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durch die endlose argentinische Pampa

Route vom Paraiso in Uruguay nach Salta im äußersten Nordwesten Argentiniens Nach der erholsamen Zeit im Paraiso in Uruguay mit einigen Arbeiten am Fahrzeug, aber auch wunderschönen Strandspaziergängen an den menschenleeren Stränden des Atlantik`s, beginnt jetzt, am Montag, dem 20. Oktober `25, die lange Fahrt mit dem Wanderer durch die endlosen Weiten der argentinischen Pampa in den äußersten Nordwesten des Landes, nach Salta.
Die weiter im Süden nahezu völlig ebene und baumlose Pampa (aus dem indigenen Quechua) geht hier langsam in den Campo (spanisch) über und wechselt damit zu einer wesentlich grüneren und mit Bauminseln, Wäldern, Weiden und Feldern durchzogenen Landschaft. Bis Salta überquere ich ganze zehn Breitengrade und rücke dem Äquator dabei mehr als 1.000 Kilometer näher. Gleichzeitig geht`s auf dem Weg bis zu den Anden auch fast 1.000 Kilometer weiter nach Westen.

Salta wird mein Ausgangspunkt für den Salar de Uyuni und den Altiplano in Bolivien, die argentinische Puna und die chilenische Atacama in den Anden.


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die Grüne Hölle zeigt ihre ersten Ausläufer

mein Stellplatz direkt am Rio Uruguay in Fray Bentos Der erste Fahrtag führt mich ganze 373 lange Kilometer bei strahlendem Sonnenschein quer durch Uruguay bis kurz vor die Grenze nach Argentinien. Wie schon im letzten Jahr kann ich meinen "Stammplatz" an der Rambla, der Uferpromenada, von Fray Bentos beziehen. Kaum angekommen, werde ich schon von zwei jungen Frauen angesprochen, ob ich wohl ein Interview für "Vision-FM", einem lokalen Radiosender geben würde. Klar kann ich nicht Nein sagen, bekomme gleich ein Mikro an`s T-Shirt geclipst und muß danach sogar noch für einige Fotos mit der Reporterin vor der massiven Front des Steyr` posieren - Abenteuer PanAmericana eben...

Am nächsten Morgen breche ich zeitig auf und denke bei der kurzen Fahrt zur uruguayisch/argentinischen Grenze mit Schmunzeln daran, wie aufgeregt ich "damals", vor mittlerweile schon 3 Jahren, genau hier bei meinem ersten Grenzübergang in Südamerika gewesen war. Dank wenig Verkehr und der inzwischen vorhandenen Routine, bin ich bereits nach weniger als einer halben Stunde durch die Migraciones und Aduanas beider Länder durch und kann auf der riesigen Brücke über den Rio Uruguay den neuen Entdeckungen entgegen sehen. Schon nach wenigen Kilometern in Argentinien lasse ich die beiden Tanks des Wanderer mit Diesel bis zum Rand füllen und bin froh, daß trotz der unfaßbaren Inflation in diesem einstmals so wohlhabenden Land, der Preis pro Liter immer noch unter 1 € liegt...

Später am Nachmittag erreiche ich die Stadt Colon am Rio Uruguay und steuere den Campingplatz Piedras Coloradas direkt am Fluß an. Nach der Notreparatur meines nach fast 40 Dienstjahren heute gebrochenen Türgriffes im Fahrerhaus, kann ich wenigstens noch ausreichend das Ufer und den weitläufigen Platz entdecken... Ganz anders als in den letzten Jahren bei den Fahrten nach Süden, ist die Landschaft um mich herum keine sonnenverbrannte, ausgetrocknete Halbwüste, sondern alles strotzt nur so von feuchter Hitze und saftigem Grün, äh, und Moskitos... Die noch weiter nördlich liegenden riesigen Feucht- und Urwaldgebiete des Parque Iberá und Pantanal zeigen bereits ihre ersten Ausläufer...

..der freundliche Ortseingang von Colon - irgendwie, hm, anders als im preußischen Deutschland..der freundliche Ortseingang von Colon - irgendwie, hm, anders als im preußischen Deutschland

Campingplatz direkt am Rio UruguayCampingplatz direkt am Rio Uruguay

gefiederte Mitbewohner auf dem Campingplatz
gefiederte Mitbewohner auf dem Campingplatz - weiß jemand, wie die heißen...?


Am nächsten Morgen werde ich früh wach und sitze schon vor dem Sonnenaufgang am Schreibtisch. Dabei kündigt sich ein ganz besonderes Schauspiel an! Am Horizont ist eine breite Wolkenlücke und die ersten Strahlen der Sonne, die immer noch unter dem Horizont ist, scheinen damit von unten auf die über mir liegenden Wolken. Ich weiß, was jetzt passieren wird, greife sofort zu meiner Kamera und gehe die wenigen Meter bis zum Flußufer... und dann passiert`s! Der Himmel steht kurz darauf in Flammen... er brennt regelrecht! Eine Vorstellung, die nur zwei oder drei Minuten anhält und genauso schnell vorbei ist, wie sie begonnen hat...

der Himmel brennt am Rio Uruguay

Der nächste Fahrtag führt mich weiter nach Norden, durch und vorbei an riesigen Waldgebieten und eine hügelige Landschaft. Wenn nicht immer wieder Palmen und Eukalyptusbäume hier stehen würden, wär`s wie eine Fahrt durch Niederbayern! ..vorbei an Ubaya, dem Corazon del Palmar -Palmenherz. Immer mehr wird`s um mich herum zu einer richtigen "Grünen Hölle"... riesige Wälder mit vor Saft strotzendem Grün...

Irgendwann weisen immer öfter Schilder neben der Ruta auf "La Alemana" hin...und dann bin ich dort: Weitere Schilder in altdeutscher Druckschrift und "Colonia Alemana". Das schon etwas befremdliche Gefühl weicht jetzt Fassungs- und Sprachlosigkeit! Tafeln, die mit deutschen Wehrmachtskreuzen und Hinweisen auf den Kaiser versehen sind... dann auf einmal jede Menge Puppen, gekleidet in bayrische Lederhosen und Trachtenhüten mit Gamsbärten...

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Fahrt durch die Pampa


auf einem kleinen, urigen Campingplatz am Rand von Mercedesauf einem kleinen, urigen Campingplatz am Rand von Mercedes ..klar könnte ich jetzt in epischer Breite die nächsten Fahrtage und die weiteren 1.500 schier endlosen Kilometer durch die nördliche, argentinische Pampa, den Campos (spanisch für "Feld", weil es landwirtschaftlich intensiver genutzt wird), erzählen. Nur ist es eben so, daß es wenig zu erzählen gibt. Auf dem Weg nach Mercedes verlasse ich die Nähe des Parque Iberá und die üppigen Wälder werden unmerklich immer seltener, weichen nach und nach der absolut flachen, schier unendlichen Pampa. Im Gegensatz zu den ausgetrockneten Halbwüsten weiter im Süden Argentiniens, bleibt das allumfassende Grün unverändert erhalten - nur, zu sehen ist nichts! Meist nur fünfzig Meter links und rechts der ins Nichts führenden Ruta bilden Gras, Büsche und niedrige Bäume das Ende meines Horizonts. Die Ausnahme ist die schnurgerade Straße vor mir, die sich irgendwo am Horizont perspektivisch zu einem winzigen Punkt zusammenzieht... ach ja, der Blick in den Rückspiegel zeigt das Gleiche... Ein Freund hat es in einer Signal-Nachricht so treffend zusammengefaßt: "Zwischen Corrientes und Salta ist die 800km-Route die meiste Zeit ein gerader Strich. Und dann taucht wie aus dem Nichts diese Stadt Salta mit einer tollen historischen Altstadt und über einer halben Million Menschen auf..."
So vergeht Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde, Tag um Tag, während die Gedanken oft genauso auf Reisen sind, wie der Wanderer & ich. Als ich bei Corrientes am moskitoverseuchten Rio Paraná sitze, muß ich zugeben, daß das uneingeschränkte Wahlrecht einer mujer (Frau) auf dem Beifahrersitz des Wanderer, meinen touristischen, kulturellen und lukullischen Horizont deutlich erweitern würde. Ich wäre sicher nicht nur einfach durch Corrientes durchgefahren, sondern stünde jetzt irgendwo an der Rambla des Rio Paraná bei einem leckeren Eis oder ähnlichem. Abends würde es zum Essen sogar einen Salat und zum Frühstück sicher auch Obst geben. Auch könnte ich schicke Fotos der kolonialen Häuser und Kirchen dieser sicher beeindruckenden Stadt machen. Auf der anderen Seite habe ich bei anderen Overlandern schon oft verhalten grinsend mitbekommen, daß es `mal zu heiß, dann wieder viel zu kalt sei... und die Fenster müssen nachts in jedem Fall geschlossen sein und die Heizung sollte morgens schon vor dem Wachwerden automatisch einschalten. Ist es später im Fahrerhaus viel zu heiß, würde ich daran erinnert werden wie gut es doch gewesen wäre, anstelle des blöden Reserverades auf dem Dach doch besser eine Klimaanlage eingebaut zu haben. Fenster und Dachluke dagegen zu öffnen, wäre ja wegen des scharfen Luftzuges nicht möglich... Ja, es scheint zu stimmen, daß wir Menschen uns immer nach dem sehnen, was wir gerade nicht haben... schwere Gewitter ziehen am Abend der Hitzerekorde auf
schwere Gewitter ziehen am Abend der Hitzerekorde auf
typisch deutsch - ein riesiger Topf mit Kartoffeln für Linsensuppe nach einer riesigen Fahrttypisch deutsch - ein riesiger Topf mit Kartoffeln für Linsensuppe nach einer riesigen Fahrt ..und dann kommt die Hitze! Während ich auf dem Weg nach Salta durch ebenso unendlich scheinende Sonnenblumenfelder fahre, klettert das Thermometer heute, am Freitag, dem 24. Okt., unablassig weiter in die Höhe. Heutiger Spitzenwert im Fahrerhaus: 44,8° und im Schatten unter dem Wanderer mit Fahrtwind: 42,4°... am Abend, nach einem kühlenden Gewitter, sind`s "nur" noch 36,0° im Fahrzeug... am nächsten Morgen um 1/2 6 sogar nur 28,0°! Dicht bewölkter Himmel, weitere Gewitterschauer und später immer wieder Nieselregen, sorgen an diesem Tag zum Glück für das Ende der Hitzeschlacht mit nur noch 24,6° im Fahrerhaus. Was für eine Wohltat nach der Hitzeschlacht von gestern!
Was sich dagegen nicht ändert, ist die unendliche Pampa... eine endlos gerade Ruta, alle zig Kilometer `mal winzigste Ansiedlungen von 5 Häusern und völlig freilaufende Ziegen, manchmal auch ein Esel, Pferde und, Überraschung, jetzt sogar `mal Schweine - alle ohne Zäune und Leinen direkt an der Straße! Leider entlang dieser Ansiedlungen auch Müll ohne Ende! Tausende grau angelaufene Kunststoffflaschen und tonnenweise Fetzen aus Kunststofffolien in jedem Baum, jedem Strauch, an jedem Zweig! Ist das unser Vermächtnis an die Nachwelt?

..dann ist es geschafft! Nach 7 Tagen Fahrt und 2.017 Kilometern, also 288 km/d über selten richtig gute, meistens holperige und oft krachend brutale Straßen, mit einem Steyr, der meistens auf jeder Seite der Fahrspur nur 20 Zentimeter Platz hat, rechts oft mit tückischen Auswaschungen des Straßenbelags, links dann die entgegenkommenden LKW`s die mit 160 km/h (meine 80 plus deren 80) an mir vorbeidonnern, mit Spurrillen, Bodenwellen und fiesen Löchern, die ständige Eingriffe & Korrekturen am Lenkrad erforderlich machen...
Ich stehe etwas außerhalb von Salta auf dem kleinen Overlander-Platz von Frank Neumann und seiner Tochter Paulina, am Fuß der Anden und mittlerweile schon auf einer Höhe von 1.473 Metern über Meereshöhe.
Zur glücklichen und heilen Durchquerung des Kontinents gibt es heute zur Feier des Tages einen riesigen Topf mit frischer Linsensuppe und ohne Frank, der während eines Gesprächs sein Handy zückte und ein Bild von meinem typisch deutschen Arrangement auf meiner Stoßstange gemacht hat, hätte ich euch dieses Highlight wahrscheinlich gar nicht zeigen können...

Sonnenaufgang am nächsten Morgen hinter einem der riesigen Ceibo-Bäume bei Neumann`s Place
Sonnenaufgang am nächsten Morgen hinter einem der riesigen Ceibo-Bäume bei Neumann`s Place

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von Uruguay bis Salta

2.000 Kilometer, vom Atlantik in Uruguay bis nach Salta in den argentinischen Anden - alles in gerade `mal vier Minuten!

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Kokain-CocaineWie es in und ab Salta mit dem Abenteuer PanAmerica weiter geht, folgt auf den nächsten Seiten. Unter anderem werde ich euch ein bischen zu Benzoylecgoninmethylester erzählen... was, kennt ihr nicht? Vielleicht aber das Bild rechts? Immer noch nicht? Oder C17H21NO4? Puh, darf ich das Wort überhaupt ungestraft auf einer deutschen Webseite schreiben? Kokain? Oh weh, jetzt habe ich`s gesagt...

Bild: Wikipedia gemeinfrei