den Himmel ragen.. bis zum Gelben Fluß! Nein, nicht DER Gelbe Fluß, der Huang Shui, der 湟水, sondern der Rio Valenzuela, hier in Argentinien! ..und dann, ja dann wartet der Camino Carqueque auf den Wanderer & mich...

 

hier geht`s weiter mit dem
Rio Valenzuela und dem Camino Carqueque...

 

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