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> Pazifik > Reparaturen Taltal Am frühen Dienstag-morgen, dem 23. Dez.
`25, verlasse ich bei strahlend blauem Himmel meinen abge-legenen
Stellplatz und fahre wieder zurück auf die PanAmericana
und dann die letzten Kilo-meter in Richtung der kleinen
Küstenstadt Taltal. Hier erwartet
mich das für die chilenische Pazifikküste schon bekannte Bild:
Über dem Pazifik haben sich in der Kälte der Nacht schwere Wolken
gebildet und hängen als durchgehende Decke vor der Küste, unfähig,
die 1.000 bis über 2.000 Meter hohen Küstenanden zu überwinden.
Erst später am Vormittag "verbrennt" die glühende Sonne über der
Atacama diese dann -meistens- vollständig. Jetzt aber erwartet
mich unter dem grauen Himmel die Suche nach einer Werkstadt, die
mir bei meinen Kupplungsproblemen helfen kann. Anscheinend ist
immer noch Luft im Kupplungssystem und sorgt dafür, daß die
Kupplung bei steileren Anstiegen sogar durchrutscht... Nacheinander fahre ich die gestern noch über Google-Maps recherchierten Werkstätten an... vergeblich! Eine nach der anderen ist verriegelt und verrammelt, keine Menschenseele ist zu sehen und es macht nicht den Eindruck, daß sich am Vortag von Heiliabend daran etwas ändern wird. Auch meine letzte Adresse ist erneut ein Flop! Dafür steht zum Glück eine junge Frau in der Nähe die auf ihr Taxi wartet und jetzt, wie in Südamerika üblich, wird mir auf freundlichste Art sofort geholfen! Ihre Erklärungen, warum die Werkstatt geschlossen ist, verstehe ich leider nicht, wohl aber, daß ich mitkommen soll... 200 Meter weiter die staubige Straße hinauf geht sie mit mir auf einen unscheinbaren Eingang zu an dem nichts darauf hindeutet, daß hinter der Brettertür überhaupt jemand ist. Mich erwartet, ebenfalls wie üblich, ein verdreckter, verstaubter Hinterhof, der nur nach einem Schrottplatz aussieht - und ein "Jemand", der mit ölverschmierten Händen tief in den Eingeweiden einer Motorhaube steckt. Nach kurzer Übersetzungshilfe durch die Frau, die ein halbwegs verständliches Englisch spricht, habe ich meine Hilfe gefunden! Zwei Minuten später begleitet mich der Mechaniker zum Wanderer und schnell versteht er das Problem: Die Kupplung muß anscheinend tatsächlich nur entlüftet werden und dazu werden eben zwei Leute gebraucht - einer, der auf Kommando das Kupplungspedal tritt um Druck im System aufzubauen und ein zweiter, der unter dem Steyr liegt und im richtigen Moment die Entlüftung am Kupplungsnehmer öffnet und schließt. Eine mühselige Arbeit, besonders für den, der im Dreck unter dem Fahrzeug liegt, über Kopf arbeiten muß und dabei auch noch von der aggressiven Bremsflüssigkeit im Kupplungssystem bespritzt wird. Lange Rede, kurzer Sinn - es dauerte eineinhalb Stunden einschließlich nachfüllen des Ausgleichsbehälters, bis meine Kupplung wieder einwandfrei funktionierte! Der mehr als berechtigte Lohn für die Scheißarbeit: 25.000 Pesos! Da Chile in Südamerika zu den Hochpreisländern zählt, sind diese, umgerechnet 25 €, wahrlich nicht zuviel und ich kann nur dankbar und glücklich sein, daß ich in Südamerika und nicht in Deutschland bin, wo ich unmittelbar vor Weih-nachten wohl trotz 5 bis 10 fachem Preis dennoch mit Pauken & Trompeten abgeblitzt wäre... |
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> Pazifik > am Pazifik am pazifischen OzeanEine Stunde später habe ich, jetzt wieder
bei strahlend blauem Himmel, meinen Traumplatz einige Kilometer
nördlich von Taltal gefunden. Ohne
zig andere Wohnmobile oder Parkautomaten stehe ich mit dem Wanderer an der wilden und zerrissenen
Pazifikküste Nordchiles. Um mich herum sind der Geruch nach Meer
und Tang, die Rufe von unzähligen Wasservögeln und das ständige
Rauschen der gegen die Felsen krachenden Brandung. Kurz nach der
Ankunft bin ich bereits bei einer ersten Klettertour in den Felsen
unterwegs. In einer kleinen Bucht lasse ich meine
Trecking-Sandalen stehen und steige mit den Füßen ins Meer. Der
Grund besteht hier aus Myriaden zu winzigen Stücken zerriebenen
Muschelschalen. Das kristallklare Wasser ist bei der brennenden
Sonne angenehm erfrischend und deutlich wärmer als fast 2.000
Kilometer weiter südlich an den Küsten
in Höhe von Osorno, wo die Füße nach wenigen Minuten vor
Kälte anfangen zu schmerzen. Der aus der Antarktis
kommende und entlang der gesamten Westküste Südamerikas
nach Norden ziehende Humboldtstrom,
muß sich hier, in Höhe des südlichen Wendekreises, bereits
deutlich der erbarmungslosen Sonne der Atacama beugen. Als ich ein
paar Tage später mit einem Thermometer ins Wasser steige, zeigt es
bereits sagenhafte 20° C an!
Kleine Eidechsen huschen mit schnellen Beinen über die Felsen, bleiben völlig unvermittelt stehen und sind dann im selben Moment so bewegungslos, daß sie kaum noch auf den Felsen zu erkennen sind. Ununterbrochen gellen die Schreie der Möwen in der Luft, während nur wenige Meter von mir entfernt, immer wieder Seelöwen durch das kristallklare, tiefblau und hell türkis leuchtende Wasser patrouillieren. In den geschützten Buchten schweben kleine, schwarze Fische dicht über dem Grund zwischen den Felsen, der an jeder freien Stelle vollständig mit Myriaden kleinen, hellen, zersplitterten Muschelschalen bedeckt ist. Dann rollt wieder eine der größeren Wellen in den kleinen, felsigen Nebenarm an meiner Seite und die grellen, glitzernden Wasserfontänen und Tropfen schießen meterhoch in die Luft während die langen, dunkelbraunen Arme des Tangs wie lange Strähnen über die Felsen gezogen werden. Manchmal streicht ein schneller Schatten über mich hinweg wenn mich wieder einer der Geier überfliegt.
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> Pazifik > Stellplätze Stellplatz-HoppingEs ist Weihnachten und ich fahre zum
Einkaufen die wenigen Kilometer zurück nach Taltal. Ja, richtig,
Weihnachten - und die zwei Supermercados in
der kleinen Küstenstadt haben geöffnet! ..wie immer! 7 Tage in der
Woche! Von morgens 9 Uhr bis abends um 21 Uhr! Selbstverständlich!
Warum ich das erwähne? Klar, ich bin mein gesamtes Leben in
Deutschland sozialisiert worden und deshalb drängen sich solche
und viele andere Vergleiche natürlich auf. Ich kann mich noch gut
an das Geschrei in meinem Heimatland vor einigen Jahren erinnern,
als "man" das Ladenschlußgesetz geändert und längere
Öffnungszeiten eingeführt hat. Der Untergang des Abendlandes wurde
heraufbeschworen und die mühsam erkämpften sozialen
Errungenschaften schienen zu fallen. Oder welcher Mechaniker würde
sich in Deutschland auf eine staubige, nicht ashaltierte Piste
legen und im Dreck mit ätzender Bremsflüssigkeit herumspritzen?
Ohne Termin? Ohne Arbeits-schutzmaßnahmen? Ohne Auftrag und ohne
Überprüfung der Kunden-bonität?
Immer wieder sehe ich solche Unterschiede und ich frage mich, was aus unserem Land geworden ist? Wir haben die höchste Steuer- und Abgabenlast auf der Welt und gleichzeitig versinkt unser Land in maroder Infrastruktur, in einem unendlichen bürokratischen Sumpf, während unser Gesundheits- und Schulsystem nur noch als minderwertig angesehen werden kann. Die Zahl der Millionäre und Milliardäre nimmt in Deutschland überproportional zu, während gleichzeitig immer mehr Menschen gezwungen sind die Tafeln aufzusuchen, um mit ihrem mageren Einkommen oder Rente bei exorbitanten Mietpreisen überhaupt noch überleben zu können. Unsere Politiker forcieren mit Nachdruck den Einsatz von Elektroautos, haben aber niemals gesehen, wie in Ghana und Nigeria unser Wohlstandsschrott von barfüßigen Menschen nach verwertbarem durchsucht wird um zu überleben. ..haben niemals gesehen, wie in Chile die Erde auf hunderten von Kilometern aufgebrochen wird, um an "unser" Kupfer für die E-Autos und den Ausbau der Infrastruktur zu kommen. ..haben niemals Indigene gesehen, die schon seit ungezählten Generationen in den Anden leben und ihr kostbares Trinkwasser seit Jahrhunderten aus den wenigen Quellen und Brunnen bezogen haben, jetzt aber teures Wasser über LKW beziehen müssen, weil ein übermächtiger Bergbaukonzern mit ausländischen Kapitalgebern die gesamten Wasser-rechte für die Lithiumgewinnung aufgekauft hat... ![]() die Chuquicamata Mine - der größte Kupfer-Tagebau und die zweitgrößte Mine der Welt bei Calama in Chile Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Berg2 Nach dem Einkauf in Taltal fahre ich wieder
an der Küste entlang nach Norden, vorbei an meinem alten
Stellplatz um am Punta Agua Dulce
(Landzunge des süßen, lieblichen Wassers) einen neuen, noch viel
schöneren Platz zu finden. Wieder folgen endlose Klettertouren
über die Felsen bis hinein in die Brandungsgischt... genauso, wie
etliche Stunden im Campingstuhl direkt am Wasser und dem Kindle in
der Hand - Urlaub eben.
Daneben natürlich auch Kontroll- und Wartungsarbeiten am Wanderer, angefangen bei Kontrolle der Flüssigkeitsstände, Leckkontrollen, Fahrwerksprüfung, Reinigung von Wasserfiltern bis hin zu so profanen Dingen wie dem Alltagsleben im Abenteuer...
..ja, natürlich, ich könnte auch bequem zu
Hause sitzen und dort lesen, in unmittelbarer Nähe all der süßen
Verlockungen unserer Zeit, angefangen von leckeren Plätzchen über
Pringles bis zu frischem Kaffee. Statt dessen bin ich um die halbe
Welt geflogen, tausende von Kilometern mit dem Wanderer
quer durch den südamerikanischen Kontinent gefahren um jetzt, hier
an der chilenischen Pazifikküste zu sitzen - und hier zu lesen. Zu
Hause müßte ich jetzt im Winter nicht einmal das Dröhnen der
ungezählten Rasenmäher in der Nachbarschaft ertragen... auch nicht
die Autos auf den Straßen unter mir und nicht einmal die immer
wieder `mal hörbaren Sirenen eines Rettungswagens oder der
Polizei. Nein, stattdessen sitze ich hier unter freiem Himmel,
während nur 3 Meter von mir entfernt die Wellen des pazifischen
Ozeans gegen die letzten Uferfelsen plätschern. Alle paar Minuten
ändert sich dieses einzige Geräusch in meiner Wahrnehmung und wird
zu einem dumpfen Grollen. Während der Ozean weiter draußen immer
noch völlig flach und eben scheint, rollen aber eben alle paar
Minuten 3 oder 4, manchmal auch 5 wesentlich stärkere Wellen
unmerklich verborgen unter der scheinbar so glatten Oberfläche in
Richtung der Küste. Erst wenn sie das flachere Wasser erreichen
und der Meeresgrund ihre freie Ausdehnung begrenzt, bauen sie sich
zu diesen sichtbar auftürmenden Wellen auf. Dann, auf den
allerletzten Metern vor den Felsen der Riffe, werden sie innerhalb
von nur wenigen Sekunden zu richtigen Brechern, die so manches Mal
drei oder vier Meter Höhe erreichen! ..und dann, im allerletzten
Moment bevor sie in die Felsen schlagen, wächst ihre Höhe noch
einmal sprunghaft an um dann einen Sekundenbruchteil später mit
Urgewalt in die Felsen zu schlagen. Eine weiße Wasserwand schießt
dann manchmal 6, 8 und in einigen Fällen sicher mehr als 10 Meter
in die Höhe! Dann, einen weiteren Sekundenbruchteil später,
erreicht mich das Krachen und Donnern des eingeschlagenen Brechers
während seine, nicht durch einen Felsen ungestörte Flanke, jetzt
türkisgrün und durchsichtig weiter auf mich zurollt. Ihre Basis
wird dabei durch den jetzt deutlich ansteigenden Grund so stark
gebremst, daß die Welle von ihrer eigenen Krone überholt wird! Sie
bricht mit einem viel länger anhaltenden, dumpfen Donnern, während
ihre strahlend weißen und aufgewühlten Reste immer flacher
werdend, weiter auf mich zurollen und eben erst 3 Meter vor meinen
Füßen endgültig ausrollen. Immer wieder, wenn sich das monotone
Rauschen der Wellen in diesen anderen Takt ändert, schaue ich von
meinem Kindle auf und werde nicht müde, dieses optische und
akustische Schauspiel zu bewundern und dabei auch zu realisieren,
das niemals ein Brecher dem anderen gleicht. Jedesmal ist es
irgendwie anders und wird einfach nicht langweilig...
![]()
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![]() der Wanderer in der Abendsonne ![]() die Wellen brechen sich an den Felsen der Riffe ![]() die Küstenberge im Licht der tiefstehenden Sonne ![]() die Sonne steht schon unter meinem Horizont und ist gleichzeitig, auf der anderen Seite des Pazifiks, noch nicht einmal aufgegangen... |
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> Pazifik > weiter es geht weiter.....natürlich! ..weiter entlang der
chilenischen Pazifikküste und immer weiter nach Norden. Bei dem
kleinen Ort Paposo mache ich für
drei Tage auch wieder einen "Ausflug" in die unwirklichen Berge
der Atacama, bevor es wieder zurück zu Küste geht. Auf der
nächsten Seite mehr dazu.
Vorher natürlich noch das Video der letzten Tage entlang und am Pazifik in Nordchile: Dieses Video liegt in FullHD vor demnächst geht`s hier weiter mit dem nächsten Teil im Abenteuer PanAmericana |