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Fiambalá

Routenkarte-2025-12-31aktuelle, zoombare Routenkarte des 4. Törns, Stand min. 21.03.2026 (oder neuer)

Illapa, der Wettergott der Inka`s, war wieder einmal auf meiner Seite. Die schweren Gewitter am letzten Abend sind an mir vorbei gezogen und keine Sturzfluten behindern meine Ausfahrt aus dem Cañón del Indio. Vor mir liegen jetzt, am Freitag, dem 20. Feb. `26, nur noch wenige Kilometer bis zur ersten (kleinen) Stadt, Fiambalá. Damit liegen ganze zwei Wochen und fast 600 Kilometer von meiner letzten Versorgung in Copiapó, Chile, mit Lebensmitteln, hinter mir.
    Schon vor meiner Ankunft auf dem Campingplatz El Paraiso hat mein Bauchgefühl schon längst entschieden, dass nach zweieinhalb Monaten Nomadenleben jetzt erst einmal einige Tage im beständigen Umfeld eines richtigen Campingplatzes angesagt sind...

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El Paraiso - Urlaub vom Urlaub

Als ich den Wanderer im Cañón del Indio am Mittag starte, läuft er bereits nach lächerlichen zwei Sekunden vollkommen rund! Was zweieinhalbtausend Höhenmeter doch ausmachen... Neben der Ruta de Seismiles wälzt sich im Gegensatz zu gestern jetzt allerdings ein reißender Fluß mit einer braunen, völlig undurchsichtigen Brühe.
    Nach gerade 25 Kilometern habe ich mein Tagespensum für heute schon geschafft und bin am Campingplatz El Paraiso in Fiambalá. Bei dem Namen muß ich natürlich mehr als schmunzeln... ist doch das Paraiso Suizo in Uruguay schon fast zu meinem zweiten Zuhause geworden...
    Es war allerdings ein wildes Rangieren, bis ich mit dem ziemlich wuchtigen Wanderer unter den viel zu tief hängenden Kabeln nach der engen Einfahrt hindurch und endlich auf dem einzigen, ausreichend großen Platz stand!

mein neues 'Zuhause' für die
                      nächsten Tage
mein neues 'Zuhause' für die nächsten Tage

der Wanderer auf dem einzigen, ausreichend großen Stellplatz im El Paraiso
der Wanderer auf dem einzigen, ausreichend großen Stellplatz im El Paraiso

Nach zwei Monaten und zwei Tagen habe ich endlich wieder Zugang zu schier unbegrenztem Dihydrogenmonoxid Dihydro, also 2 Atome Hydrogenium, Wasserstoff, PLUS Monoxid, also 1 Atom Oxygenium, Sauerstoff, ergibt als Verbindung H?O, auch bekannt als 'Wasser'!!!
    Schon kurze Zeit nach der freundlichen Ankunft stehe ich unter einer richtigen Dusche... mit herrlichstem, salzfreiem und heißem Süßwasser und spüle mir auch den allerletzten Sand und Staub aus den Haaren und vom Körper. Wie kostbar eine solche, in Deutschland so gewohnte Selbstverständlichkeit ist, spüre ich hier nach wochenlangem Wassersparen mehr als deutlich!
    Nach ausgiebiger "Rundum-Körperpflege" bricht allerdings meine urdeutsche Prägung durch... Nach den wochenlangen, drastischen Wasser-Sparmaßnahmen muß ich erst einmal mein Sicherheitsbedürfnis befriedigen: Die wenigen Zentimeter "Altwasser", die noch in meinem Tank herum-dümpeln, werden abgelassen, der Tank danach gründlich ausgespült und anschließend mit frischem Wasser befüllt. Gespannt beobachte ich meine Füllstandsanzeige und kann`s nicht wirklich glauben, wie der LED-Balken langsam immer weiter in die Höhe klettert und schließlich sogar mein Tanküberlauf eine handvoll Liter ausspuckt, bevor ich den Zulauf wieder sperre. 340 Liter kostbarstes Trinkwasser schwimmen jetzt wieder im Tank...
    Jetzt habe ich endlich die Ruhe, die "Beine baumeln zu lassen" und das ist schon eine deutliche Umstellung! Nach vielen Wochen in völliger Abgeschiedenheit hat sich die Welt um mich herum um 180° gedreht! Knatternde Mopeds mit "leergeräumtem" Aufpuff und der Lautstärke einer getunten Harley, Hupen von Autos, andere -südamerikanische- Gäste auf dem Platz, die am Abend erst so richtig in Fahrt kommen, lautstark grillen & schnäbbeln, bellende Hunde, kreischende Loros und am Morgen krähende Hähne sind schon eine Umstellung...

an der Plaza von Fiambalá
an der Plaza von Fiambalá

Einkaufspassage mit allem, was das (Touristen-) Herz begehrt
Einkaufspassage mit allem, was das (Touristen-) Herz begehrt

Am nächsten Tag fiere ich auch die Yam, meine Enduro, vom Heckträger ab und werde dabei vom Staub der Abdeckplane wieder an die hunderte von Pistenkilometern erinnert, die hinter dem Wanderer so herrliche Wirbel aus feinstem Staub in jede denkbare Ritze drücken!
    Die erste Fahrt ist dann eine kleine Entdeckungreise durch das winzige Nest Fiambalá. Außer einer Eisdiele, mehreren kleinen Restaurants für die Touris, die von hier aus ihre Ausflüge in das Gebiet der Therme, die riesige Dünenwelt in der Umgebung oder den Balcón de Pissis mit einem der mehr als reichlich vertretenen Touranbieter starten, gibt`s nicht wirklich viel zu sehen. Zum Glück hat Fiambalá sogar einen gut sortierten Supermercado, Supermarkt, eine Carniceria, Metzgerei, und eine gute Panaderia, Bäckerei.     Mit vollgepacktem Rucksack und zwei zusammengeknoteten und über den Tank gespannten Stofftaschen, trete ich wieder den Heimweg an und gönne mir ein köstliches Frühstück mit frischem Brot.
    Später lerne ich noch ein argentinisches Biologen-Paar auf dem Campingplatz kennen und erfahre, dass die RN 60, die Ruta de Seismiles, auf der ich vorgestern noch hierhin unterwegs war, schon wenige Kilometer nach dem Cañón del Indio komplett gesperrt ist! Überflutungen, Steinschläge und Erdrutsche haben die Ruta für unbestimmte Zeit unpassierbar gemacht...
 

Die folgenden Tage werden ein entspannter "Urlaub vom Urlaub" mit weiteren Einkäufen, mühsamem Abwaschen der Staubschichten im Inneren des Wanderer`s, putzen der Fenster und reinigen des Fahrerhauses, sehr viel lesen im Schatten der Bäume, Wäsche waschen, entwerfen von Seiten für den GlobalWanderer und Ausflügen mit der Yam.

..sieht harmlos aus, ist aber ein fürchterlicher Sandsturm, der auf jedem Fleckchen bloßer Haut stechende Einschläge erzeugt
..sieht harmlos aus, ist aber ein fürchterlicher Sandsturm, der auf jedem Fleckchen bloßer Haut stechende Einschläge erzeugt

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Dunas de Tatón

Heute, am Montag, dem 23. Feb. `26, starte ich mit der Yam zu einem sehr langen Ausritt von meiner Basis, dem Camping El Paraiso in Fiambalá - zu den Dunas de Tatón - den Dünen von Tatón.
    Irgendwo weit hinter Fiambalá fahre ich durch den winzigen Ort Medanitos und sehe ein wirklich außergewöhnliches Bild: Auf einem Hügel, hoch über dem Ort und hinter einer in bester Popkultur gestrichenen, pinkfarbenen Kirche, thront eine riesige Jesus-Statue. Wie ich später erfahre, ist sie fast 20 Meter hoch!

nördlich von Fiambalá entdecke ich in dem winzigen Ort Medanitos dieses außergewöhnliche Bild...
nördlich von Fiambalá entdecke ich in dem winzigen Ort Medanitos dieses außergewöhnliche Bild...

oberhalb des Dorfes Medanitos steht
                        die Statue 'Cristo de la Fe, el Amor y la Esperanza'
oberhalb des Dorfes Medanitos steht die Statue 'Cristo de la Fe, el Amor y la Esperanza'
kein Schnee sondern weißer Sand mit
                      schwarzem, basaltischem Lavagestein
kein Schnee sondern weißer Sand mit schwarzem, basaltischem Lavagestein

ich komme den riesenhaften Dünen langsam näher - die Berge dahinter tragen jedoch eine frische Schneedecke
ich komme den riesenhaften Dünen langsam näher - die Berge dahinter tragen jedoch eine frische Schneedecke

Auch nach dieser kurzen Unterbrechung mit der Auffahrt zur Statue, geht es für viele Kilometer weiter parallel zu den Bergen und riesigen Sanddünen, die nur langsam näherrücken... nicht dagegen die Wüste durch die ich jetzt fahre...

die Dunas de Tatón
die Dunas de Tatón

der Kontrast könnte kaum größer sein
der Kontrast könnte kaum größer sein

die Sandwüste mit den riesigen Dünenfeldern, vermischt mit Lavasteinen
die Sandwüste mit den riesigen Dünenfeldern, vermischt mit Lavasteinen

Irgendwann entscheide ich spontan, an einer winzigen, völlig unscheinbaren Piste, in Richtung der Dünenfelder abzubiegen - und komme nach kurzer Zeit aus dem Staunen nicht mehr heraus! Schon nach wenigen Minuten bin ich von einer spektakulären Landschaft umgeben. Immer wieder bleibe ich für ein kurzes Foto, oftmals auch für eine lange Pause stehen und bin wieder einmal völlig ergriffen von den unfaßbaren Formen und Farben von riesigen Sanddünen, schroffen Felsen und den Bergen im Hintergrund, auf denen sich die Gewitter der letzten Tage als frischer Überzug aus Schnee abgelegt haben.

unwirkliche Welt aus Sand, Felsen, kleinen Inseln aus Leben und Himmel
unwirkliche Welt aus Sand, Felsen, kleinen Inseln aus Leben und Himmel

auf der linken Seite ist die kleine
                        Piste zu erkennen, auf der ich immer tiefer in die Dünenwelt fahre
auf der linken Seite ist die kleine Piste zu erkennen, auf der ich immer tiefer in die Dünenwelt fahre

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in den Dunas de Tatón

unwirkliche Kontraste
unwirkliche Kontraste

im grünen Tal von Tatón
im grünen Tal von Tatón
Auf dem Handy sehe ich dann im Navi, dass ich von meiner Piste tatsächlich auch zu dem zwischen den Bergen eingeschlossenen Ort, Tantón und von dort auch wieder auf meine "Rückweg-Piste" komme - also Abfahrt, durch den winzigen, grünen Ort und dann "erwischt" mich wieder das Abenteuer: An zwei Stellen gibt es die Piste einfach nicht mehr! Kleine Flußläufe haben sie komplett überspült... Es wird ein verwegener Balanceakt über steile Böschungen und die mit Felsen durchzogenen Wasserläufe.
    Ich bin allerdings schon enttäuscht, als ich mir am Abend die Videos der Fahrt anschaue. Dort geht alles relativ zügig und problemlos und selbst die eine Uferböschung, satte 60 Zentimeter hoch, ist kaum wirklich wahrzunehmen... Entscheidend jedoch, dass ich, Maschine und vor allem die Fotoausrüstung im Rucksack das Abenteuer heil überstanden haben - na ja, bis auf ein aufgeschlagenes Schienenbein... Nach fast 120 Kilometer Tour bin ich wieder im El Paraiso und muß mich -mit breitem Grinsen- erst einmal um meine bei den Durchfahrten durch die sedimentbeladenen Rios ziemlich versiffte Hose und die Schuhe kümmern...smiley_zwinkern

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es geht weiter...

Nach meinem "Urlaub vom Urlaub" im El Paraiso in Fiambalá geht das Abenteuer PanAmericana jetzt weiter. Auf der Ruta Cuarenta steuere ich mit dem Wanderer nach Norden, zu einem ganz besonderen Ziel in der argentinischen Puna, der Piedra Pomez - einem kilometerlangen Feld aus vulkanischen Bimssteinablagerungen.
    Vorher natürlich noch das Video mit den Eindrucken von Fiambalá und den Dunas de Tatón: - und Vorsicht: Festhalten! Es wird ein 6-Minuten-Ritt auf der Enduro... Mit Sand zwischen den Zähnen, bis zu den Knien durch`s Wasser und mit Schräglage in den Kurven...

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