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Laguna Verde

Routenkarte-2025-12-31aktuelle, zoombare Routenkarte des 4. Törns, Stand min. 02.03.2026 oder neuer

Nachdem ich auf der letzten Seite die Laguna Azul auf schwindelerregenden 4.492 Metern Höhe erreicht habe, geht die Fahrt heute, am Sonntag, dem 15. Feb. `26 über den Balcón del Pissis, einem nur wenige Kilometer entfernten Mirador (Aussichtspunkt), weiter zur Laguna Negra und von dort bis zum äußersten Ende der Piste an der Laguna Verde. Wer jetzt gerade bei diesem letzten Namen von einem unerklärlichen Déjà-vu gequält wird, dem kann ich weiter unten Aufklärung und Erleichterung versprechen...

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Laguna Azul

Noch stehe ich an diesem Sonntagmorgen an der Laguna Azul. Jetzt, um 8 Uhr, ist es mit 0° noch ziemlich schattig, dafür aber vollkommen windstill und so will ich vor meiner Abfahrt wenigstens noch die Drohne starten. Die Sonne steht zwar noch längst nicht hoch genug um die Laguna richtig zu beleuchten, aber später wird der Wind mit Sicherheit wieder einsetzen...
    30 Minuten später wieder im Wanderer, bin ich allerdings vollkommen durchgefroren...

die Laguna Azul im ersten Morgenlicht
die Laguna Azul im ersten Morgenlicht

Blick über den Balcón de Pissis zur
                        Laguna Negra
Blick über den Balcón de Pissis zur Laguna Negra
..ein letzter Blick auf die Laguna Azul
..ein letzter Blick auf die Laguna Azul

der Wanderer auf dem Balcón de Pissis
der Wanderer auf dem Balcón de Pissis

links unten die Laguna Azul, in der Bildmitte hinten mein neues Ziel, die Laguna Negra
links unten die Laguna Azul, in der Bildmitte hinten mein neues Ziel, die Laguna Negra

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Laguna Negra

Nach dem Aufwärmen im molligen Zuhause mache ich mich später wieder fahrfertig und um 10 Uhr wird der Wanderer gestartet. Aufgrund der Höhe von viereinhalbtausend Metern und der Tatsache, dass die Morgensonne noch nicht ausreichend lange über die Berge gekrochen ist, muckt der Steyr heute morgen ziemlich fies, bis er endlich seinen runden Takt gefunden hat.
    Ich habe seit der Lagunenroute in Bolivien schon mehrfach über die teils unerwarteten, überraschenden und auch verrückten Folgen der großen Höhe auf Mensch & Maschine berichtet. Luftdruck in Abhängigkeit der Höhe Manchmal sagt ein Bild dazu mehr als 1.000 Worte und deshalb habe ich kurz diese kleine Grafik entwickelt... eine einzige, rote Linie zeigt dabei die ganze Situation: Der Luftdruck, an den wir Menschen seit unzähligen Gene-rationen angepaßt sind, beträgt auf Meereshöhe etwas mehr als 1.000 hPahPa steht für Hektopascal und ist die offizielle Maßeinheit
für den Luftdruck
1.000 hPa entsprechen 1 bar, der alten Maßeinheit
. In der Höhe des Chajnantor-Plateaus oder hier, am Balcón des Pissis, ist er -und damit die zur Verfügung stehende Menge an Sauerstoff- bereits auf die Hälfte gesunken...!

Die Piste führt genauso gruselig, wie die letzten Meter gestern, in die Höhe und jetzt kommen noch fiese, dicke, eingearbeitete Steine hinzu - auf meiner persönlichen, nach oben offenen Ekelskala, schon eine 7 bis 8! Mit kräfte-zehrender Konzentration kämpfe ich mich weiter in die Höhe, während das Fahrerhaus von einer Seite zur anderen geschleudert wird und alles um mich herum ständig am Krachen ist...
    Der bald darauf folgende Mirador (Aussichtspunkt) Balcón de Pissis bietet eine spektakuläre Aussicht auf den Monte Pissis mit 6.793 m, weit entfernt den Nevado Ojos del Salado mit 6.893 m und mehrere Lagunen tief unter mir - meinen Zielen in den nächsten Tagen...
    Fast drei Stunden nach meinem Start und lediglich 15 gefahrenen Kilometern (was alles über die grausame Piste aussagt... äh, natürlich auch einigen Fotostopps) später, bin ich an meinem nächsten Zwischenziel, der Laguna Negra. Hier, 300 Höhenmeter unterhalb von meinem Startpunkt an der Laguna Azul, habe ich den Wanderer dennoch wieder artig mit seiner Front nach Osten, der aufgehenden Sonne entgegen, ausgerichtet, während ich von meinem Schreibtisch wieder direkt auf die Laguna schauen kann. Da inzwischen erneut der schneidende Wind eingesetzt hat, fallen Entdeckungs- und Fototouren allerdings übersichtlich kurz aus. Später am Nachmittag werde ich sogar von einem vernehmlichen Knall aufgeschreckt: Die Starlink-Antenne auf dem Dach ist vom Wind lautstärkt umgeschlagen worden und nur ihr Kabel hat verhindert, dass sie vom Dach gefegt wurde...

auf der Piste zur Laguna Negra
auf der Piste zur Laguna Negra

die ersten Ausläufer der Laguna Negra
die ersten Ausläufer der Laguna Negra

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- bereits weiter unterhalb des Balcón de Pissis, der weit rechts oben aus dem Bild verschwindet, öffnet sich dennoch ein beeindruckendes Panorama


Vulkanasche, Salz und Sole - die Laguna Negra
Vulkanasche, Salz und Sole - die Laguna Negra

Flamingos in der Laguna
Flamingos in der Laguna

Farbspiele
Farbspiele

die Flamingos kümmern sich um die Farbe in ihrem Gefieder
die Flamingos kümmern sich um die Farbe in ihrem Gefieder

Am nächsten Morgen zeigt mein Außenthermometer nur -5,8° an, als mich jetzt zum Glück die ersten Sonnenstrahlen treffen. Während die Flamingos, völlig unbeeindruckt von der Kälte, schon längst wieder im flachen Uferbereich der Laguna im Wasser nach ihrer Nahrung sieben. Mit ihrem Kopf unter Wasser pumpen sie mit ihrer Zunge Wasser in den Schnabel und sieben dabei kleine Salinenkrebse, Algen und Larven heraus. Ihre Nahrung enthält aufgrund der besonderen Bedingungen im Lagunenwasser viel des Farbstoff`s Karotin (..ist eben auch in Karotten enthalten smiley_zwinkern), der den Flamingos damit auch ihre rosa Färbung verleiht.

zugegeben: Nicht wirklich schön, aber fremdartige Strukturen wie auf
                      einem Saturnmond...
zugegeben: Nicht wirklich schön, aber fremdartige Strukturen wie auf einem Saturnmond...

unbeeindruckt von den
                        eisigen Temperaturen sind die Flamingos schon längst                        wieder beim Frühstück
unbeeindruckt von den eisigen Temperaturen sind die Flamingos schon längst wieder beim Frühstück

die Laguna Negra mit filigranen Zeichnungen
                all` der unterschiedlichen Strukturen
die Laguna Negra mit filigranen Zeichnungen all` der unterschiedlichen Strukturen

unwirkliche Anblicke
unwirkliche Anblicke

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Laguna Verde

Nachdem die Sonne inzwischen deutlich über die Berge gestiegen ist und den Steyr ein wenig aufgewärmt hat, starte ich auf die letzten 16 Kilometer bis zum "Ende aller Pisten", an der Laguna Verde.
..und, da ist es wieder, dieses quälende Gefühl eines unerklärlichen Déjà-vu`s zur Laguna Verde... und richtig! Dieses Gefühl, dem Namen Laguna Verde hier im GlobalWanderer schon begegnet zu sein, ist mehr als richtig!
    Es ist gerade erst eine Fahrwoche her, als ich beim Aufstieg zum Paso de San Francisco an "der" Laguna Verde gestanden habe! Damit nicht genug: Auf diesem 4. Törn im Abenteuer PanAmericana, bin ich vor mehr als zweieinhalbtausend Kilometern und drei Monaten auf der Lagunenroute im bolivianischen Altiplano auch schon einmal an "der" Laguna Verde gewesen!
    Selbst damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht... Im November `24 bin ich bei der Fahrt entlang des Lago Carrera auf dem Weg zur Carretera Austral bereits an "der" Laguna Verde gewesen und noch einmal fast ein Jahr weiter zurück, habe ich in der Tierra del Fuego, Feuerland, ebenfalls an "der" Laguna Verde gestanden.
    Die nachvollziehbare Erklärung ist ganz einfach: Irgendwann einmal sind Menschen zum ersten Mal an "ihrer" Laguna gewesen und konnten nur feststellen, daß ihr Wasser so ungewöhnlich grün und türkis leuchtet, dass sie ausschließlich den Namen "Verde" verdiente... und das war zu einer Zeit, als Tante Google noch nicht einmal geboren war! Ja, sogar Telefone waren noch völlig unbekannt und so blieb es jedem Namensgeber verborgen, dass irgendein Kollege, drei Gebirgszüge oder sogar viele tausend Kilometer weiter, bei "seiner" Laguna auf die gleiche Idee gekommen ist... nicht umsonst gibt es "Neukirchen, Neustadt oder Mühlhausen" auch auch mehr ein einziges Mal in Deutschland!

der Wanderer an der Laguna VerdeZum Glück wird die bisher schlech-te Piste, nach einiger Zeit auf immer sandigerem Boden, jetzt deutlich besser. Als ich mich der Laguna nähere, kann ich mein Glück wieder kaum fassen... Mit kaum vorstellbaren Farben, scharf voneinander abgegrenzt, von einem tiefen Blau über leuchtendes Türkis bis hin zum grellen Weiß der Salzkrusten, ist alles vertreten. Dazu kommen wieder die Farben der umliegenden Berge - von tiefschwarzer Vulkanasche über alle vorstellbaren Gelb- und Brauntöne bis zu rot strahlenden Bergflanken, steht alles in unwirklichem Kontrast zu den Lagunenfarben. Dazu kommt bei meiner Ankunft immer noch völlige Windstille, so dass ich sofort die Drohne startbereit mache um auch ja nichts zu verpassen... denn der Wind wird kommen!

der tiefere, vordere Uferbereich, ist farblich scharf vom hinteren, flacheren 'Salzgrund' getrennt
der tiefere, vordere Uferbereich, ist farblich scharf vom hinteren, flacheren 'Salzgrund' getrennt
..auch der größere Gehalt an Mineralien, der sich nur sehr langsam vergleichmäßigt, streut das Licht im hellen Teil stärker
..auch der größere Gehalt an Mineralien, der sich nur sehr langsam vergleichmäßigt, streut das Licht im hellen Teil stärker

Der nächste Morgen...

..Dienstag, der 17. Feb. `26, trotz meiner seit Wochen anhaltenden Spar-maßnahmen mit meinem Trinkwasser, hat mich jetzt die bittere Realität ein-geholt! Als ich gerade meinen Frühstückskaffee kochen wollte, blubberte nur noch ein halber Strahl aus meinem Küchenhahn. Der Blick auf die Tank-anzeige zeigt dann auch leider nur noch die letzte, rote LED. Zum Glück habe ich ja vor ein paar Tagen am Rio Guanchin, meinen "Notkanister" und ein paar Flaschen mit Flußwasser gefüllt und muß also noch nicht die "weiße Fahne" hissen.
    Allerdings kann auch das Flußwasser die Vorgaben der Physik nicht überwinden und so kocht mein Kaffeewasser hier, in der dünnen Luft auf 4.200 Meter, nur bei knapp 86°C... den frisch gebrühten Kaffee dann eingefüllt in meine Tasse, ist dann schon nach kürzester Zeit nichts mehr, wo ich "schlürfen" müßte - er ist nur noch lauwarm...
    Nach dem zweiten Kaffee und damit der Zeit für die Sonne, höher über die Berge zu kriechen, zeigen sich fast perfekte Spiegelbilder bei völliger Windstille auf der Oberfläche der Laguna.

morgendliche Spiegelbilder bei völliger Windstille über der Laguna Verde
morgendliche Spiegelbilder bei völliger Windstille über der Laguna Verde

Schon kurz nach zehn Uhr nötige ich den noch äußerst unwilligen Steyr, dem ich ja auch meinen Kaffee vorenthalten habe, ein paar Kilometer weiter entlang der Laguna zu rollen. Bei der Recherche zur Laguna Verde habe ich Bilder der Ojosnäheres zu den 'Ojos', Augen, weiter unten..., gesehen und zumindest mein Navi scheint sich sicher zu sein, dass ich "sie" an meinem neuen Stellplatz sehen werde... Pustekuchen! Gleich an zwei dieser "Augen" führte mich der Weg über die Piste vorbei, aber beide Male war die Entäuschung groß, als ich nur ausgetrocknete Überbleib-sel aus der Vergangenheit vorgefunden habe. Am neuen, noch schöneren, Stellplatz angekommen, hat der Wind zum Glück noch nicht seine kräftige Stimme erhoben und so konnte ich gleich zwei lange Drohnenflüge unternehmen, bevor die ersten, kräftigen Böen bereits wieder Größeres ankündigten. Stunden später habe ich dann im Wanderer die aufge-nommenen Bilder auf den Rechner übertragen und gesichtet - und BINGO! Auf den Luftaufnahmen habe ich "sie", die letzten, verbliebenen Ojos, ge-funden. Zu Fuß bin ich dann noch auf Entdeckungstour gegangen und mit einem breiten Schmunzeln im Gesicht und der Hoffnung auf den nächsten, windstillen Morgen, hatte ich damit noch ein ganz besonderes Motiv...

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- der Wanderer an seinem zweiten Stellplatz an der Laguna Verde


..und dann passiert es tatsächlich! Mein vollkommenes Alleinsein in dieser Welt der Extreme, wird unterbrochen... gleich drei Pickup`s eines Touran-bieters aus dem lange 180 Kilometer entfernten Fiambala, rauschen für einen Tagesausflug heran und suchen sich, natürlich, den einzigen menschlichen Orientierungspunkt an diesem Ort aus... meinen Stellplatz!
    Kurz darauf bekomme ich dann auch den ersten Besuch von einem Argentinier und werde nicht müde mich darüber zu freuen, dass die Süd-amerikaner den Wanderer muy lindo, also sehr schön, finden... und ob er ein Foto machen dürfe? ..vielleicht auch eines, wo er mit mir zusammen vor dem riesigen Camion, LKW, steht?
    Es dauert nicht lange, bis die nächsten Besucher kommen und ich in einem mehr als eigenartigen "Dialekt" angesprochen werde. Ich brauchte wirklich einige Augenblicke, bis ich die ersten sinnvollen Worte aus dem Kauderwelsch identifizieren konnte... Es war eine abenteuerliche Mischung aus bayrischem Deutsch (!), Englisch und Portugiesisch und so erfuhr ich, daß meine Besucher aus dem brasilianischen Florianópolis stammen, dort der deutschstämmigen Gemeinde angehören und ihre Traditionen weiterhin treu pflegen... ach ja, um den Wanderer beneiden sie mich! So unabhängig würden sie ihren Kontinent auch gerne entdecken!

vorgelagerte Sammelbecken vor der Laguna Verde
vorgelagerte Sammelbecken vor der Laguna Verde

eindrucksvolle und unwirkliche Konturen und Farben an der Laguna Verde
eindrucksvolle und unwirkliche Konturen und Farben an der Laguna Verde

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es geht weiter...

Morgen werde ich noch auf Entdeckungsreise gehen und weiter nach den geheimnisvollen "Ojos" in der Umgebung der Laguna suchen. Danach beginnt die Rückfahrt über den Balcón de Pissis und weiter bis zur Ruta de Seismiles und auf ihr bis zur Stadt Fiambala, in der ich dann endlich meine zur Neige gehenden Vorräte wieder auffüllen werde.
    Vorher natürlich noch das Video mit der Fahrt zur Laguna Verde:

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