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Chajnantor Ebene - ALMA


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Die Karte ist ein Kurzvideo, also anklicken und die gefahrene Route verfolgen... Sie zeigt in Blau die ersten Abschnitte von Uyuni bis zur Laguna Chalviri und in rot den 6. Teil der Lagunenroute bis zur
Laguna Verde

Oben: Weg von San Pedro de Atacama zur Chajnantor Ebene

Rechts: der "Sprung" im Track liegt am ausgefallenen Navi - mir fehlen in der Aufzeichnung etliche km und Höhenmeter...

Auf der letzten Seite, dem 6. und letzten Abschnitt meiner Fahrt über die Lagunenroute im Altiplano Boliviens, habe ich über den Paso Hito Cájon Bolivien verlassen und bin nahe dem Pasa Jama nach Chile eingereist.
Mit ziemlich leerem Haupttank am Wanderer,  geht`s die nächsten 40 Kilometer ununterbrochen bergab bis San Pedro de Atacama. Auf das verschlafene Nest mit irgendwo zwischen zwei- und fünftausend Einwohnern mitten in der Atacama, der trockensten Wüste der Welt, werde ich auf der nächsten Seite noch näher eingehen, zumal mein Aufenthalt überraschend ein wenig länger als geplant ausfallen wird... aber dazu später mehr.
    Vorher eine ganz andere, außergewöhnliche Geschichte, die zum Chajnantor Plateau und ALMA - und nein, die Großbuchstaben sind keine versehentlich gedrückte Feststelltaste am Rechner und ALMA ist auch keine neue Freundin...smiley_zwinkern
Höhenprofil

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wer ist ALMA

..frei nach Smokie, der einmal wissen wollte, wer zum Teufel denn Alice sei, hier also: "Who the F... is ALMA?" ALMA ist das Akronym für das Atacama Large Millimeter Array, ein Radio-Teleskop-Verbund aus 66 Antennen, die zum einen in unterschiedlichen Konfigurationen angeordnet und zudem auch so vernetzt werden können, daß sie wie ein einziges Riesenteleskop zusammenarbeiten. Radioantenne von ALMAALMA liegt etwa 60 Kilometer von meinem Campingplatz Andes Nomads in San Pedro de Atacama entfernt auf der 5.000 Meter hohen Chajnantor Ebene, wird von der Europäischen Südsternwarte (ESO - European Southern Observatory) und anderen internationalen Organisionen betrieben - und ist leider nicht zu besichtigen!
    Die ESO, die ihre eigenen Mitarbeiter aufgrund der Höhe der Chajnantor Ebene, nur mit Sauerstoffgeräten am Array arbeiten läßt, hat zu Recht viel zu große Bedenken über gesundheitliche Probleme bei Tagesbesuchern...



Bild: ESO

Da ich mich schon mein gesamtes Leben für Astrophysik und Kosmologie interessiere, gehört ALMA natürlich zu den Forschungsstandorten, über die ich schon etliche Dokumentationen im TV gesehen habe! ALMA an diesem extrem außergewöhnlichen Standort jedoch mit eigenen Augen, wenn auch nur aus der Distanz zu sehen, ist damit ein Herzenswunsch, wie er kaum größer sein könnte. Ich weiß schon, daß ich mit so einem seltsamen Wunsch bei den meisten anderen Menschen damit eher auf fassungsloses Kopfschütteln und Unverständnis stoße...
    Klar habe ich sogar die ESO angeschrieben, meinen Status und Wunsch mit wohlfeilen Worten beschrieben und um Vorschläge für alternative Möglichkeiten ersucht. Anerkennend kann ich sagen, daß die ESO Zentrale in Garching bei München sogar umgehend, leider aber ablehnend geantwortet hat. Man hat mein Ansinnen sogar an den ALMA Community Relations Manager weitergeleitet, aber...

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Fahrt zur Chajnantor Ebene

Sonntag, 23. Nov. `25, schon früh am Morgen, mache ich mich mit dem Wanderer und jeder Menge Hummeln im Bauch auf den Weg zur Chajnantor Ebene. Hummeln, weil mich neben dem "Abenteuer", auch jede Menge Quälerei erwartet... die fängt schon nach wenigen Kilometer auf der Straße von San Pedro de Atacama hinauf zum Jama Paß an - fast 40 Kilometer mit einer Steigung von 8-10%, teilweise sogar deutlich darüber, ununterbrochen bergauf. Die unbarmherzige Sonne scheint direkt gegen die Front des Wanderer und so heizen sich Fahrerhaus und Motor sehr schnell auf - bis es unangenehm wird! Was mich selbst angeht, so kann & muß ich es einfach ignorieren, während der Steyr da nicht so flexibel ist. Unbeeindruckt von starken, inneren Motivationen bleibt er objektiv und heizt sich durch Sonne, die quälende, nicht enden wollende Steigung und die damit verbundene extreme Belastung schnell bis an seine Leistungsgrenzen auf! ..also bis die Kühlwassertemperatur droht, den grünen Bereich zu verlassen und in den roten einzutreten. Kurz vor dieser unheilvollen Grenze muß ich immer weiter herunterschalten, einmal, um den Motor durch die kleineren Gänge zu entlasten und zum anderen, um die Drehzahl hoch zu halten. Das ist wichtig, da mein fast 40 Jahre alter Truck kein elektrisch gesteuertes und betriebenes Lüfterrad hat, um den Kühler ausreichend mit Luft durchströmen zu lassen, sondern über einen fest mit dem Motor verbundenen Keilriemen. Wenn der Motor also niedrig dreht, dreht sich auch das Lüfterrad langsam und das ist nun `mal für den Luftdurchsatz -neben dem kaum vorhandenen Fahrtwind- durch den Kühler verantwortlich.

ein seltenes Bild: die blühende Atacama, die
                      trockenste Wüste der Welt...ein seltenes Bild: die blühende Atacama, die trockenste Wüste der Welt...

dahinter liegt mein Ziel - das Chajnantor Plateau auf 5.000 mdahinter liegt mein Ziel - das Chajnantor Plateau auf 5.000 m

Dann ist es endlich geschafft und ich bin auf der kaum bekannten Piste zum Chajnantor Plateau. Die offiziellen Wege sind mir leider verwehrt, die vorhandenen Zufahrten sind mit Schranken & Zugangskontrollen für mich gesperrt. Auch meine Piste, teilweise extrem steil und eng, ist mit etlichen Schildern versehen, die auf spanisch und englisch von "prohibido" und "only authorized personnel" reden... Daher ist es gut, daß ich mich derartig auf`s Fahren konzentrieren muß und die Schilder dabei glatt übersehen habe. Auch zwei Schranken, jedoch geöffnet und nicht verschlossen, passiere ich bei meinem Aufstieg nach oben, während meine Ohren ununterbrochen knacken um den überschüssigen Druck in ihrem Innern los zu werden.Irgendwann meldet sich sogar mein Navi ab und kommentiert seinen Ausstieg damit, es sei überhitzt! Hm, tja, die Sonne scheint schon mit brutaler Intensität direkt auf das Gerät, trotzdem: Weichei! Ich muß es also zähneknirschend akzeptieren und damit auch, daß mir später Teile meines aufgezeichneten Tracks fehlen werden. Gemäß meinem GPS auf dem Handy, habe ich jedenfalls 5.144 Meter über dem Meeresspiegel erreicht!

Während ich an den ersten Observatorien und Antennen (Simons Observatory) vorbeifahre, kommt die nächste Schranke - diesmal mit einem dicken Schloß verriegelt. Unsagbar traurig und enttäuscht wende ich auf der engen Piste und trete schweren Herzens den Rückweg an, bis, ja bis ich unter mir am Hang eine weitere Piste erkennen kann. Einige hundert Meter zurück finde ich was ich suche: Hinter der hohen Böschung meiner Piste ist ein winziger "Zubringer" zu einer, vielleicht, "Umgehungspiste". Dank der beeindruckenden Kletter- und Geländefähigkeiten des Steyr nehme ich mir die Frei- und Frechheit heraus und überfahre die Böschung... immerhin sind wir in Südamerika und wo es Pisten gibt, führen die auch irgendwo hin! Zwanzig Minuten später habe ich`s geschafft und bin wieder auf dem Weg zu ALMA - diesmal auf der anderen Seite der Schranke...
wie steil meine ´Umgehungspiste´ tatsächlich ist, zeigt das Bild leider nicht wirklichwie wie steil meine "Umgehungspiste" tatsächlich ist, zeigt das Bild leider nicht wirklich

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Büßerschnee

..und dann bleibt die Welt auf einen Schlag für mich stehen! Der Wanderer, gerade im Schritttempo unterwegs, rollt aus, während ich nicht mehr zu atmen wage um dieses unglaubliche Bild neben mir, unwirklicher als eine Fata Morgana, nicht als eine Illusion zu erkennen und damit zu vertreiben. Ich nehme nichts anderes mehr wahr und starre nur noch auf den Hang neben mir... Ich habe es nur zwei oder dreimal in meinem ganzen Leben auf Bildern gesehen und mir natürlich gewünscht, es einmal mit eigenen Augen zu sehen, aber jetzt und hier? Ich kann es nicht wirklich glauben und mache nur ganz langsame und vorsichtige Bewegungen, immer noch in der Furcht, ich könnte dieses Naturwunder mit einer einzigen unbedachten Bewegung auslöschen... aber es bleibt und immer mehr von diesem Feld aus strahlenden Kristallen kann ich erkennen. Es ist Büßerschnee! Ein ganzes Feld wie aus der Fantasie eines Künstlers, der unmöglich von dieser Welt stammen kann, liegt nur zweihundert Meter von mir entfernt! Hunderte von grellweißen Stalagmiten aus schierem Eis wachsen wie magische Skulpturen aus einem Hang aus Millionen von Steinplatten.
    Büßerschnee, Nieve de los Penitentes oder kurz Nieve Penitente, ist etwas sehr, sehr seltenes und kommt nur in den Tropen der Erde und in extremen Höhen vor! Durch die nahezu senkrechte Sonneneinstrahlung und mehrerer weiterer Randbedingungen, schmilzt der Schnee zu diesen bemerkenswerten, fast senkrecht aufragenden Säulen, die teilweise mehr als zwei Meter hoch sind.
    Ich stelle den Motor vom Steyr ab und krame völlig aufgeregt nach meinem Kamerarucksack. Während ich mir noch feste Schuhe anziehe, schaue ich immer wieder aus dem Seitenfenster, aber das Wunder ist immer noch vor meinen Augen! Völlig atemlos klettere ich den Hang hinauf und selbst das Klacken meines Auslösers vertreibt dieses flüchtige Gebilde der Naturgesetze nicht. Endlose Fotos später, mit der Sicherheit, dieses vergängliche Wunder sicher festgehalten zu haben, setze ich mich völlig ergriffen mitten in diesen strahlenden Kristallpalast aus Eisstatuen, komme endlich wieder zu Atem - und muß weinen... Meine Augen wandern von den Spitzen der Skulpturen zu ihrer Basis auf den bloßen Steinplatten, versuchen, jedes noch so kleine Detail zu erfassen und sind dennoch hoffnungslos überfordert alles aufzunehmen. Jede Säule unterscheidet sich von ihrem Nachbarn genauso, wie keine einzige Schneeflocke einer anderen gleicht.
    Niemals, nicht eine einzige Sekunde in den letzten Tagen, Wochen, ja sogar Jahren habe ich damit gerechnet, Büßerschnee jemals mit eigenen Augen zu sehen.

der Wanderer auf über 5.000 Metern unterhalb eines Feldes aus Büßerschnee
der Wanderer auf über 5.000 Metern unterhalb eines Feldes aus Büßerschnee

Je mehr ich ganz langsam wieder zur Ruhe komme, desto mehr wird mir klar, was für eine unglaubliche Kette von Ereignissen erst dazu geführt hat, jetzt und hier mit dem Wanderer in mehr als 5.000 Metern Höhe mitten in der Atacama zu stehen und dieses Geschenk des Universums vor mir zu haben!
    Nur mein in Bolivien immer knapper werdender Dieselvorrat hat mich dazu veranlaßt, die Lagunenroute im äußersten Süden nach Chile hin zu verlassen und nach San Pedro de Atacama zu fahren...
    Nur die Ablehnung der ESO zur Besichtigung von ALMA hat mich nach alternativen Möglichkeiten suchen lassen...
    Nur der unglaubliche Zufall, einen Chilenen kennengelernt zu haben, der sich als Mitarbeiter der ESO herausstellte und mir die abgelegene Piste hinauf zum Chajnantor-Plateau auf meinem Navi gezeigt hat, hat mich zu dieser Zeit an diesen Ort geführt...
    Nur die unterhalb vom Simons Observatory gesperrte Schranke zu ALMA hat mich eine Umgehungspiste suchen und finden lassen, die mich hierhin gebracht hat...

unwirkliche Skulpturen aus Büßerschnee
unwirkliche Skulpturen aus Büßerschnee

ein
                      unglaublich seltenes Bild: Felder aus Büßerschneeein unglaublich seltenes Bild: Felder aus Büßerschnee

in langen Reihen ragen die Statuen aus Eis
                        in den Himmelin langen Reihen ragen die Statuen aus Eis in den Himmel
ein
                      Kontrast, wie er größer kaum sein könnte...ein Kontrast, wie er größer kaum sein könnte...

mannshoch stehen die Büßer am Hang und beten andächtig und still um Vergebungmannshoch stehen die Büßer am Hang und beten andächtig und still um Vergebung

filigrane Formen, die nicht einmal ein Künstler aus Eis formen könnte
filigrane Formen, die nicht einmal ein Künstler aus Eis formen könnte

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ALMA - Atacama Large Millimeter Array

Nach den Feldern mit dem Büßerschnee bin ich immer noch völlig aufgewühlt, als ich meine Umgehungspiste nach einigen Kilometern verlasse und wieder in Richtung des Chajnantor-Plateaus fahre. Wenige Minuten später passiert es dann: Bei der Auffahrt über eine Kuppe schält sich dahinter die grellweiße Form der ersten Antenne von ALMA heraus. Mein Herz rast nur so, vor Aufregung, vor Ergriffenheit, vor dem Glück es geschafft zu haben, vor dem Schiß in Erwartung eines eifrigen Sheriffs, der mich nachdrücklich in meine Schranken verweist und vielleicht auch ein winziges bischen wegen der reichlich dünnen Luft an diesem Ort meiner Träume.
    Ich lasse den Wanderer auf der Piste stehen und stapfe schwer atmend ein weiteres Geröllfeld hinauf - und sehe ALMA... mit meinen eigenen Augen!     Lange bleibe ich auf einem Stein sitzen und versuche jede einzelne Sekunde dieses Moments mit allen Sinnen in mich aufzunehmen. Ich habe etwas gemacht, etwas geschafft, was absolut außergewöhnlich und einmalig ist, auch wenn kaum einer von euch, die ihr das hier irgendwann einmal lesen werdet, wahrscheinlich versteht, warum ich so einen Aufwand für so`n paar Schüsseln auf mich nehme...

der Wanderer am größten Array aus Radioteleskopen
der Wanderer am größten Array aus Radioteleskopen

DAS ist die Grenze für den Wanderer und mich! Weiter geht`s nicht. Aus nachvollziehbaren Gründen bleiben die Tore von ALMA für mich verschlossen. Um mir und euch dennoch einen winzigen -optischen- Einblick in das wissenschaftlich so wichtige Projekt zu geben, nachfolgend noch drei Bilder, die von der ESO zur Verfügung gestellt werden.
    Ein abschließendes Wort zur Bedeutung dieses Arrays von Radioantennen, die ich auf die gleiche Stufe wie das CERN in Genf, das VLT und ULT der ESO am Paranal und Armazones in Chile, das LIGO in den USA sowie das Hubble und James Webb im Weltall, stelle. Diese fantastischen "Wissenschaftsmaschinen" und die Menschen dahinter, sind maßgeblich an der Erforschung des Universums in dem wir existieren, der Suche nach seinem Ursprung und seiner Entwicklung beteiligt! Sie tragen ganz wesentlich zu den Erkenntnissen bei, wie all diese Milliarden von Galaxien, der Raum, die Zeit, die Sterne, unser Planet und das Leben auf ihm hat entstehen können.

Bitte gebt mir die Gelegenheit, noch einige, wenige Worte über das zu verlieren, was diese Antennen von ALMA eigentlich machen. Keine Sorge, es wird kein unverständlicher, wissenschaftlicher Monolog.
    Wir haben alle schon `mal etwas vom elektromagnetischen Spektrum gehört. Das Licht, welches wir mit unseren Augen wahrnehmen, ist ein winziger Teil dieses gesamten Spektrums. elektromagnetischen SpektrumEs macht gerade `mal lächerliche 0,0035 % dieses Spektrums aus - der Rest ist für uns Menschen nicht wahrnehmbar... wohl aber für spezialisierte Sensoren wie z.B. Radioantennen. Sie fangen die wesentlich größeren Wellenlängen des Radiobereichs mit ihren "Schüsseln" auf, reflektieren sie wie ein Brennspiegel zum Empfänger über der Schüssel und mit diesen "angepaßten, technischen Augen" können wir damit auch in Bereiche des Spektrums "sehen", die unseren Sinnen verschlossen wären. Wie ein Fernrohr mit einer großen Öffnung, die eben auch wesentlich mehr Licht aufnehmen kann, sammeln die großen Schüsseln eben auch eine größere Menge von Radiostrahlen auf. Verbindet man jetzt die Schüsseln noch zu einem einzigen Netzwerk, wird ihre "Öffnung" bei ALMA bis zu 16 Kilometer groß und kann damit auch noch extrem schwache Signale auffangen.
Bild: CC-BY-NC 4.0 / FWU Institut für Film und Bild -->
https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/deed.de

..und warum sind diese extrem schwachen Signale so interessant? Aus zwei Gründen:
  1. Licht/Radiowellen sind unglaublich schnell, nämlich ca. 300.000 km in einer einzigen Sekunde! In dieser Zeit könnte ein Lichtstrahl mehr als 7 mal um die Erde rasen. Ein Verkehrsflugzeug, das nicht auftanken müßte, bräuchte immer noch rund 45 Stunden um ein einziges Mal die Erde zu umrunden...
        Mit anderen Worten: Elektromagnetische Strahlung, die von irgendeinem kosmischen Ereignis ausgestrahlt wird, braucht aufgrund der unvorstellbar riesigen Entfernungen im Universum trotz seiner aberwitzigen Geschwindigkeit, jede Menge Zeit um zu uns zu gelangen. Durch eine ganze Reihe von Einflüssen verliert sie, die Strahlung,  dabei an Leistung, wird also immer schwächer, je länger Weg und Zeit sind.
  2. Wenn wir also Radioquellen finden, die sehr weit von uns entfernt sind, "sehen", empfangen wir also ein Signal, wie es "damals" abgeschickt wurde - wir sehen damit ein Bild der Vergangenheit! Stellen wir uns für einen kleinen Moment vor, das Licht wäre so langsam wie ein Fußgänger. Schauen wir uns jetzt durch ein starkes Fernglas einen Baum in großer Entfernung an, sehen wir ihn so wie in dem Moment, als er das Sonnenlicht zu uns reflektiert hat... in "Wirklichkeit" ist dieser Baum vielleicht aber schon längst umgestürzt und steht gar nicht mehr an dem Platz, an dem wir ihn noch sehen, da uns sein Licht erst jetzt erreicht.

Wir sehen also mit Teleskopen und Radioantennen ein Bild der Vergangenheit. Mit der heutigen Technologie können wir dabei so weit in die Entfernung und damit in die Vergangenheit schauen, daß wir schon bis in die Nähe des Anfangs des Universums kommen! Die wissenschaftliche Kunst besteht jetzt darin, aus unzähligen Bildern und unzähligen verschiedenen Zeiten ein Puzzlebild zusammen zu setzen, wie sich "das alles", von seinen allerersten Anfängen bis zum heutigen Tag zusammengefügt hat. Aus diesen Erkenntnissen lassen sich Regeln, Naturgesetze ableiten, die uns das Wie und Warum verstehen lassen - und damit letztlich auch unsere eigene Existenz.
    ..und ALMA ist dabei einer der ganz wesentlicher Bausteine, um so ein Bild zusammen zu setzen...

Das Betreten des ALMA Geländes ist mir, wie ich zuvor schon beschrieben habe, nicht möglich. Damit kann ich auch keine tollen Aufnahmen des Arrays machen und erst recht nicht mit meiner Drohne darüber fliegen - `mal davon abgesehen, daß sie in der dünnen Luft von 5.000 Metern auch gar keinen Auftrieb mit ihren Rotoren mehr erzeugen könnte...
    Umso dankbarer bin ich, daß die ESO genügend Bildmaterial zur freien Veröffentlichung zur Verfügung stellt. Drei ausgewählte Bilder möchte ich euch hier mit ihren orginalen Beschreibungen zeigen.


The final antenna... at the ALMA Observatory, 5000 metres above sea level
ESO/José Francisco Salgado (josefrancisco.org) = http://www.josefrancisco.org/

The final antenna for the Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) project is here seen arriving to the high site at the ALMA Observatory, 5000 metres above sea level. Its arrival completes the complement of 66 ALMA antennas on the Chajnantor Plateau in the Atacama Desert of northern Chile — where they will in future work together as one giant telescope.

Four antennas of the ALMA gaze up at the star-filled night sky...
https://www.eso.org/public/about-eso/visitors/alma/

Four antennas of the Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) gaze up at the star-filled night sky, in anticipation of the work that lies ahead. The Moon lights the scene on the right, while the band of the Milky Way stretches across the upper left.
ALMA is being constructed at an altitude of 5000 m on the Chajnantor plateau in the Atacama Desert in Chile. This is one of the driest places on Earth and this dryness, combined with the thin atmosphere at high altitude, offers superb conditions for observing the Universe at millimetre and submillimetre wavelengths. At these long wavelengths, astronomers can probe, for example, molecular clouds, which are dense regions of gas and dust where new stars are born when a cloud collapses under its own gravity. Currently, the Universe remains relatively unexplored at submillimetre wavelengths, so astronomers expect to uncover many new secrets about star formation, as well as the origins of galaxies and planets, when ALMA is operational.

The DV-59 antenna in the foreground with multiple other ALMA antennas observing the sky
ESO/
Alex Pérez
The DV-59 antenna in the foreground with multiple other ALMA antennas observing the sky, in a night dominated by the Moon. Credit: Alex Pérez

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der lange Weg nach unten...

Als ich Stunden später die Piste verlasse und die Ruta nach San Pedro de Atacama erreiche, liegen fast 40 endlos lange Kilometer mit steilem Gefälle vor mir! Mußte der Steyr bei der Auffahrt heiße Schwerstarbeit verrichten, so liegt jetzt diese Strecke als kalte Schwerstarbeit vor uns! Kalt, weil der Motor durch meine "Staudruckbremse" von der Dieselversorgung abgekoppelt ist und nichts in seinen Zylindern entzündet wird. Schwerstarbeit, weil die Staudruckbremse den Abgasstrang dicht macht und der Motor durch die bergab-Fahrt dennoch mit hoher Drehzahl läuft - zum Glück durch die mechanisch fest gekoppelte Ölpumpe weiterhin gut geschmiert wird. Durch die Fahrt auf dem Gefälle wird der Motor also weiter bewegt, saugt durch seine Ventile reichlich Luft an und komprimiert sie dann durch seine Kolbenbewegungen, bevor er sie durch die Auslaßventile wieder los wird. Diese Arbeit als "Kompressor" bremst den Motor stark ab und damit auch den Wanderer. Der Vorteil solch einer Technik -im Gegensatz zu PKW- ist aber, daß durch diese Staudruckbremse ein wesentlicher Teil der Tendenz, hangabwärts immer schneller zu werden und bereits nach kürzester Zeit in der nächsten Kurve geradeaus in die Wüste zu fliegen, daß diese Tendenz durch den "Motorkompressor" deutlich gemindert wird. Ansonsten gibt`s eben nur die Bremsen und wie es denen nach 40 km mit einem Gefälle von 8-10% geht, darüber kann man wieder andere Geschichten erzählen. glühende BremsscheibeDie Bremsscheiben (oder Trommeln) werden jedoch bald glühend heiß, geben ihre Hitze u.a. auch an die Bremshydraulik ab, die fängt dann irgendwann an zu kochen, entwickelt Dampfblasen und das ist der Moment, wo man mit dem Bremspedal ins Leere tritt...
    Die unzähligen Notausfahrgassen hier am Paso Jama mit ihrem tiefen, extrem nachgiebigen Kies und den tiefen Spuren darin erzählen Bände... genau so, wie auch das Paar aus der Schweiz, welches heute mit ihrem Landrover auf dem Campingplatz heil angekommen ist, aber jetzt in die Werkstatt muß, weil die Bremsen "nicht mehr richtig arbeiten"...
Bild: https://www.autodoc.de/info/uberhitzung-von-bremsenscheiben

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es geht weiter...oder auch nicht!

Das Universum hat mir heute zwei riesige Geschenke gemacht - die Felder aus Büßerschnee und ALMA! ..aber entweder ist`s die schnöde Physik mit ihren Naturgesetzen, der sich selbst das Universum unterwerfen muß, oder aber ich muß dem Universum eine gewisse Gehässigkeit unterstellen! Was die Physik angeht wissen wir ja, daß Energie weder erzeugt, noch vernichtet und erst recht nicht "verbraucht" werden kann - sie kann ausschließlich in eine andere Energieform umgewandelt werden! Hat das Universum also in seiner gnädigen Zuwendung einen Aufwand betrieben, also Energie eingesetzt um mir diese Geschenke zu machen, muß es gleichzeitig als Ausgleich für den Aufwand, mir etwas anderes wegnehmen!
    Muß sich das Universum dagegen selbst nicht an seine eigenen Gesetze halten, bleibt mir also nur, ihm oder ihr oder es eine perfide Gehässigkeit zu unterstellen, wenn es mir für die beiden Geschenke kurz danach ordentlich in den Hintern tritt!
    Was auch immer der wahre Grund ist, der Steyr will nicht mehr anspringen als ich die Chajnantor-Ebene verlassen will! Der Anlasser gibt nur noch ein gequältes, leises Brummen von sich und ist kaum noch in der Lage, dem Motor auch nur eine einzige Umdrehung abzuringen. Zum Glück läßt mich das Universum hier in 5.000 Metern in der trockensten Wüste der Welt, der Atacama, nicht einfach verrotten, sondern gibt dem Steyr noch einen winzigen Schub`s, mit dem er dann doch noch anspringt...
    Unversehrt zurück auf meinem Campingplatz in San Pedro de Atacama, zeigt sich das gleiche Bild: Der Anlasser dreht den Motor nicht mehr! Getreu der Weisheit der Spanier und Südamerikaner, solche Unwichtigkeiten auf den nächsten Tag, also auf mañana zu verschieben, kontrolliere ich erst am nächsten Morgen die Batterien: 25,4 Volt, also volle Ladung! Damit sind die Lichtmaschine und die Batterien in Ordnung und es bleibt der Anlasser selbst als Ursache des Übels. Auch hier läßt mich das Universum nicht komplett hängen und verweist mich auf die kleine LKW-Werkstatt, nur 300 Meter von meinem Campingplatz entfernt. Mit deren Hilfe bauen wir den Anlasser aus und finden auch recht zügig eine heiße Spur, die selbst Sherlock Holmes nicht hätte übersehen können. Das Doofe nur, zu reparieren ist er hier, vor Ort, nicht! Er muß in die nächste, größere Stadt, nach Calama, 100 Kilometer entfernt... Lange Rede - kurzer Sinn: Ich hänge fest!
    Wie es also weiter geht -oder auch nicht- liegt jetzt in den Händen des Universums und einer Werkstatt in Calama.

    Um uns die Wartezeit etwas zu erleichtern, hier noch ein paar beeindruckende Szenen meiner Fahrt zum Chajnantor-Plateau:

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demnächst weiter mit dem nächsten Teil im Abenteuer PanAmericana