aktuelle,
zoombare Routenkarte
des ges. 4. Törns, Stand 18.01.2026
Es ist Donnerstag, der 8. Jan. ´26 und für die nächsten drei Tage
unterbreche ich mein Nomadenleben an der Pazifikküste von
Nordchile. Bei Paposo verlasse ich
die beein-druckende Küstenstraße und klettere mit dem Wanderer
wieder hoch hinauf in die Küstenanden. Hier und in den
dahinter liegenden Bergen, südlich vom Paranal,
will ich noch einmal die absolut unwirkliche und unwirtliche
Atacama schmecken und nach Mög-lichkeit auch einen Stellplatz
oberhalb der Wolken finden. Die Straße schlängelt sich ab Paposo mit brutalem Anstieg steil bergauf und der Motor produziert durch die Kraftanstrengung sofort jede Menge Abwärme. Da der Lüfter des Steyr eine Viskosekupplung und keinen elektronisch gesteuerten Antrieb hat, ist er so kurz nach dem Start noch nahezu "kalt" und reagiert nur langsam. Damit klettert die Kühlwasser-temperatur schnell in Richtung des roten Bereichs. Da helfen nur die Heizung im Fahrerhaus voll aufdrehen und bis in den 3. Gang herunterschalten. Nach nur wenigen Kilometern kommt direkt an der steilen Wand ein beeindruckender Mirador (Aussichtspunkt) und damit eine willkommene Stelle, ein paar Fotos zu machen und gleichzeitig den Motor im Leerlauf noch ein wenig nachtuckern zu lassen. Jetzt hat die Strahlungshitze vom Kühler ausreichend Zeit, die Viskosekupplung für den weiteren Anstieg so richtig aufzuheizen.
Nicht einmal zwei Stunden, dafür fast 2.000
Höhenmeter nach meinem Start vom Punta
Guanillos am Pazifik, habe ich meinen neuen Stellplatz
mitten in der Abgeschiedenheit der Atacama gefunden:
Ist ja schon, hm, etwas verrückt...? Ich fahre von einer gut ausgebauten Straße, die aus Süden zum Paranal führt, einfach etwas ähnliches wie einen Feldweg hinein in die Atacama, weil irgendein Nerd vor Jahren einmal das gleiche gemacht und es im Internet verewigt hat. Dieser "Feldweg", besser eine Piste, führt rumpelig hinein in die Dünen und ins Nichts der Wüste. Darf ich das überhaupt? In Deutschland würde schon das runde, weiße Schild mit dem roten Kringel und darunter der Tafel mit "für den landwirtschaftlichen Verkehr frei" dort stehen... Na ja, Landwirtschaft gibt`s ja hier nicht - vielleicht deshalb auch kein Schild... Der Nerd, der irgendwann einmal hier gewesen ist, hat Koordinaten hinterlassen, die irgendwo in der Wüste südlich von mir sein müssen. Einen "Weg" dorthin gibt es nicht, aber als irgendwann ein paar Spuren, die hier in der Atacama auch schon ein Jahrzehnt oder mehr alt sein können, in die richtige Richtung zeigen, biege ich mit dem Wanderer genau dorthin ab. Irgendwann sind die Hügel aus einem nachgiebigen, aber ausreichend festem Sand dann so beeindruckend, daß ich beschließe, genau hier nach einer ebenen Stelle weiter oben, auf dem Kamm zwischen zwei Hügeln zu suchen - und werde fündig. Mit allen Sperren und eingeschalteter Gelände-untersetzung zieht sich der Steyr anstandslos den Hang hinauf und ich stehe auf "meinem" Platz! Mitten in der Atacama, mitten im absoluten "Nichts", über den meisten Bergen in meinem näheren Umfeld und mit Sicht auf den pazifischen Ozean und einer über ihm liegenden Wolkendecke. Ich aber stehe weit über der Grenze, die diese Wolken übersteigen könnten mit einem kristallklaren, blauen Himmel und der brennenden Sonne über mir.
Mein Stellplatz ist sooo außergewöhnlich,
so abgelegen, so einsam, so exotisch, so unwirklich...
Nach dem Bild oberhalb sitze ich noch kleine Ewigkeiten auf den Felsen des Hügels und versuche, diese außerirdische Marslandschaft in mich aufzunehmen... ![]() es würde mich nicht überraschen, wenn der Mars-Rover Perseverance im Jezero-Krater gleich über einen Hang auf mich zurollt und brüllt, er hätte außerirdisches Leben gefunden... Was mich genauso immer wieder zum Staunen
bringt, sind die geologischen Spuren in der gesamten Atacama. An
jedem einzelnen Stein, an jedem Felsen und jedem Berg schreit mich
die wilde Entstehung dieser Welt regelrecht an. Auch wenn meine
bescheidenen Kenntnisse der Mineralogie jetzt schon 40 Jahre in
der Vergangenheit liegen, meine ich doch permanent jede Menge
Eisen, Kupfer und Schwefel fast überall erkennen zu können.
![]() riesige Wolkenbänke türmen sich an den Küstenbergen über dem Pazifik auf |
| Wie jeden Abend
seit nunmehr fast 4 Jahren, gehe ich auch heute wieder vor dem
Schlafengehen noch nach draußen - diesmal allerdings mit Stativ
und Kamera. Während an der Küste fast jeden Abend Wolken
aufziehen und sich an den Bergen stauen, ist der Himmel über mir
hier wieder ein einziges, funkelndes Meer aus Sternen. Die
Milchstraße liegt als klares Band direkt über mir und der Mond
ist noch tief unter dem Horizont. Die Sternbilder des Orion, der
Hyaden und der Plejaden strahlen genauso deutlich, wie die
"Nebelflecken" unserer beiden Satellitengalaxien, der Großen und
der Kleinen Magellanschen Wolken - und das in absoluter Stille,
wo außer meinem eigenen Atmen kein anderes Geräusch zu vernehmen
ist.
![]() 'Nahr Alsama' - Fluss des Himmels, wie die Beduinen in der Sahara die Milchstraße nennen links oben der Orion ![]() der südliche Teil der Milchstraße - rechts oben die Große Magellansche Wolke, eine Satellitengalaxie unserer Milchstraße auch die großen Staubwolken in unserer Galaxis, die große Bereiche der Sterne verdecken, sind gut zu erkennen |
|
Du
bist hier: Global-Wanderer >
Reisen > Südamerika
> Inhaltsverzeichnis
> 4. Törn > Atacama > Quebrada el Medano Quebrada el MedanoAm nächsten Vormittag starte ich in ein
weiteres Abenteuer. Nach einer halben Stunde zurück durch die
Wüste und über die Piste erreiche ich wieder die Straße zum
Paranal. Nur wenige Kilometer weiter habe ich schon gestern eine
weitere Piste gesehen, die direkt in die Küstenberge verläuft.
Nach dem Studium im Navi bin ich mir sicher, direkt bis zur
"Abbruchkante" oberhalb des Ozeans zu kommen. Es folgen zwei
anstrengende Stunden über teils steile, enge und holperige Pisten,
bis ich in einem Tal den Wanderer abstelle
und den Hang eines Berges erklimme. Oben angekommen, habe ich eine
unglaubliche Sicht über den weiteren Verlauf der Piste und einen
möglichen
Abzweig zum Ziel meiner Wünsche. Weit entfernt sehe
ich den Pazifik und eine Piste, die mich vielleicht genau dorthin
bringt. Also wieder zurück zum Wanderer und
mit einer Mischung aus Navi, Bauchgefühl und Orientierungssinn
finde ich eine extrem schmale, direkt in einen Hang geschlagene
Piste und folge ihr ins Unbekannte. Als ich endlich über eine
Kuppe komme, stockt mir fast der Atem. Direkt vor mir beginnt eine
Quebrada, eine enge und steile
Schlucht, deren Wände immer enger zusammen-rücken und die
irgendwo, einige Kilometer vor mir und 2.000 Meter tiefer in den
Pazifik mündet... und darüber eine geschlossene Wolkendecke! Ich
steuere den Wanderer noch 300
weitere Meter den abenteuerlichen Steilhang hinunter, bis ich eine
halbwegs ebene Stelle gefunden habe - an der Quebrada
el Medano... über den Wolken!
![]() während die Sonne langsam zu sinken beginnt, klettern die Wolken weiter durch die Schlucht nach oben Nach meinem verspäteten Frühstück stelle
ich den Wanderer noch einmal ein
paar Meter um und gehe anschließend wieder auf Entdeckungstour.
Bei heftigem Wind direkt aus der Höllenschlucht unter mir, bin ich
sehr lange Zeit unterwegs - nicht, das ich dabei sehr weit oder
hoch klettere, es sind die vielen Momente, wo ich auf irgendeinem
Stein hocke und immer wieder auf diesen unglaublichen Ausblick vor
mir starre!
Wer hat sich nicht schon einmal vorgestellt, oben auf einer Wolke zu sitzen, die Sonne über einem und die Welt irgendwo, tief darunter...? Nein, nicht so, nicht "im Himmel", wo man die ganze Zeit auf einer Harve herum-zupfen muß! Nein, so richtig im Leben... auf einer Wolke! Etwa so, wenn man mit dem Flieger zu Hause in den Urlaub startet, dann durch die dicke Suppe über Deutschland fliegt und dann wird es plötzlich hell... dann strahlend und dann springt man durch die letzten kleinen Ausläufer der Wolkendecke und ist direkt über ihr... nur eben nicht für diese wenigen Sekunden, bis der Abstand zum Wolkenmeer durch den Steigflug immer weiter zunimmt, nein, sondern so, daß dieses Bild dauerhaft bleibt und man jede Zeit hat, dieses Bild in sich aufzunehmen... minutenlang... immer wieder...
|
![]() die Milchstraße über der Quebrada el Medano - der verwaschene Fleck in der rechten, oberen Ecke ist die Große Magellansche Wolke direkt über dem Wanderer ist der Bolsa Negro, der "Kohlensack", eine Dunkelwolke aus Gas und Staub, die die dahinterliegenden Sterne verdeckt |
|
Am nächsten Morgen zeigt sich die Quebrada
el Medano noch einmal im Licht des neuen Tages mit ihrem
Wolkenmeer.
Später am Tag trete ich nach diesem weiteren Ausflug in die Atacama dann ganz langsam wieder den Rückweg zur Küste an. ![]() Wolken in der Quebrada el Medano ![]() irgendwo zwischen 1.000 und 1.500 Metern ist dann die Grenze für die Wolken erreicht - höher schaffen sie es hier an der Pazifikküste nicht |
|
Du
bist hier: Global-Wanderer >
Reisen > Südamerika
> Inhaltsverzeichnis
> 4. Törn > Atacama >
weiter es geht weiter.....das heißt, es geht wieder zurück zur
Küste.
Nach einer weiteren Übernachtung erreiche ich am nächsten Tag bei Paposo wieder den Pazifik und fahre weiter nach Norden. Dazu mehr auf der nächsten Seite... Vorher
natürlich noch das Video der letzten drei Tage in der Atacama:
Dieses Video liegt in FullHD vor demnächst geht`s hier weiter mit
dem nächsten Teil
|