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Lagunenroute - Teil 2


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Nov. `25, die ersten Tage auf der östlichen Lagunenroute im äußersten Südwesten Boliviens sind wir, Marc & Doro mit ihrem Steyr und ich mit dem Wanderer, von Uyuni bis zur Laguna Capina gekommen. In den nächsten Tagen geht die Fahrt wieder nach Norden bis zur Laguna Pastos Grandes. Von dort soll die weitere Fahrt über einen Gebirgszug hinüber zur westlichen Route gehen.
    Schon seit zwei Tagen haben wir dabei die Höhe von 4.000 Metern über dem Meeresspiel überschritten und werden bis zum Verlassen der Lagunenroute diese Marke auch nicht mehr unterschreiten!
    Die Karte links ist keine statische Karte, sondern ein animiertes Kurzvideo, also anklicken und die gefahrene Route verfolgen... Sie zeigt in Blau unseren ersten Abschnitt von Uyuni bis zur Laguna Capina und in rot den nächsten Teil bis zur Westroute.
Insgesamt werden es ganze 10 Tage, bei denen ich nicht einmal mehr unter 4.000 Meter kommen werde und sogar 5 Tage, bei denen mein Stellplatz für die Nacht bei viereinhalbtausend Metern liegt! Das ist eine Höhe, bei der die Zugspitze, immerhin der höchste deutsche Berg, eineinhalb Mal unter mein Bett passen würde! Beim Überqueren der Andenpässe kratze ich bereits mehrfach an der 5.000-Meter-Marke!
    Natürlich bin ich in den letzten Tagen immer wieder gefragt worden, wie ich mit der Höhe zurecht komme und ebenso natürlich spüre ich diese außerordentliche Höhe! Zum Glück sind die Nebenwirkungen bei mir sehr gering, nicht, wie bei etlichen anderen Overlandern mit fürchterlichen Kopfschmerzen oder Übelkeit oder Erstickungsanfällen. jeden Tag koche ich mir auch einen Liter Tee aus Coca-Blättern...Ununterbrochen spüre ich vor allem meine Nase, die permanent ausgetrocknet ist und geschwollene Schleimhäute hat. Weiterhin muß ich jedes Mal tief durchatmen, nur weil ich die paar Stufen der Leiter in den Wanderer aufgestiegen bin. "Spaziergänge" auf Erhebungen in der Umgebung werden dagegen so anstrengend, als ob ich im Sprint einen Berg hochlaufen würde.


mein lauwarmer Morgenkaffee Dann ist da mein Kaffee! Morgens kaum aufgebrüht, ist er nach einer Minute im Kaffeebecher nur noch lauwarm! ..es ist die "dünne Luft", der deutlich niedrigere Luftdruck in dieser Höhe. In viereinhalbtausend Metern kocht das Wasser bereits bei 85,02°!
Noch eklatanter spürte ich den Effekt, als ich am Anfang der Lagunenroute einmal gedankenlos Kartoffeln für mein Essen kochen wollte... als das Wasser im Topf lustig sprudelte, habe ich mich noch an meinen Tisch gesetzt und Seiten für den GlobalWanderer bearbeitet. Als ich nach 20 Minuten zum ersten Mal mit der Gabel schauen wollte, ob meine Kartoffeln schon gar sind, traute ich meiner Wahrnehmeng nicht! Sie waren steinhart! Es dauerte dann über eine Stunde, bis sie endlich fertig waren...
Noch übler erging es Marc & Doro, als sie einmal Nudeln kochen wollten: Die Stärke trat beim Kochen langsam aus und machte alles im Topf zu einem einzigen, zusammen pappenden Klumpen, während sich die Nudeln partout weigerten, weich zu werden...


..und dann ist da mein Steyr... ihm geht es nicht ganz so gut wie mir. Morgens, beim Anlassen, quält er sich fürchterlich bis er endlich anspringt und rund läuft! Je höher ich komme, desto mehr wird es zur Zitterpartie, ob er`s nun schafft... Das liegt zum einen an dem fest eingestellten Mischungsverhältnis des Motors, also dem Verhältnis der eingespritzten Dieselmenge zur für die Verbrennung vorhandenen Luft in den Zylindern. Das Luftvolumen bleibt zwar das Gleiche, nicht aber die vorhandene Menge an Sauerstoff zur Verbrennung des Diesels! Zudem kommen die nachts und morgens extrem niedrigen Temperaturen hier im Altiplano. Mein Spitzenwert in den nächsten Tagen lag bei -12°C! Der Diesel im Tank ist trotz Fließverbesserer dabei zu versulzen und das Öl im Motor ist auch nur noch eine zähflüssige Pampe. Auch ist der Motor so eiskalt, daß das Diesel-Luft-Gemisch beim Anlassen (also Kompression in den Zylindern) nicht die erforderliche Zündtemperatur erreicht...
    Ist der Motor dann endlich angesprungen, läuft er den gesamten Tag wieder perfekt und der Leistungsverlust durch die Höhe ist dank des gewaltigen Drehmoments des Steyr` kein Problem. Beim Schalten/Gasgeben pustet er allerdings pechrabenschwarze Wolken raus... aber, das macht hier jeder LKW 😉

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Absturz

Sonntag, 9. Nov. `25, als ich um kurz nach 7 Uhr zum ersten Mal dick vermummt aus dem Wanderer krabbel um die ersten, wärmenden Sonnenstrahlen im Gesicht zu spüren, sehe ich meine 2 Teebeutel, die ich gestern zum Trocknen auf die Treppe gelegt hatte. Der Wind hatte sie am Abend zuvor wohl schon auf den Boden geweht und als ich sie aufhebe, sind sie so steif gefroren wie Beton!
    Später starte ich dann als Erster auf die heutige Strecke und die ersten Kilometer lassen hoffen! Sandiger, weicher Untergrund und ich komme im 6. Gang mit 40 km/h gut voran, bis es passiert! ..der Beinahe-GAU!!! Auf der schmalen Piste, nur wenig breiter als der Wanderer selbst, sackte das rechte Vorderrad ganz allmählich und unmerklich an der Böschung runter! Der Steyr driftete von allein immer weiter nach rechts und legte sich mit jedem Meter schräger! Auf Gegenlenken hat er nicht mehr reagiert! Durch die Schräglage hatte das linke Vorderrad kaum noch Grip und das rechte war bereits über den Rand abgerutscht. Hätte ich es mit Gewalt versucht, hätte sich der Wanderer um seine Hochachse gedreht, das Heck wäre umgeschlagen und er wäre auf die Seite gestürzt! SUPER-GAU...
    Ich habe anscheinend richtig reagiert, in die Falllinie gelenkt, das Gas weggenommen und der weiche Sand hat zusätzlich noch gebremst. Dennoch lag er für zwei oder drei Sekunden, die sich wie eine Ewigkeit anfühlten, so schräg an der Böschung wie noch niemals zuvor! Seine Restgeschwindigkeit und seine Trägheit nach vorn haben das Umkippen anscheinend verhindert und so rumpelte er komplett von der Piste.
    Als er sich nach dem Böschungsabsturz wieder aufrichtete, habe ich sofort eine Vollbremsung gemacht und bin nur zwei oder drei Meter vor einem Bach im Sumpf zum Stehen gekommen... Vollgepumpt mit Adrenalin waren mir Bilder in diesem Moment völlig unwichtig, nur noch so schnell wie möglich mit eigener Kraft raus! ALLE Sperren vom Steyr sowie die Geländeuntersetzung eingeschaltet und mit piependem Drehzahlbegrenzer eine 300° Kurve in dem sumpfigen Untergrund eingeleitet. Wäre ich einige Momente länger stehen geblieben, wäre ich jede Sekunde tiefer eingesunken. Dann sofort im rechten Winkel auf die mindestens 1 Meter hohe Böschung zugefahren und mit heulendem Motor durch den buttenweichen Sand nach oben gefurcht, zurück auf die Piste. Ich hab`s geschafft, stehe quer auf der kaum mehr als 4 m breiten Piste! Etliche Male zentimeterweise vor und zurück, nur jetzt nicht vorne oder hinten wieder abrutschen... und dann ist auch das geschafft, ich stehe gerade auf der Piste und zittere jetzt wie Espenlaub!
    Wenige Minuten später kommen Mark und Doro hinter mir an. Mark bestätigte meine Einschätzung: ER hätte nicht helfen können! Die Piste ist zu schmal und er hätte mich schräg ziehen müssen... ohne Massenträgheit wäre der Wanderer spätestens jetzt auf die Seite gestürzt... und unglaublich, wie ich es geschafft hätte, die Böschung wieder hoch zu kommen...
    Puh, danach gab`s nur noch Eins: So schnell wie möglich wieder ans Steuer und weiterfahren - bevor die Angst kommt...Dennoch waren meine Nerven noch für bestimmt eine Stunde am Flattern...


Das Video "danach", getrennt vom später folgenden Video der "restlichen" Fahrt... mit reichlich flatterndem O-Ton, kurz nachdem ich mich und den Wanderer an den eigenen Haaren dort herausgezogen habe...



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am Kara See

Die weitere Fahrt verläuft zum Glück ohne neue Beinahe-Katastrophen, ist vielleicht sogar einer der angenehmsten Abschnitte auf der gesamten Lagunenroute. War die Auffahrt auf die erste Passhöhe mit 4.862 m schon überraschend angenehm, war die Abfahrt im weichen, stein- und böschungslosen Sand fantastisch! Auch die Landschaft um mich herum läßt mich aus dem begeisternden Staunen nicht mehr heraus. Nach dem Abzweig zum Kara See fahre ich durch eine unglaubliche Bergwelt aus Licht, Formen und Farben. Eine Piste gibt es auf dem ebenen Untergrund, einer weichen Mischung von Asche & Sand, schon längst nicht mehr. Ich fahre meine eigene Spur, weil keinerlei Piste mehr zu erkennen ist! Die Welt um mich herum ist unwirklich schön und beeindruckend und bis auf die kaum sichtbaren Spuren auf der Oberfläche gibt es kein Anzeichen dafür, daß es überhaupt Menschen auf der Welt gibt! Irgendwann in dieser kaum vorstellbaren Abgeschiedenheit, taucht er dann vor mir auf, der Kara See in einer Höhe von 4.522 Metern über dem Meeresspiegel ..und ist voll mit tausenden von Flamingos!

Aufstieg auf den ersten Paß mit 4.862 MeternAufstieg auf den ersten Paß mit 4.862 Metern

links die Abfahrt vom Paß und jetzt auf einer unwirklichen Hochebene auf dem Weg zum Kara Seelinks die Abfahrt vom Paß und jetzt auf einer unwirklichen Hochebene auf dem Weg zum Kara See
..unendlich allein und winzig in einer unwirklichen Welt.....unendlich allein und winzig in einer unwirklichen Welt...

eine Welt, so fremdartig und leer wie der Mars... wäre da nicht unser blauer Himmeleine Welt, so fremdartig und leer wie der Mars... wäre da nicht unser blauer Himmel
nur vereinzelte Spuren zeigen, daß schon `mal andere Menschen hier warennur vereinzelte Spuren zeigen, daß schon `mal andere Menschen hier waren

die grellweiße Fläche des Kara Sees rückt langsam näherdie grellweiße Fläche des Kara Sees rückt langsam näher
dann liegt er vor mir - der Kara Seedann liegt er vor mir - der Kara See

..ein Archipel aus Salzinseln..ein Archipel aus Salzinseln

in der Zeit eingefroren
in der Zeit eingefroren

unzählige Flamingos in einer Höhe von 4.522 Metern über dem Meeresspiegelunzählige Flamingos in einer Höhe von 4.522 Metern über dem Meeresspiegel

extremste Bedingungen - und trotzdem
                        wimmelt es von Lebenextremste Bedingungen - und trotzdem wimmelt es von Leben
grazile Schönheit der Flamingosgrazile Schönheit der Flamingos

als ob sie auf schmelzendem Eis gehen
                        würden...als ob sie auf schmelzendem Eis flanieren würden...

das Wunder des Lebens in dieser unwirklichen Welt
das Wunder des Lebens in dieser unwirklichen Welt

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Laguna Cachi

Später treffen sich Marc, Doro und ich erneut und zusammen fahren wir durch eine unglaubliche Sandwüste, wie sie auch in der Sahara zu finden ist, bis zur Laguna Cachi. Sie hat fast keine offenen Wasserflächen und damit auch keine Flamingos mehr. Aus der Luft dagegen erschließen sich surreale Strukturen wie aus einer anderen Welt! Als 2005 die europäische Raumsonde Huygens auf dem Saturnmond Titan landete, haben sich ihre Kameras vielleicht an diesem Ort ihre Inspiration geborgt.

wären da nicht die zwei winzigen Spielzeugtrucks am unteren Bildrand...wären da nicht die zwei winzigen Spielzeugtrucks am unteren Bildrand...

verstörendes Spiel von Licht, Schatten und
                        Formenverstörendes Spiel von Licht, Schatten und Formen


auch hier zeigt nur die Spur einer einsamen Piste die
                Größenverhältnisse
auch hier zeigt nur die Spur einer einsamen Piste die Größenverhältnisse

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Laguna Pastos Grandes

Nach der Laguna Cachi folgen, bei jetzt wieder bei getrennter Fahrt, noch etwa 30 Kilometer Strecke -damit mindestens eineinhalb Stunden- und der 3. Paß für heute. Auf der Paßhöhe steht der Geländewagen eines Tourveranstalters und schon beim Näherkommen winken sie und bitten mich anzuhalten... Ihr Geländewagen hat einen schleichenden Platten, einen Kompressor haben sie nicht und fragen daher, ob ich ihnen helfen kann. In einer derart abgelegenen Gegend wie hier, zwischen den beiden Hauptarmen der Lagunenroute, ist das überhaupt keine Frage und so schließe ich sie an meine Reifenfüllanlage an und rette ihren Nachmittag.
Nach der Abfahrt erwarten mich Mark & Doro bereits an unserem heutigen Etappenziel, der Laguna Pasos Grandes auf 4.499 Metern.

auf den letzten Kilometern bis zum
                      heutigen Stellplatz
auf den letzten Kilometern bis zum heutigen Stellplatz

Höhenprofil der heutigen
                      FahrtHöhenprofil der heutigen Fahrt
interessant übrigens die Angabe oben links unter dem Datum:
78 km in ~4 h, d.h. 20 km/h Schnitt...

an der Laguna Pastos Grandesan der Laguna Pastos Grandes

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es geht weiter...

Am nächsten Tag überqueren wir nach der Laguna Pastos Grandes einen weiteren Gebirgszug um den westlichen Arm der Lagunenroute auf dem Altiplano Boliviens zu erreichen. Von hier aus geht die weitere Fahrt entlang der Lagunen, dabei der bekanntesten, wie der Laguna Colorada und der  Laguna Verde, ausschließlich in südliche Richtung bis zur Grenze zwischen Bolivien und Chile.
    Natürlich alles nicht ohne das schon unvermeidliche Video der heutigen Fahrt... Ich wünsche euch Freude beim Anschauen!

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..demnächst weiter mit dem 3. Teil der Lagunenroute