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Start ins 4. Abenteuer PanAmericana

geplante Strecken für den Start von Törn 4 vom Paraiso nach Salta im Nordwesten Argentiniens September `25, wieder sind vier Monate Heimaturlaub in Deutschland vorbei und ich bin zurück in Südamerika, in Uruguay und im Paraiso Suizo. Der Platz ist inzwischen schon zu meinem zweiten Zuhause geworden und ich muß mich nicht eine einzige Minute mehr eingewöhnen. Das ändert jedoch nichts daran, daß es seine Zeit braucht, die Ungeheuerlichkeit eines Sprunges mit über 12.000 Kilometern, 5 Zeitzonen, dem Atlantik, dem Äquator bis zur Südhalbkugel unserer Erde in weniger als 24 Stunden wirklich zu begreifen. Während in Deutschland der Herbst immer öfter an die Tür klopft, ist hier schon längst der Frühling angekommen. Dann sind da noch die unfaßbare Weite der Welt um mich herum, die kristallklare Luft mit einem Sternenhimmel, der in Deutschland schon längst nicht mehr vorstellbar ist, das völlige Fehlen des ununterbrochenen Hintergrundrauschens aus vorbeifahrenden Autos, den Müllwagen, den Sirenen von Kranken- oder Polizeifahrzeugen, den nachbarschaftlichen Rasenmähern, Heckenscheren, Laubbläsern, Bohrmaschinen... Hier fliegen die leuchtend günen und ständig plappernden Loros durch die Luft und das Rauschen der Wellen des Atlantiks säuselt im Hintergrund.

Die Karte oben zeigt den geplanten Start in den 4. Törn im Abenteuer PanAmercana. Zwei mögliche Routen bringen mich ca. 2.000 Kilometer durch die schier endlosen Weiten der argentinischen Pampa bis hoch in den Nordwesten des Landes und den Rand der Hochanden. Im Dreiländereck Bolivien, Argentinien und Chile werde ich die Atacama und die Puna durchfahren und Monate später, 1.500 km weiter südlich zwischen Santiago und Mendoza, den höchsten Berg der Anden, den Aconcagua erreichen...

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..die schon üblichen Reparaturen und Ausbesserungen...

Auch der 4. Törn ins Abenteuer PanAmericana beginnt, wie üblich, nicht nur aus der Überwindung des Jetlag`s von fünf Stunden, sondern die erste Zeit nach der Ankunft in Südamerika ist immer für kleine Ausbesserungen, Verbesserungen und leider auch notwendige Reparaturen reserviert! Das beginnt bei Kleinigkeiten wie einem kleinen Halter für meine heiß-geliebte Schrubbelbürste für den Rücken über das Abschmieren des Steyr, diagonalem Radwechsel (für alle 4 Monsterräder eine Maloche für `nen gesamten Tag), Wechsel von diversen Filtern, Einbau eines B2B-Killschalters und, und, und... bis hin zu... na ja, das kommt gleich noch...

schweißen der Federbügel beim Taller de Elásticos - übrigens, der braune Belag auf den Gasflaschenhaltern ist festgebackener Pistenstaub, kein Rost... schweißen der Federbügel beim Taller de Elásticos
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Gleich am nächsten Tag nach der Ankunft in Uruguay, habe ich bereits einen Termin beim Taller de Elásticos. Das ist beileibe keine "elastische Werkstatt" wie Tante Google es übersetzen würde, sondern eine Federnwerkstatt. Hier werden auch keine Gänsedaunen aus meinem Kopfkissen ausgerichtet, sondern es geht um die Blatt- und Parabelfedern von LKW`s.
Irgendwann und irgendwo auf den brutalen Pisten des letzten Törns in den Anden, hat es an der Hinterachse des Steyr zwei Bügel zerrissen, die das Ausscheren der einzelnen Lagen der Federnpakete verhindern sollen. Mit gezielten Stein- und Hammerschlägen hatte ich sie auf den letzten paar tausend Kilometern in Position gehalten. Natürlich setzte sich bei mir schnell die Erkenntnis durch, daß mit fachgerechten Schweißarbeiten das gleiche Ergebnis etwas nachhaltiger erreicht werden könnte. Jetzt also eine weitere "südamerikanische Lösung", bei der jeder deutsche Werkstattmeister sofort Schnappatmung bekommen würde... Ohne Schutzgas und Schweißbrille oder sonstigen Schutz, werden die Bügel wieder fixiert, die Schlacke abgeschlagen und `nen paar Farbnebel über die frischen Nähte gesprüht. Klar bin ich neugierig, wie lange das jetzt halten wird...

Ein paar Tage später... es sollte eigentlich eine ganz einfache Wartungsarbeit werden... nur die Patrone für den Lufttrockner wechseln... voraussichtlicher Aufwand vielleicht `ne halbe Stunde... und jetzt sitze ich nach mehreren Stunden Schwerstarbeit wieder im Wanderer und schimpfe über die Gehässigkeit des Universums. Ich habe die verdammte Patrone einfach nicht lösen können! Selbst ein Exzenter zum Lösen von festsitzenden Ölfiltern ist einfach durchgerissen. Danach blieb nur noch rohe Gewalt, aber selbst mit einem 2-t-Spanngurt und jeder Menge ernstgemeinter Hammerschläge, hat sich die Patrone nicht einen einzigen Millimeter bewegt... absolut festgebacken... wahrscheinlich wollte sie -genauso wie ich- noch sehr viel mehr von diesem beeindruckenden Kontinent sehen & erleben...

Es folgen Telefonate und einige recherchierte und verschickte Bilder über Exzenterzangen nach und mit UY-Storage. Später am Nachmittag dann die Erfolgsmeldung von Felix & Timo: Auf die Schnelle wurde aus einem alten Motorradritzel, einer Kette und einem über einem Meter langen Rohr ein entsprechendes "Werkzeug" zusammen geschweißt - Lösung eben auf südamerikanisch...

Am nächsten Morgen mache ich mich dann mit meinem Motorrad auf den Weg nach UYS und packe das monströse Teil in den Rucksack. Zurück im Paraiso dann irgendwann der Moment der Wahrheit. Während meine Hände die gewaltige Zange und die Kette auf dem Ritzel halten, drücke ich mit dem Körper immer stärker gegen das Rohr als Hebelarm. Die Ritzelzähne graben sich langsam immer tiefer in die Kartusche aber dann kommt sie endlich. Noch 5 bis 8 mal muß ich die Zange umsetzen und dann kann ich ein erleichtertes Heureka von einem Ohr bis zum anderen grinsen! Jetzt läßt sich der Lufttrockner die weiteren Windungen mit der Hand ausdrehen und bald darauf sitzt die neue Patrone auf dem Gewinde. Nur jetzt nicht noch über den Stein stolpern, der mir vom Herzen gefallen ist...

selbst mit 2 eingeschlagenen Schraubendrehern als Widerlager und gewaltigen Hammerschlägen gegen den Holzklotz bewegt sich die Patrone nicht einen Millimeter
selbst mit 2 eingeschlagenen Schraubendrehern als Widerlager und gewaltigen Hammerschlägen gegen den Holzklotz bewegt sich die Patrone nicht einen Millimeter

 

erst mit der monströsen Zange mit ihrem gewaltigen Hebelarm löst sich der Lufttrockner endlich...
erst mit der monströsen Zange mit ihrem gewaltigen Hebelarm löst sich der Lufttrockner endlich...

meine "alte" Diesel-Wasser-Heizung beim Einbau in den Motorraum des Steyr (links oben, unter dem schwarzen Bügel)Dann der nächste Klopper: Auf dem letzten Törn hat meine geliebte Heizung für den Aufbau nach gerade einmal 110 Betriebsstunden ihren Dienst aufgegeben! Der -nachvollziehbare- Grund: Als ich sie vor etlichen Jahren gekauft habe, gab es für Diesel-Wasser-Heizungen noch keine Höhenanpassung, d.h., so ein Gerät arbeitet sicher bis ca. 1.000 bis 1.500 Meter Höhe. Spätestens danach wird dem Teil die Hochgebirgsluft allerdings zu dünn! Bei dem im Heizgerät fest eingestellten Verhältnis von angesaugter Luft und eingespritztem Diesel, wird der Anteil an für die Verbrennung benötigtem Sauerstoff durch die Höhe zu gering und der Diesel kann nicht mehr ausreichend verbrannt werden. Die Folge ist die Verrußung im Brennraum bis zu dem Moment, wo das Gerät seinen Dienst aufgibt... und genau das ist mir auf dem letzten Törn in den Anden passiert. Mehrfach habe ich Nächte auf 1.500 Metern Höhe verbracht, wo mein kleiner Lebensretter am nächsten Morgen bei Außentemperaturen von unter 0° immer noch artig mitspielte. Im letzten März sprang sie sogar noch auf 2.382 m an, mußte aber wahrscheinlich innerlich schon heftigen Tribut für diese maßlose Überforderung in Form von Verrußung bezahlen. Beim nächsten Startversuch, obwohl schon wieder 800 m tiefer, war`s das dann aber und ich mußte in der Folgezeit einen wahrhaft bitteren Preis dafür bezahlen! Bei Innentemperaturen von unter 10° im Wanderer waren etliche verdammt lange und saukalte Stunden und Tage die Folge, bis ich irgendwann wieder aus den Anden heraus war...

Also, die Heizung wäre durch Reinigung des Brennraums und der Glühkerze wahrscheinlich noch zu retten, das Grundproblem, die fehlende Höhenanpassung, würde aber weiter bestehen! Da mich auf diesem Törn wahrscheinlich Höhen bis zu 5.000 Meter erwarten, muß einfach ein neues Gerät her!

Fürchterlicher Shitstorm vieler Wohnmobilisten in den letzten Jahren, die selbst in den mickerigen Alpen auf ihre Heizung genau dann verzichten mußten, wenn sie sie wirklich brauchten, hat bei den einschlägigen Herstellern endlich Gehör gefunden und so gibt`s auch meine ThermoPro inzwischen auch als HA (High Altitude) Ausführung mit einer Höhenanpassung bis zu 4.000 Metern. Für die Anden immer noch nicht ausreichend, sicher aber für die Mehrzahl der Tage, an der ich sie benötige - für die restlichen Tage müssen`s eben heftige Muskelbewegungen in Form von klappernden Zähnen kompensieren...

Hier, in der geschützten und ruhigen Umgebung des Paraiso dann der Umbau der Heizungsanlage... und gleich am Anfang eine überraschende Erfolgsmeldung und kurz danach ein frustrierender Niederschlag:
Irgendwann in den letzten Tagen geisterte mir der Gedanke durch den Kopf, daß es für Motoren ja sog. Starthilfespray gibt, welches beim (Kalt-) Starten eines Motors in die Ansaugung gespritzt wird und durch seine niedrige Zündtemperatur und leichte Verbrennung (nichts anderes als eine nette Umschreibung für "verdammt explosiv") dem schwerfälligen Motor auf die Sprünge helfen soll. Meine Idee jetzt: Warum sollte das nicht auch meiner wahrscheinlich nur völlig verrußten Heizung helfen? ..bis auf eine kleine Explosion und das völlige Verrecken der alten Heizung kann ja eh nichts passieren...smiley Gesagt, getan! Ich habe also das Ansaugrohr des Heizgerätes abmontiert und einfach einen kurzen, leicht zu biegenden Kühlwasserschlauch aus meinem Ersatzteilfundus auf den Ansaugstutzen gesteckt. Anschließend im Aufbau die Heizung eingeschaltet, in der kurzen Zeit, die sie zum Vorglühen benötigt, nach draußen gesprungen und 3 kleine Schübe an Bremsenreiniger (hat zwar eine andere Zusammensetzung und Aufgabe, ist aber genauso leicht entzündlich wie Starthilfespray) in den Ansaugstutzen gesprüht... dann schnell in Deckung gegangen und Sekunden später wumste eine satte Verpuffung aus dem Ansaugschlauch! Kurz um die Ecke geflitzt und noch zwei weitere, kleine Schübe an Bremsenreiniger nachgesprüht, während die Luftansaugung im Heizgerät immer mehr auf Touren kam. Es folgte noch eine weitere, kleinere, Verpuffung und dann lief das Heizgerät tatsächlich wieder! Obwohl der Frühling in Uruguay mit 26° strotzte, habe ich die Heizung anschließend fehlerfrei ganze 45 Minuten auf Volllast betrieben und ihr so jede Zeit gegeben, innerlich auch die allerletzten Reste von Verrußung wieder frei zu brennen. Vor Freude habe ich mir selbst ein deftiges High Five gegeben!

So sehr ich mich über meinen Erfolg auch freuen konnte, hat es nichts am grundlegenden Problem, der fehlenden Höhenanpassung geändert... Das alte Heizgerät muß also trotzdem raus! ..und damit folgte sofort ein heftiger Dämpfer: Ich habe die Stecker der elektrischen Anschlüsse um`s Verrecken nicht abbekommen und weiteres Rütteln & Ziehen hätte die Stecker nur zerbrochen und das wäre ein Super-GAU! In meiner Not habe ich drei eMails mit der Bitte um Hilfe abgeschickt:
  1. an den Hersteller, der Firma Webasto, mit dem schon erwarteten Ergebnis: In deren Überheblichkeit gegenüber den blöden und nervenden Privatkunden habe ich nicht einmal eine Antwort bekommen...
  2. an den Verkäufer des Heizgerätes: Die Antwort war ein nichtssagender und nicht hilfreicher Einzeiler...
  3. an eine Fachwerkstatt, der Firma Standheizungen Rehbein, Ergebnis: Am nächsten Morgen hatte ich in meinem Posteingang eine freundliche Antwort mit einem youtube-Link! Herr Rehbein hatte für mich ein kurzes, aber absolut aussagekräftiges und hilfreiches Video aufgenommen und mir darin gezeigt, wie ich die Steckverbindungen zerstörungsfrei lösen kann und es auf youtube eingestellt!
    Eine derart schnelle, unkomplizierte und lösungsorientierte Hilfe ist beispielhaft und kann von mir nur mit größter Anerkennung und Dankbarkeit bewertet werden!

In den nächsten Stunden konnte ich das alte Heizgerät dann problemlos ausbauen, alle Anschlüsse auf die neue ThermoPro HA übertragen, das neue Gerät einbauen, den kleinen Verlust an Kühlerflüssigkeit durch Aus- und Einbau wieder nachfüllen, System entlüften und dann der große Moment: Verdammt aufgeregt schalte ich das Heizsystem im Aufbau ein und dann hänge & warte ich im Durchgang zwischen Aufbau und gekipptem Fahrerhaus darauf, was wohl passiert... Lange Rede - kurzer Sinn: Das Heizgerät sprang sofort an, kam fauchend auf Touren, produzierte kurz darauf jede Menge Heißwasser und nirgendwo zeigte sich nach dem Umbau eine Undichtigkeit!
Ein weiteres, wohlverdientes und erleichtertes High Five & BINGO!!!
Umbau aller Anschlüsse vom alten auf das neue Heizgerät Umbau aller Anschlüsse vom alten auf das neue Heizgerät

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im Paraiso

der Wanderer auf seinem Stellplatz im Paraiso Suizo
der Wanderer auf seinem Stellplatz im Paraiso Suizo
So, das soll jetzt aber reichen mit den "Ausbesserungen & Reparaturen". Immerhin zeigt es -wieder einmal- sehr deutlich, daß 40.000 Kilometer auf südamerikanischen Straßen & Pisten nicht mit einem Campingausflug in Deutschland zu vergleichen sind und warum es jedesmal vor dem eigentlichen Start ins nächste Abenteuer PanAmericana, einiges an Zeit und Aufwand braucht...
Neben der ganzen Plackerei nehme ich mir fast jeden Tag meine Auszeit und schlurfe unter der brennenden südamerikanischen Sonne mit den Füßen am menschenleeren uruguayischen Strand durch`s noch 16,2° kalte Altlantikwasser. Über mir patroullieren Geier auf der Suche nach angeschwemmten Fischen, während das immerwährende Geschnatter der leuchtenden Loros selbst bei den donnernden Wellen nahezu immer zu hören ist.

Hier noch einige Bilder vom Frühling an der Atlantikküste in Uruguay

ein gelbes Blütenmeer am Strand des Atlantik ein gelbes Blütenmeer am Strand des Atlantik

die quirligen und nimmermüden Loros, die kleinen, günen Papageien, tummeln sich direkt vor meiner Sonnenterasse am Wanderer
die quirligen und nimmermüden Loros, die kleinen, günen Papageien, tummeln sich direkt vor meiner Sonnenterasse am Wanderer

Während die Loros, hier am Boden, viel zu beschäftigt sind und ausnahmsweise `mal nicht mit ihrem Geschnatter alles übertönen, habe ich gerade mit einer Freundin in Deutschland telefoniert und muß jetzt daran denken, wie es "früher einmal war"...
Als ich Anfang der 1980'er Jahre zum ersten Mal in New York war, hat mich meine Mutter vor der Abreise mehrfach dazu verpflichtet, jetzt, wo unsere Familie bereits stolzer Besitzer eines Telefons war, welches uns ja theoretisch mit dem gesamten Rest der Welt verbinden konnte, jetzt also hat sie mir das Versprechen abgerungen, mich sofort nach meiner Ankunft in der Neuen Welt zu Hause zu melden damit sie auch sicher weiß, daß es ihrem kleinen Jungen gut geht. Ich weiß noch, wie ich am nächsten Tag in dieser gewaltigen, nie schlafenden Stadt, zur Grand Central Station gegangen bin und bei einem Operator einen long-distance-call angemeldet habe. Mir wurde dann eine der vielen, numerierten Kabinen mit einem Telefon zugewiesen und ich mußte mehrere Minuten warten, bis dieses mit einem Klingeln auf sich aufmerksam machte. Schnell kramte ich meine bereits sortierten Dollar Münzen aus der Tasche und legte den gesamten Stapel vor mich, nahm den Hörer ab und wurde von nächsten Operator angewiesen, sofort einige dieser $`s in das gefräßige Telefon zu stopfen. Anschließend konnte ich über lange Sekunden, die mir heute noch wie Minuten vorkommen, Knistern, Knacken und Rauschen im Telefon hören... und dann, urplötzlich die weit entfernte, leise und mit Hall unterlegte Stimme meiner Mutter, immer wieder unterbrochen von der Ansage des Operators, weitere $`s in den Schlund zu stopfen... und jetzt?
Jetzt sitze ich in meinem Campingstuhl neben meinem Offroad-Monster auf der anderen Seite der Welt und halte ein Ding in der Hand, das Käpt`n Kirk vom Raumschiff Entenscheiss smiley schon vor mehr 40 Jahren als Kommunikator bezeichnet hat und führe, ohne Telefonzelle und ohne Operator, `mal eben ein fast `ne Stunde dauerndes Telefonat rund um die Erde - ohne Knistern, ohne Rauschen, ohne Knacken, ohne $`s...
ein riesiger Wolkenturm zieht mit einer Regenfahne draußen über dem Atlantik vorbeiein riesiger Wolkenturm zieht mit einer Regenfahne draußen über dem Atlantik vorbei

eine junge Robbe nimmt ein Sonnenbad am Strandeine junge Robbe nimmt ein Sonnenbad am Strand - der weiße Schaum am Strand ist übrigens wie Eischnee und entsteht im wild bewegten Wasser aus Algen, die mit ihrem Sekret kleine Luftbläschen einschließen... in der Regel übrigens ein Zeichen für ein intaktes Ökosystem!

Jetzt, eine weitere Stunde später, plantsche ich wieder durch`s erfrischende Altlantikwasser in Richtung Santa Ana und muß immer noch schmunzeln, wenn meine Gedanken dabei wieder in die Vergangenheit driften. Voller Stolz, voller Ehrfurcht und dankbar, all`das bereits erlebt zu haben, muß ich an meine Kindheit denken, wo jeden Abend noch der "Gasmann" durch unsere Straße ging um mit einer langen Stange mit einem kleinen Haken am Ende, an jeder Gaslaterne entlang des Bürgersteigs, ein kleines Gasventil zu öffnen und damit das Licht einschaltete - am nächsten Morgen dann natürlich das umgekehrte Prozedere. Die noch wenigen Autos auf den Straßen hatten damals meist noch nierenförmig geteilte Heckfenster (Käfer) und jedes Automobil machte durch einen an den Seiten ausklappbaren "Winker" darauf aufmerksam, abbiegen zu wollen...

1969 habe ich dann mit meinem Vater zusammen einen Abend und die gesamte folgende Nacht in einer kleinen Urlaubspension im Bayrischen Wald vor dem Fernseher verbracht und gespannt den Worten von Günter Siefarth gelauscht, der die schwarz/weißen, verrauschten und unscharfen Bilder der ersten Mondlandung kommentierte. Heute träume ich davon, mit gaaanz viel Glück vielleicht noch den Moment zu erleben, wo ein Mensch, der heute schon unter uns lebt, seinen Fuß als erster auf den Mars setzen wird...
Was mag die Zukunft wohl noch bringen? Wird in 15 Jahren wohl eine Bundesregierung jammern, die Absicherung der deutschen Küsten gegen den steigenden Meeresspiegel sei kaum noch finanzierbar während die leiseren Stimmen der Experten darauf verweisen, daß das Problem schon seit Jahrzehnten bekannt ist und "damals" viel preisgünstiger hätte angegangen werden können...
Wird der Erbe von Donald dem Ersten in den USA politisch und wirtschaftlich von den neuen Weltführen zerrieben werden (wie es in prophetischer Weitsicht schon der Club of Rome Anfang der 1970`er Jahren vorausgesagt hat) und sich nur noch sagen können, daß Donald eben das Schwarze Schaf, der Versager der Familie Duck gewesen ist und nie das Format Dagobert`s hatte?
Werden sich einige vermeintliche "Hinterwäldler" noch gegen die immer weiter um sich greifenden Genmanipulationen wehren?
Ist die "Schöne neue Welt (Brave New World)" von Aldous Huxley bereits um fünf Jahrhunderte vorverlegt worden oder können uns neue wissenschaftliche und technische Entwicklungen wirklich dabei helfen, die aus dem Gleichgewicht geratene Welt noch aufzufangen?
Als Arbeitnehmer werden (sollten) wir halbwegs gerecht entlohnt und müssen darauf Steuern bezahlen um damit einen Teil des Gemeinwohls zu finanzieren... wird man in der Zukunft endlich die äquivalente Arbeits- und Dienstleistung von Robotern, KI-Systemen und anderen entsprechend besteuern um damit auch den Verlust von Arbeitsplätzen zu finanzieren?

..puh, alles Gedanken, während ich durch die Wellen des Ozeans entlang eines weißen Strandes laufe, vorbei an Robben, Möwen, Geiern und Loros, die ich trotzdem alle mit intensiver Freude, Glück und Dankbarkeit wahrnehmen kann.

ein
              glühender, roter Ball nähert sich langsam dem Rand meiner Welt
Ich schaue über die endlose Weite auf den Horizont, wo sich ein glühender, gelbroter Ball langsam dem Rand meiner Welt nähert

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Abschied vom Paraiso

Nach vier Wochen im Paraiso mit Ankommen, langen Spaziergängen am Strand, Wartungsarbeiten am Wanderer sowie etlichen kleinen und größeren Ausbesserungen, Reparaturen und Ergänzungen, steht jetzt der Abschied vom Paraiso an! In den nächsten Tagen werde ich Uruguay verlassen und mich auf den langen Weg in den äußersten Nordwesten Argentiniens begeben. Zum Abschied noch einige "bewegte" Impressionen aus dem Frühling am Atlantik...

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Abschied vom Paraiso für die nächsten
                Monate...
Abschied vom Paraiso für die nächsten Monate...