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Auf der Lagunenroute in Bolivien

Pisten der Lagunenroute(n) in Bolivien Mittwoch, 5. Nov. `25, bevor unsere beiden Steyr sich auf die Lagunenroute begeben, fahren wir, Mark & Doro und ich, noch in die Innenstadt von Uyuni und stocken in der riesigen und geschäftigen Markthalle noch unsere Vorräte für die nächsten zwei Wochen auf. Gegen Mittag geht`s dann wirklich los - auf die berühmte und berüchtigte Lagunenroute im äußersten Südwesten Boliviens an den Grenzen zu Argentinen und Chile.
    DIE Lagunenroute? DIE Lagunenroute gibt`s gar nicht! Wie die nebenstehende Karte zeigt, ist es eine östliche Strecke nach Süden und zum anderen der westliche Arm. Neben jeder dieser Hauptrouten zweigen weitere Arme und Verbindungsmöglichkeiten ab. Das wesentliche Anliegen aller Strecken ist aber die Befahrung der unzähligen Lagunen auf dem Altiplano zwischen zwei Hauptkämmen der Anden.
    Am Ende dieser Seite ist eine animierte Karte der tatsächlich gefahrenen Strecke beigefügt...

Berühmt sind diese Strecken durch ihre außergewöhnliche Landschaft und die unzähligen Flamingos in den Lagunen. Berüchtigt durch ihre extreme Höhe, bei der man über große Distanzen nicht mehr unter 4.000 Meter kommt und... durch ihre grauenhaften Pisten! Manchmal steil, eng und extrem herausfordernd durch ripio, also Wellblech, massive Löcher und genauso massive Steine, die die Lagunenroute zu einer Tortur für Mensch & Fahrzeug macht. Die "harmlosen", flacherer Abschnitte dagegen bieten nur in sandigen Abschnitten ein wenig Erholung! Sie sind... schlichtweg fürchterlich! Fast immer grausames Wellblech und damit trotz der Entschädigung durch die faszinierend schöne und unwirkliche Landschaft ruppig, mit Steinen durchsetzt und einfach eine einzige Quälerei!

Schon kurz nach Uyuni bekomme ich einen Vorgeschmack darüber, was mich erwartet! Die Ruta, obwohl asphaltiert, wird immer übler! Irgendwann kann ich nicht mehr unterscheiden, ob die Fahrbahn aus Resten von Asphalt oder einbetonierten Schottersteine besteht... und so lege ich eine erste Zwangspause ein um den Reifendruck vom Steyr deutlich zu reduzieren. Dennoch sinkt meine Durchschnittsgeschwindigkeit auf 20 - 25 km/h!
    Immer häufiger sehe ich jetzt Vikunjas neben der, inzwischen zur Piste gewordenen "Straße", die sich nur fassungslos wundern, warum jemand hier im Altiplano der Anden das Konzept von rollenden Rädern dem überlegenen Vier-Bein-Prinzip vorzieht...
    Vikunjas sind übrigens die kleinste Kamelart der Welt und schon seit den Inca für ihre extrem feine und wertvolle Wolle bekannt. Als wilde Vorfahren der Alpakas leben sie nur hier in den Anden in Höhen zwischen 3.500 und 5.500 Metern! Sie sind die Vettern der deutlich größeren Guanakos, die ich in den letzten drei Jahren im Süden des Kontinents zu zehntausenden gesehen habe.
der Wanderer in der untergehenden Sonne an der Laguna Turincha     Völlig verstaubt komme ich nach 152 langen Kilometern endlich an unserem heutigen Tagesziel, der Laguna Turincha in 3.804 Metern Höhe an, wo Marc & Doro schon einen schönen Stellplatz gefunden haben.

Sonnenaufgang an der Laguna
                      Turincha
Sonnenaufgang an der Laguna Turincha

Alien aus Ridley Scott`s gleichnamigem Science Fiction ShockerFlamingos in der Laguna

die
                      Felswand von der anderen Seite - und der Wanderer...die Felswand von der anderen Seite - und der Wanderer...
mit den Flamingos auf Tuchfühlung
mit den Flamingos auf Tuchfühlung

..und
                      wer dieser 'komische Vogel' ist, weiß ich leider nicht..und wer dieser 'komische Vogel' ist, weiß ich leider nicht

..ein
                      seltenes Bild: Flamingos im Flug..ein seltenes Bild: Flamingos im Flug

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Lagunenhopping

Lagunenhopping? ..ist mir gerade so eingefallen... angelehnt an das englische Islandhopping, das Springen von Insel zu Insel bei Kreuzfahrern und anderen... Wir "hüpfen" eben von einer Lagune zur nächsten und die gibt es, dafür sind wir ja auf der Lagunenroute, hier natürlich reichlich! ..nur, wie soll ich die nächsten Tage beschreiben? Jede Laguna, jeden Canyon, jede Felsformation, jeden Berg, jeden Routenabschnitt benennen und beschreiben? Klar gebe ich mir Mühe, euch mit Worten und Bildern an der Fahrt teilhaben zu lassen, aber alles absolut chronologisch und mit jedem einzelnen Namen belegen? Irgendwie scheint mir das wenig sinnvoll zu sein. Ich werde mich daher auf die Beschreibung besonderer Erlebnisse und meiner Eindrücke beschränken und die Bilder mit Untertiteln für sich sprechen lassen.
    Damit die gesamte Lagunenroute, immerhin eine Fahrt über fast zwei Wochen und 500 Kilometer wenigstens etwas Struktur hat, bekommt jedes Tagesziel, natürlich eine der Lagunen, jeweils ein eigenes Kapitel!

am Camino Laguna Colorada, jetzt schon 3.868
                      m hocham Camino Laguna Colorada, jetzt schon 3.868 m hoch

beeindruckender Sonnenuntergang am Camino (Weg)beeindruckender Sonnenuntergang am Camino (Weg)

Flamingos in der Morgensonne am Camino Laguna Colorada
Flamingos in der Morgensonne am Camino Laguna Colorada

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vom Camino zur Laguna Vinto

Freitag, der 7. Nov. `25, ich sitze am Schreibtisch und telefoniere mit einem Freund in Deutschland, während ich aus dem Fenster schaue und wieder einmal Flamingos nur wenige Meter von mir entfernt durch das seichte Lagunenwasser staken. Dazu noch ein Wort zu meiner Internetverbindung mit Starlink, welches ich ja schon seit Salta installiert habe. Normalerweise plaziere ich die Antenne auf dem Dach des Wanderer (Okt25-Salta2-IV-3.html), aber seit ich im bolivianischen Altiplano bin, fetzt spätestens ab dem Nachmittag ein Wind, der in Deutschland Sturmwarnungen in Radio & Fernsehen erzeugen würde. Starlink Antenne auf einem Stativ im WandererUnter solchen Bedingungen möchte ich natürlich nicht, daß die Antenne durch eine besonders heftige Böe vom Dach gefegt wird... und so habe ich meine eigene quick & dirty - Lösung (schnell & einfach) entwickelt! Für meine Kamera habe ich natürlich ein schickes Stativ... dieses auf meinem Bett plaziert und damit die Antenne an der Dachluke verkeilt - und, es funktioniert problemlos!

Als wir am nächsten Morgen vom Camino aufbrechen, sind es nur wenige Kilometer bis zu unserem ersten Ziel - eine tiefe, atemberaubende Schlucht, der Cañón de Anaconda. Ein Blick in den Abgrund sagt, woher der Name kommt: Der kleine Fluß windet sich wie eine Anaconda durch das schmale Tal. Nachdem ich meine Bilder im Kasten habe, sitze ich noch sehr lange in der brennenden Sonne und lasse dieses grandiose Panorama auf mich wirken...

Felsnadel hoch über dem Cañón de Anaconda - vorn auf der Spitze steht Doro...Felsnadel hoch über dem Cañón de Anaconda - vorn auf der Spitze steht Doro...

der Fluß schlängelt sich
                        wie eine Anaconda durch den Cañónder Fluß schlängelt sich wie eine Anaconda durch den Cañón
der Blick von der Felsnadel zum Ende der
                      Schluchtder Blick von der Felsnadel zum Ende der Schlucht

..und zur offenen Seite (biegt dann nach rechts ab...) der Schlucht..und zur offenen Seite (biegt dann nach rechts ab...) der Schlucht

Als die Sonne senkrecht über uns steht, geht die Fahrt weiter zu einem weiteren, außergewöhnlichen Ort, dem Bosque de Piedras (Steinwald) mit seinen ungewöhnlichen Felsskulpturen.
der Bosque de Piedras (Steinwald)der Bosque de Piedras (Steinwald)
wenn man ganz genau hinschaut: In der Bildmitte steht ein einzelner Monolith - links daneben sind unsere beiden Steyr zu erkennen und rechts daneben, auf der hellen Fläche, winzige Punkte... Menschen... das gibt einen Anhalt für die Größenverhältnisse
Skulpturen im Bosque de PiedrasSkulpturen im Bosque de Piedras

Skulpturen im Bosque de PiedrasSkulpturen im Bosque de Piedras

Als wir dann am Nachmittag unser heutiges Tagesziel, die Laguna Vinto erreichen, habe ich wieder einmal einen neuen Rekord zu verzeichnen: Mit 4.058 m ist das mein höchster Stellplatz, den ich jemals bezogen habe! ..und wieder erwarten uns hunderte von Flamingos in der Laguna! Obwohl es nicht die feine englische Art ist, muß ich gestehen, daß ich mit meiner Drohne auch einen Überflug in nicht allzu großer Höhe gemacht und dabei die Tiere sicher nicht erfreut habe... mea culpa... Bilder dazu im später folgenden Video.

an der Laguna Vinto, während die Sonne schon sehr tief steht
an der Laguna Vinto, während die Sonne schon sehr tief steht

Flamingos in der Laguna und am Ufer hinten links ein LamaFlamingos in der Laguna und am Ufer hinten links ein Lama

unsere Stellplätze an der Laguna Vintounsere Stellplätze an der Laguna Vinto

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Laguna Capina

Samstag, der 8. Nov. `25, während ich mit der Höhe zum Glück problemlos zurechtkomme, hat es der arme Steyr ein wenig schlechter. Das morgentliche Anlassen wird aufgrund des Sauerstoffmangels in dieser Höhe von 4.058 m, dem damit völlig falschen Mischungsverhältnis zwischen eingespritztem Diesel und der zur Verbrennung zur Verfügung stehenden Luft und letztlich der nächtlichen Eiseskälte und dem damit zum Versulzen neigenden Diesel in den Tanks, zum Kampf dieser Bedingungen und der armen Batterie. morgendlicher Besuch direkt am Wanderer Sie muß den schwergängigen Anlasser jetzt jeden Morgen etliche Male dazu bringen, den riesigen Motor mit seinem ebenfalls eiskalten und damit zähflüssigem Öl so in Schwung zu bringen, daß der Diesel endlich zünden kann. Zum Glück gelingt es bis jetzt, aber es wird zunehmend zur Geduldsprobe und Zitterpartie!


Sonnenaufgang an der Laguna Vinto
Sonnenaufgang an der Laguna Vinto

Es folgen diesmal wieder nur wenige Kilometer Fahrt bis zum nächsten Highlight, den Rocas Volcánicas, den Vulkan-Felsen, die die Natur im Laufe vieler Jahrtausende wieder einmal zu spektakulären Formen und Farben gestaltet hat.


der Wanderer mitten in den Rocas Volcánicasder Wanderer mitten in den Rocas Volcánicas

dGebilde
                        aus einer anderen WeltGebilde aus einer anderen Welt
ein Kamel reckt seinen
                      Kopf in den Himmel...?ein Kamel reckt seinen Kopf in den Himmel...?

Spiel aus Licht und SchattenSpiel aus Licht und Schatten

unnachgiebige Chollita in Schürze knöpft mir den Wegezoll ab Da Marc & Doro und ich tagsüber getrennt fahren und uns erst -spätenstens- am Tagesziel wieder treffen, schaufeln sich der Wanderer & ich artig allein durch die beeindruckende Landschaft weiter nach Süden auf der östlichen Lagunenroute bis, ja bis zum einzigen Ort in dieser unglaublichen Abgeschiedenheit, Villa Mar. Am Ortseingang erwartet mich dann eine Überraschung: Eine geschlossene Schranke versperrt die Piste, daneben ein winziges Häuschen aus der dann eine ältere Chollita kommt, die mir tatsächlich 10 Bolivianos (richtig: keine Pesos in Bolivien) für die Ortsdurchfahrt abknöpft. Dafür bekomme ich dann ein kleines Zettelchen, welches mir den ordnungsgemäß entrichteten Betrag bestätigt und mich darüber informiert, daß das Geld zur "Mantenimiento de Caminos", also zur Erhaltung der Wege dient... Ich staune also nicht schlecht, was sich der pfiffige Bürgermeister von Villa Mar hat einfallen lassen, um die Gemeindekasse mit Hilfe der Touris deutlich aufzubessern. mein Beitrag zur Straßenerhaltung in Villa MarNach der Schranke fahre ich dann im besseren Schritttempo, mehr lassen die grauenhaften Wellen und Löcher auf der Piste eh nicht zu, durch den Ort und halte Ausschau nach einem winzigen Mercado (Geschäft) oder einer Panaderia (Bäckerei), doch nichts, absolut nichts kann ich entdecken, nicht `mal ein zugeschüttetes Schlagloch!


Direkt nach Villa Mar wird die Piste absolut mörderisch! Grausame Wellen, Wellblech und Steine und ich quäle mich im 1. bis maximal 3. Gang mit höchstens 10 km/h wieder in die Höhe. Irgendwann habe ich`s geschafft - ein namenloser Pass bei 4.699 Metern.
Die sonnendurchflutete Landschaft ist sagenhaft schön und jeder der "Hügel" um mich herum kann ein 6.000-er sein!
screenshot vom Navi am 4.699 m hohen Paß Höhenprofil der heutigen Fahrt
Lamas, oder sind es Alpakas (?) neben der Piste
Lamas, oder sind es Alpakas (?) neben der Piste

je
                      höher ich komme, desto karger wird die Vegetationje höher ich komme, desto karger wird die Vegetation

immer
                      höher geht es hinaufimmer höher geht es hinauf

Dann beginnt die Abfahrt und wieder tauche ich in eine vollkommen andere Landschaft ein als ich mich der Laguna Capina nähere. Hier gibt es keine Steine und kein Wellblech mehr und ich kann den Wanderer mit mehr als 50 km/h laufen lassen...
    ..bis ich irgendwann an dem Häuschen einer Minengesellschaft und einer geschlossenen Schranke stehe. Marc & Doro, die schon eine Stunde vor mir hier waren, haben mir zum Glück die "Gebrauchsanweisung" gefunkt, wo ich die Minenarbeiter erreiche, die mir die Schranke für die private Piste öffnen. ..und haben mich noch vor dem bösartigen Hund gewarnt...
    Die Minenarbeiter habe ich gefunden und der Hund mich! Seine Begrüßung war ein Angriff von hinten und ein blutiger Biß in die linke Wade. Dafür wurde die Schranke geöffnet und ich konnte die letzten Kilometer bis zu unserem Stellplatz fahren.

4.699 m - an dem namenlosen Paß
4.699 m - an dem namenlosen Paß

die
                      Abfahrt in völlig anderer Landschaft ist viel leichterdie Abfahrt in völlig anderer Landschaft ist viel leichter

die
                      Laguna Capina liegt vor mirdie Laguna Capina liegt vor mir

..dann habe ich ihn endlich erreicht - meinen/unseren Stellplatz an der Laguna Capina, natürlich mit dem nächsten Höhenrekord mit 4.494 m!
Es ist schon verrückt mir vorzustellen, daß die deutsche Zugspitze glatt eineinhalb mal unter mein Bett passen würde...


unsere Steyr auf unserem Platz für die Nacht an der Laguna Capinaunsere Steyr auf unserem Platz für die Nacht an der Laguna Capina

Salzverkrustungen am
                        Ufer der Laguna und endlose Weite auf dem AltiplanoSalzverkrustungen am Ufer der Laguna und endlose Weite auf dem Altiplano

Laguna Capina
Laguna Capina

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es geht weiter...

Nach der Laguna Capina geht die Fahrt auf der Lagunenroute in Bolivien weiter, diesmal nach Norden zur Laguna Pastos Grandes. Dort überqueren wir den Gebirgszug, um auf den zweiten Arm, auf die westliche Route zu kommen. Danach geht es weiter nach Süden, dabei niemals mehr unterhalb einer Höhe von 4.000 m bis zur Grenze nach Chile.
    Vorher gleich zwei Videos! Das erste zeigt die gefahrene Route animiert auf der Karte von Uyuni bis zur Laguna Capina. Das zweite Video zeigt die Fahrt dieses ersten Abschnitts auf der Lagunenroute:

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..noch in eigener Sache... zu dem Video der Fahrt: Ich habe mir eure Anregungen zu Herzen genommen und die langen Szenen der Fahrt ganz deutlich zusammen gestutzt und nur die Szenen behalten, die meiner Meinung nach unverzichtbar sind, um einen Eindruck von den ständig wechselnden Landschaften und einer Fahrt von immerhin drei Tagen zu bekommen. Insgesamt hatte ich in der Rohfassung eine Länge von 60' 40'' und die geschnitten auf jetzt 7'30''! Kürzer geht`s kaum, ohne einfach nur `ne handvoll zusammenhangloser Bilder zu bekommen. Allein das Rendern des fertigen Videos hat über 25' gedauert...
    Ich bin weiterhin sehr an eurem feedback interessiert und werde es sicher umsetzen...


..demnächst weiter mit dem 2. Teil der Lagunenroute