Du bist hier: Global-Wanderer > Reisen > Südamerika > Inhaltsverzeichnis > Piedra Pómez
Lupe alle Bilder können -wie gehabt- mit einem Mausklick vergrößert und wieder geschlossen werden
HandyVerbot Handy`s haben auf diesen Seiten nichts verloren und sehen sowieso nur einen Bruchteil dessen, was wirklich zu sehen ist!

Campos de Piedra Pómez

Routenkarte-2025-12-31aktuelle, zoombare Routenkarte des 4. Törns, Stand 21.03.2026 (oder neuer)

Gestern Nachmittag, am Donnerstag, dem 5. März `26, bin ich mit dem Wanderer am Campos de Piedra Pómez angekommen und kann bis jetzt die fremdartige Schönheit dieses für mich grenzenlosen Feldes (Campo) -aus in Jahrhunderttausenden von den Elementen geschliffenen Vulkangesteins- nicht fassen. Die Welt um mich herum ist hier, in über 3.000 Meter Höhe, so außergewöhnlich, dass für mich nicht eine einzige Sekunde Überlegung erforderlich ist um zu wissen, dass ich die nächsten Tage hier verbringen werde.

der Wanderer -ganz allein durch die
                      Abgeschiedenheit dieses Ortes- am Campo de Piedra Pómez
der Wanderer -ganz allein durch die Abgeschiedenheit dieses Ortes- am Campo de Piedra Pómez

surreale, unwirkliche Schöpfungen der Elemente
surreale, unwirkliche Schöpfungen der Elemente

Lupe alle Bilder können -wie gehabt- mit einem Mausklick vergrößert und wieder geschlossen werden

Nach fast einer Stunde, in der ich jetzt schon durch diesen magischen Skulpturenwald immer weiter vom Estacionamiento, meinen Parkplatz, auf der langsam ansteigenden Ebene nach oben gewandert bin, sitze ich jetzt auf der Spitze eines riesigen Felsens. Minutenlang streifen meine Augen bereits durch dieses unglaubliche Panorama und nirgendwo um mich herum finde ich einen Punkt, der mir vertraut vorkommt und von dem aus ich jetzt sagen könnte, ihn begriffen zu haben. Immer wieder hebe ich die Kamera und mache ein Bild nach dem anderen, um dieses Panorama irgendwie festzuhalten und das, ohne das es sich bewegen und von allein vergehen würde. Es scheint schon seit dem Beginn aller Zeiten unverändert hier zu sein. Der manchmal fauchende Wind ist das einzige, was sich um mich herum verändert und zeigt, dass nicht auch die Zeit selbst zum Stillstand gekommen ist.
    So sehr wünsche ich mir, dass wenigstens ein paar meiner Bilder eine Ahnung von dem vermitteln können, in was für einer Welt ich gerade bin und das es für euch mehr als nur ein paar belanglose Felsen sind. Ich weiß jedoch, wenn ihr diese Seite und diese Bilder seht, dass sie nur einen winzigen Ausschnitt dieser Welt mit einem kleinen Rahmen drum herum zeigen. Für die Handynutzer ist es ein winziges, flaches Abbild der Wirklichkeit, ohne jede Tiefe, gerade `mal so groß wie eine Spielkarte in der Hand. Wer dagegen vor einem vernünftigen Monitor sitzt, wird denselben Ausschnitt wenigstens so groß wie eine DIN-A4, vielleicht sogar einer DIN-A3 Seite sehen. Die Welt um mich herum hat dagegen keinen Rand, sie hat eine schier endlose Weite bis über den Horizont, sie füllt mein ganzes Bewußtsein aus. Egal wohin ich meinen Blick wende, wenn ich meinen Kopf oder meinen Körper drehe - es gibt kein Ende dieses unglaubliches Anblickes.
    Ich spüre die brennende Sonne auf meiner Haut, den Wind, der an meinem T-Shirt zerrt, sein Fauchen und Heulen und einen Moment später wieder die unfaßbare Stille und vollkommene Bewegungslosigkeit um mich herum. Kein Vogel, der durch den vollkommen klaren und und unwirklich blauen Himmel fliegt, kein Tier, das sich zwischen den Felsen bewegt, kein einziger Grashalm, der sich wiegen könnte...

..es passiert selten genug, dass es auch
                      `mal ein Bild von mir gibt...
..es passiert selten genug, dass es auch `mal ein Bild von mir gibt... smiley_zwinkern

unfaßbare und schier endlose Weite des Campo de Piedra Pómez
unfaßbare und schier endlose Weite des Campo de Piedra Pómez

Ich sitze auf der rauhen, von der unbarmherzigen UV-Strahlung der Sonne in Jahrtausenden gebräunten Oberfläche eines Felsens aus ansonsten grellweißem Bimsstein. Um mich herum abertausende dieser riesigen Blöcke und zwischen ihnen der abrupte Kontrast aus dunkler, oft sogar schwarzer Vulkanasche. Dabei versuche ich mir wenigstens ansatzweise vorzustellen, wie es vor ein- bis zweihunderttausend Jahren bei den gewaltigen Aus-brüchen des Cerro Blanco gewesen sein muß...
    Der unvorstellbare Druck in der unter ihm liegenden Magmakammer hat irgendwann die Erdoberfläche gesprengt und unvorstellbare Mengen an sehr gasreichem Magma ausgeworfen. Wie bei einer Sektflasche, deren Korken man schnell öffnet, entspannt sich das Gas durch die entstandene Öffnung nach oben und reißt dabei das glutflüssige Magma mit sich. Durch die plötzliche Entspannung oberhalb des "Flaschenhalses", des entstandenen Kraters, dehnt sich das Gas mit explosionsartiger Geschwindigkeit aus und formt dabei aus dem bisher glutflüssigen Magma eine riesige Aschesäule, die irgendwann nach unten stürzt und sich als sog. "pyroklastischer Strom", als glühende Welle, mit großer Geschwindigkeit und alles verschlingend die Vulkanhänge hinabbewegt. Zurück bleiben die im Campo de Piedra Pómez, "Feld aus Bimsstein", teilweise etlichen zehn Meter dicken, porösen Ablagerungen.   
    Durch die immer noch eingeschlossene Hitze verbacken das die durch die entspannten Gase "aufgeschäumte" Eruptivmaterial und die Asche im Laufe der Zeit zu dem extrem leichten, aber festen Bimsstein, auf dem ich jetzt stehe und mir vorzustellen versuche, wie es damals, als es noch keine Menschen auf diesem Kontinent gab, wohl ausgesehen hat.
    Während für mich die Zeit anscheinend still steht und ich mit meinen Sinnen nicht die kleinsten Änderungen wahrnehmen kann, hat der Wind in der extrem trockenen Luft jedoch über die für mich unvorstellbar langen Zeiträume, diese weichen Gesteine durch seine mitgeführten Sandpartikel abgeschliffen und zu den seltsamen Türmen, Kanten, Wellen und labyrinthartigen Strukturen geformt, die heute überall aus der Ebene des Campo ragen.

eine Landschaft wie aus einer anderen
                      Welt...
eine Landschaft wie aus einer anderen Welt...

riesige, grellweiße Bimssteinblöcke (Piedra Pómez) zwischen dunkler Vulkanasche
riesige, grellweiße Bimssteinblöcke (Piedra Pómez) zwischen dunkler Vulkanasche

unwirkliche und fremdartige Strukturen, die wir mit unseren Sinnen kaum begreifen können
unwirkliche und fremdartige Strukturen, die wir mit unseren Sinnen kaum begreifen können

Die Oberfläche dieses riesigen Feldes aus Bimsstein ist von unzähligen Rissen durchzogen. Manche sind so fein wie ein Haar, andere so breit wie ein Finger. Wieder andere erreichen die Breite einer Hand, und wenige wirken fast wie kleine Bachläufe. Einige ziehen schnurgerade über die Fläche, viele aber sind gezackt und zerrissen wie Blitze, andere schlängeln sich in sanften Linien durch den Stein.
    Diese Risse entstanden, als die mächtigen vulkanischen Ablagerungen nach ihrer Entstehung abkühlten, sich zusammenzogen und später durch Erosion weiter aufbrachen. Heute sind sie meist mit dunkler, grobkörniger Vulkanasche gefüllt – federleicht und fast schwarz gegen den blendend weißen Bims.
    Manchmal aber sind die Spalten wie mit einer Spraydose markiert. Gelbe oder rosafarbene Linien ziehen sich neben den Rändern der Risse über den weißen Bims. Austretende Gase oder Lösungen entlang dieser Spalten haben dort Mineralien, Eisen, Schwefel u.a., abgelagert und so ihre dauerhaften Spuren hinterlassen, die nun wie farbige Adern durch das Weiß des Bims verlaufen.
    Viele dieser Risse enden nicht einfach an den herausragenden Felsen. Sie setzen sich scheinbar mühelos auch durch diese massiven Formen fort – als wären selbst diese großen Türme nur ein Teil derselben spröden Haut aus Stein.

Farben und Formen, die wir mit Nichts
                      aus unseren Erfahrungen in Einklang bringen können
Farben und Formen, die wir mit Nichts aus unseren Erfahrungen in Einklang bringen können

Skulpturen aus einer anderen Welt
Skulpturen aus einer anderen Welt

Auf meinem Rückweg zum Wanderer stoße ich immer wieder gegen kleine, abgesplitterte Brocken aus Bims. Sie sind, für die Erfahrung, gegen einen Stein zu stoßen, unnatürlich leicht. Wenn sie dann vor meinem Schuh über die Oberfläche aus Bimsstein rollen, entsteht ein eigenartiges, helles, fast glockenhaftes, klackerndes Geräusch! Ganz und gar nicht so, als würde ein Stein über massiven Fels rollen, sondern es scheint, als würden wir uns auf einer straff gespannten Haut aus dünnem Stein bewegen... fast so, als wäre die Erde darunter hohl! ..und irgendwie ist sie das sogar! Der Bimsstein unter meinen Füßen ist kein massiver Fels, sondern enthält immer noch die "eingefrorenen" Gasblasen von seiner Expansion beim Ausstoß aus dem Cerro Blanco und anschließenden Erstarrung und Erkaltung. Jede dieser kleinen Blasen ist ein winziger Hohlraum, ein Resonanzkörper, der wie ein Echo die Schwingungen des rollenden Steines auf seiner Oberfläche, zurück wirft. Oft bewege ich mich auch auf einzelnen, gebrochenen Platten aus Bims, die manchmal auf einer Schicht von Asche liegen und dabei ebenfalls schwingen können. Letztlich ist es auch die absolute Trockenheit dieses Ortes, die mitverantwortlich für diesen völlig ungewohnten Klang ist. Nirgend-wo gibt es eingeschlossenes Wasser, viel dichter als Gas, das den entstandenen Schall dämpfen könnte.
    Während der Wind weiter über den Campo zieht, bleibt dieses Gefühl, in einer Landschaft zu sein, die so anders, so fremd ist, dass sie eher wie ein surreales Traumbild erscheint, als ein Ort auf unserer Erde.

unendliche Vielfalt an Formen
unendliche Vielfalt an Formen

keine einzige Skulptur gleicht aus der Nähe einer anderen
keine einzige Skulptur gleicht aus der Nähe einer anderen

unwirkliche Anblicke einer fremdartigen Phantasie - zig Kilometer entfernt, der schwarze Vulkankegel des Carachi Pampa
unwirkliche Anblicke einer fremdartigen Phantasie - zig Kilometer entfernt, der schwarze Vulkankegel des Carachi Pampa

Lupe alle Bilder können -wie gehabt- mit einem Mausklick vergrößert und wieder geschlossen werden

Selfi Piedra Pómez, im Hintergrund der Vulkan Carachi PampaWieder sitze ich auf einem der unzähligen Felsen, die sich aus der Distanz so ähnlich sehen aber dennoch jeder für sich eine völlig eigene Schöpfung sind. Immer wieder denke ich darüber nach, warum diese außerge-wöhnliche Landschaft eine derart unwirkliche und starke Faszination auslöst.
    Der erste Grund ist sicherlich die extreme Reduzierung der Sinnesein-drücke. In der "normalen", gewohnten Welt, sind wir von hunderten von Farben, Formen und Geräuschen umgeben. Gras, Büsche, Bäume, Vögel, Häuser, Straßen, Autos, Menschen überfluten uns regelmäßig mit jeder vorstellbaren Palette an Farben, Formen und Tönen. Ganz anders im Campo de Piedra Pómez! Die gesamte Welt besteht zum größten Teil aus dem übermächtigen, tiefen Blau des klaren Himmels in dieser Höhe von über 3.000 Metern. Das Land darunter strahlt dagegen in dem grellen Weiß des Bimssteins, der nur an seiner der Sonne zugewandten Oberfläche mit einer hauchdünnen, rötlich-braunen Kruste überzogen ist. Zwischen diesem blendendem Strahlen liegt in absolutem Kontrast die dunkle bis schwarze Vulkanasche - das ist alles! Meine gesamte Welt besteht nur aus Abstufungen dieser vier Farben.
    Das Nächste ist das Fehlen von Formen und Konturen! Bewege ich mich durch das Feld der Piedras (Steine/Felsen), bin ich umgeben von einer kaum noch vorstellbaren Vielfalt an Skulpturen, die nur jemand vom Mars auf die Erde gebracht haben kann. Doch schon mit wenigen Metern Abstand vom Campo, sei es nur, dass ich auf einen der Felsen klettere, verschwimmen die Formen in ihrer Andersartigkeit zu einer nicht mehr begreifbaren, unendlichen Masse, die von einem Horizont zum anderen reicht.

die Formen der Piedras verschwimmen in ihrer Andersartigkeit zu einer nicht mehr begreifbaren, unendlichen Masse
die Formen der Piedras verschwimmen in ihrer Andersartigkeit zu einer nicht mehr begreifbaren, unendlichen Masse

Der nächste Grund für die Unwirklichkeit der Landschaft um mich herum ist das völligen Fehlen eines jeden Maßstab`s! Wir sind unser gesamtes Leben geprägt und gewohnt, die Größe unserer Mitmenschen mit dem dahinter liegenden Haus oder dem davor stehenden Baum zu vergleichen. Wir können selbst aus der Entfernung zwischen einem Busch und einem Baum unterscheiden und damit abschätzen, ob ein Rind, ein Reh oder ein Hase daneben sitzt. Ständig gibt es eine Unmenge verschiedenster Objekte, anhand derer wir Größen und Entfernungen abschätzen können.
    Hier, im Campo gibt es absolut nichts dergleichen! Nichts aus meiner gesamten Lebenserfahrung kann ich mit diesen unwirklichen Formen in Einklang bringen! Das riesige, mehr als 25 Kilometer lange Feld aus Felsen spannt sich scheinbar völlig gleichmäßig durch das Gesichtsfeld und macht den gesamten, liegenden Teil meiner Welt aus. Darüber spannt sich das unermeßliche, tiefblaue Himmelsgewölbe, nur selten unterbrochen von vereinzelten Wolken. Es ist mir unmöglich, die Entfernung zu einer anderen Gruppe von Felsen oder gar die Größe einer Skulptur abzuschätzen. Erst wenn ich minutenlang durch die nachgiebige, knirschende Vulkanasche stapfe, bekomme ich ein Gefühl für eine Distanz! Erst wenn ich vor einem der Piedras stehe, bekomme ich ein Gefühl für seine wahre Größe.

erst der winzige Wanderer
                      (Bildmitte-rechts) rückt die Piedras wieder in die richtige                      Größe
erst der winzige Wanderer (Bildmitte-rechts) rückt die Piedras wieder in die richtige Größe

wie jeden späten Nachmittag, kriechen im Norden und Osten wieder die Wolken über die Berge
wie jeden späten Nachmittag, kriechen im Norden und Osten wieder die Wolken über die Berge

wenn die Sonne tiefer sinkt, nehmen die vulkanischen Berge hinter dem Campo de Piedra Pómez, ihre dunkle, drohende Farbe an
wenn die Sonne tiefer sinkt, nehmen die vulkanischen Berge hinter dem Campo de Piedra Pómez, ihre dunkle, drohende Farbe an

..und dann gibt es noch einen weiteren Grund, warum die Welt um mich herum eher wie das surrealistische Bild eines Salvador Dali erscheint und nicht wie die "wirkliche" Welt - es ist die gefrorene Zeit!
    Nichts, absolut nichts bewegt sich um mich herum! Kein einziger Vogel, der über den Himmel zieht, kein Grashalm oder Blatt im Wind, nichts menschengemachtes ist zu sehen oder zu hören. Kein einziger meiner Sinne, nimmt irgendeine Veränderung wahr. Selbst das Säuseln oder Fauchen des Windes ist manchmal eingeschlafen.
    Auch wenn ich von einem der Felsen klettere und bei der Wanderung zum nächsten das Knirschen und Rascheln der Vulkanasche unter meinen Schuhen wahrnehme, kommt es mir so vor, als sei das Teil des unbewegten Bildes um mich herum. Unbewußt halte ich sogar den Rythmus meiner Schritte bei, um nur ja nicht eine Störung in diesem Traumbild zu provozieren...
    Abgeschnitten von jeder noch so winzigen Veränderung um mich herum, bekomme ich eine Ahnung von der wahren Tiefe der Zeit.

erstarrte Farben und Formen in einer unwirklichen Welt - gefrorene Zeit
erstarrte Farben und Formen in einer unwirklichen Welt - gefrorene Zeit

Du bist hier: Global-Wanderer > Reisen > Südamerika > Inhaltsverzeichnis > Piedra Pomez > weiter

es geht weiter...

..weiter in der verzauberten Welt des Campos de Piedra Pomez! Am nächsten Tag fahre ich mit dem Wanderer an dem riesigen Feld aus Bimssteinskulpturen fast 20 Kilometer entlang zu einem weiteren, noch abgelegeneren Stellplatz in dieser unwirklichen Landschaft.
    Vorher natürlich noch das Video der ersten beiden Tage im Campos.

Dieses Video liegt in FullHD vor
Vergrößern des Videos auf Vollbild durch Doppelklick



hier geht`s demnächst weiter mit der 3. Seite zu Piedra Pomez