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Abschied vom Pazifik

Routenkarte-2025-12-31 aktuelle, zoombare Routenkarte des 4. Törns, Stand min. 12.02.2026 oder neuer

Es ist Donnerstag, der 29. Jan. `26, als ich die paradiesische Bucht vor der Isla Pan de Azúcar verlasse, nur um schon wenige Kilometer weiter in der nächsten Bucht am Cabo Falso Pan de Azúcar, erneut einen neuen Stellplatz anzufahren. Es ist einfach zu schön an der chilenischen Pazifikküste und noch habe ich ein paar Tage Zeit, bis ich Chile aufgrund der auslaufenden Einfuhrgenehmigung (TIP)Temporary Import Permit (temporäre Einfuhrgenehmigung für den Wanderer und die Yam) wieder verlassen muß.
    Es folgen noch zwei weitere Stellplätze, bis ich weiter im Süden bei Caldera, endgültig Abschied vom Pazifik nehmen muß.
    Hinter Copiapó verlasse ich auch die Ruta 5, die PanAmericana, und fahre wieder in schwindelerregende Höhen von fast 5.000 Metern über den Paso de San Francisco nach Argentinien.

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Cabo Falso Pan de Azúcar

Ich habe den wunderschönen Campingplatz vor der Isla Pan de Azúcar verlassen und bin gerade ´mal 9 Kilometer später bereits wieder in eine Piste abgebogen. Nach extrem enger, kurviger und steiler Abfahrt stehe ich am Anfang eines schier riesigen Sandstrandes an einer noch riesigeren Bucht, am Cabo Falso Pan de Azúcar. Wie üblich starte ich schon kurz nach meiner Ankunft zu einer ersten Entdeckungs- und Klettertour. Erst jetzt, wo ich mich hunderte von Metern durch den weichen Sand bis zur Küste und den Felsen des Cabo (Kap) "arbeite", realisiere ich, wie gigantisch Strand und Bucht wirklich sind...
    Bei der Abfahrt vom Campingplatz hat sich zu meinen Ehren noch eine ganz besondere Gästeschar eingefunden...

Ehrenwache zu meiner VerabschiedungEhrenwache zu meiner Verabschiedung

Spalier aus Geiern
Spalier aus Geiern

mein neuer Stellplatz am Cabo Falso Pan de Azúcar
mein neuer Stellplatz am Cabo Falso Pan de Azúcar

Am nächsten Tag starte ich auf eine riesige Strandwanderung - angefangen auf den Felsen auf "meiner Seite" in Richtung des anderen Endes der Bucht. Obwohl ich mehr als zwei Stunden unterwegs bin, bin ich weit davon entfernt, das andere Ende erreicht zu haben. Obwohl ich auf dem Rückweg bis in die Höhe des Wanderes direkt am Ufer entlang gehe um den langen Weg über den riesigen Strand so kurz wie möglich zu halten, wird dieser Rückweg zu einer Hitzeschlacht. Natürlich habe ich meine Flip-Flops an den Füßen um sie nicht wieder zu verbrennen, trotzdem strahlt der Sand eine derartige Hitze ab, als ob ich über eine glühende Herdplatte laufen würde...

Felsenlandschaft
                      oberhalb meiner BuchtFelsenlandschaft oberhalb meiner Bucht

besonderer Blick auf die Bucht
besonderer Blick auf die Bucht

die Bucht am Cabo Falso Pan de Azúcar
die Bucht am Cabo Falso Pan de Azúcar

...und dann ist da dieser riesige Pazifik selbst! Eine schier unendliche Wasserfläche liegt vor mir und es ist für meine begrenzte Wahrnehmung und Vorstellungskraft unmöglich zu erfassen, wie unermeßlich er tatsächlich ist! Ich muß senkrecht nach unten auf meine Füße schauen, dann durch die gesamte Erde mit ihrem über 12.700 Kilometern weiten Durchmesser, um dort, auf der anderen Seite erst das andere Ende dieses unfaßbaren Ozeans zu erreichen.
    Ich sitze auf den Felsen und werde nicht müde, auf diesen größten Ozean der Erde zu schauen, den Pazifik. Ich schaue auf diese unendlich scheinende Fläche aus tiefblauem Wasser, denke an die unzähligen Lebewesen, die diese Wasserwelt bevölkern, an den Norweger Thor Heyerdahl, einem der Helden aus meiner Jugend (siehe auch: Global-Wanderer/Steyr/HowTo.html), der bereits 1947 auf dem winzigen Balsafloß Kon-Tiki über diesen riesigen Ozean segelte und erst nach über drei Monaten Fahrt das kleine Raroia-Atoll in Französisch-Polynesien erreichte - gerade `mal die halbe Strecke bis zum anderen Ende dieser Wasserwelt!
    Ich denke auch an die Trieste, das Tauchboot des schweizer Pioniers Jacques Piccard und seinem amerikanischer Begleiter, dem Marineoffizier Don Walsh, die 1960 die tiefste Stelle dieses Ozeans und damit auch unserer Welt erreichten, das Challenger Deep im Marianen-Graben, dem nur weniger Meter an der 11.000-Meter-Marke fehlen.
    Mein Kopf weiß all diese Dinge, mein Gefühl aber kann nicht begreifen, daß ich hier auf den Felsen senkrecht nach unten auf meine Füße schauen muß und dann durch die gesamte Erde hindurch, um erst dort die anderen Ufer dieses unfaßbaren Ozeans zu erreichen.

der schier endlose pazifische Ozean
der schier endlose pazifische Ozean


Felsenlandschaft oberhalb meiner Bucht im Licht der tiefstehenden SonneFelsenlandschaft oberhalb meiner Bucht im Licht der tiefstehenden Sonne Es ist so unglaublich schön, daß mir fast die Tränen kommen! Vor mir das türkis-blaue, an den Felsen weiß brodelnde Wasser des Ozeans, neben mir auf beiden Seiten die mehrere Kilometer breite, fast weiße Sandbucht, die noch hunderte von Metern hinter mir fast völlig eben weiter läuft. Trotz der Hochsaison in Chile, bin ich völlig allein. Hinter mir ragen tiefschwarze, extrem schroffe Felsendome in die Luft, dazwischen, auf den hellen, sandigen Stellen steht der Wanderer und hinter ihm steigen die Felsen gelb, braun und rot immer weiter an, bis sich die Küstenberge ein bis eineinhalb Kilometer in die Höhe erheben. An ihren Spitzen grellweiße Wolken und dort, wo sie sich stauen, werden sie dunkel grau-blau.
    Was für eine unglaublich schöne und natürliche Welt. Obwohl ich jetzt schon seit mehr als drei Jahren auf diesem Kontinent unterwegs bin, bin ich immer noch weit davon entfernt, das alles als selbstverständlich zu betrachten...

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Las Lisas

Montag, am 2. Feb. ´26, ich habe das Cabo Falso Pan de Azúcar verlassen und bin wieder auf dem Weg nach Süden. Zusammen mit der sich immer stärker ändernden Küstenlandschaft, wird mir der langsame Abschied vom Pazifik immer deutlicher. Nach der Stadt Chañaral weichen die Berge immer weiter zurück. Die Küste selbst ist längst nicht mehr so mit den steilen und zerrissenen Felsen durchsetzt, wie auf den letzten hunderten von Kilometern. An jedem freien und halbwegs zugänglichen Fleck sind jetzt kleine indigene Siedlungen die sich mit solchen abwechseln, die mir eher nach der chilenischen Form von Ferien- oder Urlaubssiedlungen erscheinen. Die Suche nach einem stillen, abgelegenen Stellplatz für die Nacht wird jetzt sogar mühseelig, bis ich in Las Lisas doch noch einen schönen Platz für den restlichen Tag und die Nacht finde.
    Als ich später in meinem Campingstuhl am Strand sitze, spielen zwei Delphine nur hundert Meter von mir entfernt im Meer und schlagen sogar Saltos dabei. Blöd nur, das ich zwar meinen Kindle, nicht aber die Kamera dabei habe...

eine schmale Straße schlängelt sich durch die Dünenwelt nach Las Lisaseine schmale Straße schlängelt sich durch die Dünenwelt nach Las Lisas

mein Stellplatz auf einer kleinen
                        Landzunge - gut, daß der Wanderer auch im weichen Sand                        fährt
mein Stellplatz auf einer kleinen Landzunge - gut, daß der Wanderer auch im weichen Sand fährt


spitze Schreie dieser Möwe
                      sollen mich von ihrem Nest ablenkenspitze Schreie dieser Möwe sollen mich von ihrem Nest ablenken

winzig kleine Blüten zwischen den
                        Steinen - ich hätte sie beinahe übersehen
winzig kleine Blüten zwischen den Steinen - ich hätte sie beinahe übersehen

ein riesiger Seelöwenbulle mit seiner
                        zierlichen Partnerin
ein riesiger Seelöwenbulle mit seiner zierlichen Partnerin

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Granito Orbicular - Abschied vom Pazifik

Dienstag, der 3. Feb. ´26, ich bin wieder auf der Ruta 5, der PanAmericana, unterwegs zu meinem allerletzten Stellplatz an der chilenischen Pazifikküste.     Wieder beginnt an der gut besiedelten Küste die Suche nach einem Stellplatz. Würde es wie in der Vergangenheit nach meinem Navi und meinem Bauchgefühl gehen, wäre ein Platz am Playa Zapatilla sicher ein letzter Traumplatz geworden. Von der PanAm fahre ich eine halbe Stunde lang eine verschlungene Piste auf hellgelbem weichen Sand und vorbei an beeindruckenden Felsformationen (siehe Video), die mich immer näher zur Küste bringen... doch mein erhoffter Platz ist belegt! Zwei Häuser mit ihren dazugehörenden Schuppen und Unterständen für den üblichen Pickup bilden das Ende der Piste und versperren auch den Zugang zum Meer. Puh, wieder eine Enttäuschung an dieser dicht besiedelten Küste und mit großem Bedauern fahre ich die gesamte Strecke zurück zur Ruta 5.
    Auch meine nächsten Markierungen im Navi für mögliche Stellplätze, werden von meinem Bauch schon bei der Sicht von der PanAm mit einem klaren Nein abgelehnt. Bleibt nur noch eine allerletzte Möglichkeit vor Chañaral, der Santuario de la Naturaleza Granito Orbicular... und bei meiner letzten Chance habe ich Glück! Dieses kleine Schutzgebiet (Santuario) wird sogar von einem Guide, Gabriel, mehr als fürsorglich betreut. Mit einer tollen Mischung aus Spanisch und Englisch begrüßt er mich herzlich, erklärt mir einiges über die Bedeutung dieses Ortes und ja, selbstverständlich könnte ich hier auch übernachten und nein, kosten würde es nichts, aber über ein kleines Trinkgeld bei meiner Abfahrt würde er sich freuen...

mein Stellplatz im Santuario neben Gabriels liebevoll gepflegtem Kakteengartenmein Stellplatz im Santuario neben Gabriels liebevoll gepflegtem Kakteengarten

alles andere als ein Lehmklumpen mit
                        Steinen drin - es ist zu festem Felsen gewordenes                        Sediment
alles andere als ein Lehmklumpen mit Steinen drin - es ist zu festem Felsen gewordenes Sediment

Wie schon in den gesamten letzten Monaten, seit ich von Salta in Argentinien ins Altiplano gestartet bin, auf dem Salar de Uyuni, auf der Lagunenroute, in der Atacama und an der gesamten chilenischen Küste, sind die geologischen Prozesse, die diese Welt geformt haben und immer noch formen, bei jedem einzelnen Schritt zu sehen! Hier, an der Westseite des südamerikanischen Kontinents, schiebt sich die pazifische Nasca-Platte unter die kontinentale Platte. Dieser, als Subduktion bezeichnete Prozess ist nicht nur für die Entstehung der Anden -dem längsten Gebirge der Welt- verantwortlich, er ist auch die Ursache für die reichen Vorkommen an Bodenschätzen, erzeugt die unendlich vielen heißen Quellen, die hunderte von Vulkanen in der Andenkette, ist aber auch verantwortlich für die immer wieder auftretenden Erdbeben und Tsunamis.
    Eine ganz besondere und seltene geologische Besonderheit ist hier, im Santuario de la Naturaleza Granito Orbicular, zu sehen. In das magmatische, granitähnliche Gestein sind vor fast 160 Millionen Jahren in einem intrusiven Prozess, spezielle Mineralien (Quarz und Plagioklas) eingedrungen. Bei der langsamen Abkühlung des Magmas kristallisierten diese Minerale und wuchsen im Laufe der Zeit zu festen, kugelförmigen Mineralstrukturen (Orbikel) mit deutlichen, inneren Strukturen, die wie Jahresringe aussehen.
    Diese Granito Orbiculares sind so selten, daß weltweit nur wenige Fundorte bekannt sind!

riesige
                      Granitfelsen mit eingeschlossenen Mineralkugelnriesige Granitfelsen mit eingeschlossenen Mineralkugeln

zusammen mit dem Granitkörper sind
                        auch die kugelförmigen Einschlüsse abgeschliffen...
zusammen mit dem Granitkörper sind auch die kugelförmigen Einschlüsse abgeschliffen...


..so daß
                      immer nur runde, kreisförmige Abschnitte zu sehen sind..so daß immer nur runde, kreisförmige Abschnitte zu sehen sind

Granito Orbiculares aus der Nähe
Granito Orbiculares aus der Nähe

..und als Körper zwischen anderen Gesteinen
..und als Körper zwischen anderen Gesteinen

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das war`s...

..das war die letzte Seite des Abenteuers PanAmericana entlang der chilenischen Pazifikküste in diesem 4. Törn.
    Natürlich endet die Geschichte hiermit nicht - es wird weiter gehen. Morgen werde ich die Küste auf der Ruta 5, der PanAmericana verlassen und nach Osten, in Richtung der Hochanden und hinein in das Reich der 6.000-er fahren.
    Vorher natürlich noch das Video der letzten Tage mit den letzten Szenen der Fahrt entlang des Pazifik`s:

Dieses Video liegt in FullHD vor
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demnächst geht`s hier weiter mit dem nächsten Teil im Abenteuer PanAmericana