Insgesamt werden es ganze 10 Tage, bei
denen ich nicht einmal mehr unter 4.000 Meter kommen werde und
sogar 5 Tage, bei denen mein Stellplatz für die Nacht bei
viereinhalbtausend Metern liegt! Das ist eine Höhe, bei der die
Zugspitze, immerhin der höchste deutsche Berg, eineinhalb Mal
unter mein Bett passen würde! Beim Überqueren der Andenpässe
kratze ich bereits mehrfach an der 5.000-Meter-Marke!
Natürlich bin ich in den letzten Tagen immer wieder gefragt worden, wie ich mit der Höhe zurecht komme und ebenso natürlich spüre ich diese außerordentliche Höhe! Zum Glück sind die Nebenwirkungen bei mir sehr gering, nicht, wie bei etlichen anderen Overlandern mit fürchterlichen Kopfschmerzen oder Übelkeit oder Erstickungsanfällen. Ununterbrochen spüre ich vor allem meine
Nase, die permanent ausgetrocknet ist und geschwollene
Schleimhäute hat. Weiterhin muß ich jedes Mal tief durchatmen, nur
weil ich die paar Stufen der Leiter in den
Wanderer aufgestiegen bin. "Spaziergänge" auf Erhebungen
in der Umgebung werden dagegen so anstrengend, als ob ich im
Sprint einen Berg hochlaufen würde.
Dann ist da mein Kaffee! Morgens kaum aufgebrüht, ist er nach
einer Minute im Kaffeebecher nur noch lauwarm! ..es ist die "dünne
Luft", der deutlich niedrigere Luftdruck in dieser Höhe. In
viereinhalbtausend Metern kocht das Wasser bereits bei 85,02°!
Noch eklatanter spürte ich den Effekt, als ich am Anfang der Lagunenroute einmal gedankenlos Kartoffeln für mein Essen kochen wollte... als das Wasser im Topf lustig sprudelte, habe ich mich noch an meinen Tisch gesetzt und Seiten für den GlobalWanderer bearbeitet. Als ich nach 20 Minuten zum ersten Mal mit der Gabel schauen wollte, ob meine Kartoffeln schon gar sind, traute ich meiner Wahrnehmeng nicht! Sie waren steinhart! Es dauerte dann über eine Stunde, bis sie endlich fertig waren... Noch übler erging es Marc & Doro, als sie einmal Nudeln kochen wollten: Die Stärke trat beim Kochen langsam aus und machte alles im Topf zu einem einzigen, zusammen pappenden Klumpen, während sich die Nudeln partout weigerten, weich zu werden... ..und dann ist da mein Steyr...
ihm geht es nicht ganz so gut wie mir. Morgens, beim Anlassen,
quält er sich fürchterlich bis er endlich anspringt und rund
läuft! Je höher ich komme, desto mehr wird es zur Zitterpartie, ob
er`s nun schafft... Das liegt zum einen an dem fest eingestellten
Mischungsverhältnis des Motors, also dem Verhältnis der
eingespritzten Dieselmenge zur für die Verbrennung vorhandenen
Luft in den Zylindern. Das Luftvolumen bleibt zwar das Gleiche,
nicht aber die vorhandene Menge an Sauerstoff zur Verbrennung des
Diesels! Zudem kommen die nachts und morgens extrem niedrigen
Temperaturen hier im Altiplano. Mein Spitzenwert in den nächsten
Tagen lag bei -12°C! Der Diesel im Tank ist trotz
Fließverbesserer dabei zu versulzen und das Öl im Motor ist auch
nur noch eine zähflüssige Pampe. Auch ist der Motor so eiskalt,
daß das Diesel-Luft-Gemisch beim Anlassen (also Kompression in den
Zylindern) nicht die erforderliche Zündtemperatur erreicht...
Ist der Motor dann endlich angesprungen, läuft er den gesamten Tag wieder perfekt und der Leistungsverlust durch die Höhe ist dank des gewaltigen Drehmoments des Steyr` kein Problem. Beim Schalten/Gasgeben pustet er allerdings pechrabenschwarze Wolken raus... aber, das macht hier jeder LKW 😉 |
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Absturz Absturz Sonntag, 9. Nov. `25, als ich um kurz nach
7 Uhr zum ersten Mal dick vermummt aus dem Wanderer
krabbel um die ersten, wärmenden Sonnenstrahlen im
Gesicht zu spüren, sehe ich meine 2 Teebeutel, die ich gestern zum
Trocknen auf die Treppe gelegt hatte. Der Wind hatte sie am Abend
zuvor wohl schon auf den Boden geweht und als ich sie aufhebe,
sind sie so steif gefroren wie Beton!
Später starte ich dann als Erster auf die heutige Strecke und die ersten Kilometer lassen hoffen! Sandiger, weicher Untergrund und ich komme im 6. Gang mit 40 km/h gut voran, bis es passiert! ..der Beinahe-GAU!!! Auf der schmalen Piste, nur wenig breiter als der Wanderer selbst, sackte das rechte Vorderrad ganz allmählich und unmerklich an der Böschung runter! Der Steyr driftete von allein immer weiter nach rechts und legte sich mit jedem Meter schräger! Auf Gegenlenken hat er nicht mehr reagiert! Durch die Schräglage hatte das linke Vorderrad kaum noch Grip und das rechte war bereits über den Rand abgerutscht. Hätte ich es mit Gewalt versucht, hätte sich der Wanderer um seine Hochachse gedreht, das Heck wäre umgeschlagen und er wäre auf die Seite gestürzt! SUPER-GAU... Ich habe anscheinend richtig reagiert, in die Falllinie gelenkt, das Gas weggenommen und der weiche Sand hat zusätzlich noch gebremst. Dennoch lag er für zwei oder drei Sekunden, die sich wie eine Ewigkeit anfühlten, so schräg an der Böschung wie noch niemals zuvor! Seine Restgeschwindigkeit und seine Trägheit nach vorn haben das Umkippen anscheinend verhindert und so rumpelte er komplett von der Piste. Als er sich nach dem Böschungsabsturz wieder aufrichtete, habe ich sofort eine Vollbremsung gemacht und bin nur zwei oder drei Meter vor einem Bach im Sumpf zum Stehen gekommen... Vollgepumpt mit Adrenalin waren mir Bilder in diesem Moment völlig unwichtig, nur noch so schnell wie möglich mit eigener Kraft raus! ALLE Sperren vom Steyr sowie die Geländeuntersetzung eingeschaltet und mit piependem Drehzahlbegrenzer eine 300° Kurve in dem sumpfigen Untergrund eingeleitet. Wäre ich einige Momente länger stehen geblieben, wäre ich jede Sekunde tiefer eingesunken. Dann sofort im rechten Winkel auf die mindestens 1 Meter hohe Böschung zugefahren und mit heulendem Motor durch den buttenweichen Sand nach oben gefurcht, zurück auf die Piste. Ich hab`s geschafft, stehe quer auf der kaum mehr als 4 m breiten Piste! Etliche Male zentimeterweise vor und zurück, nur jetzt nicht vorne oder hinten wieder abrutschen... und dann ist auch das geschafft, ich stehe gerade auf der Piste und zittere jetzt wie Espenlaub! Wenige Minuten später kommen Mark und Doro hinter mir an. Mark bestätigte meine Einschätzung: ER hätte nicht helfen können! Die Piste ist zu schmal und er hätte mich schräg ziehen müssen... ohne Massenträgheit wäre der Wanderer spätestens jetzt auf die Seite gestürzt... und unglaublich, wie ich es geschafft hätte, die Böschung wieder hoch zu kommen... Puh, danach gab`s nur noch Eins: So schnell wie möglich wieder ans Steuer und weiterfahren - bevor die Angst kommt...Dennoch waren meine Nerven noch für bestimmt eine Stunde am Flattern...
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am Kara See Die weitere Fahrt verläuft zum Glück ohne
neue Beinahe-Katastrophen, ist vielleicht sogar einer der
angenehmsten Abschnitte auf der gesamten Lagunenroute. War die
Auffahrt auf die erste Passhöhe mit 4.862 m schon
überraschend angenehm, war die Abfahrt im weichen, stein- und
böschungslosen Sand fantastisch! Auch die Landschaft um mich herum
läßt mich aus dem begeisternden Staunen nicht mehr heraus. Nach
dem Abzweig zum Kara See fahre ich
durch eine unglaubliche Bergwelt aus Licht, Formen und Farben.
Eine Piste gibt es auf dem ebenen Untergrund, einer weichen
Mischung von Asche & Sand, schon längst nicht mehr. Ich fahre
meine eigene Spur, weil keinerlei Piste mehr zu erkennen ist! Die
Welt um mich herum ist unwirklich schön und beeindruckend und bis
auf die kaum sichtbaren Spuren auf der Oberfläche gibt es kein
Anzeichen dafür, daß es überhaupt Menschen auf der Welt gibt!
Irgendwann in dieser kaum vorstellbaren Abgeschiedenheit, taucht
er dann vor mir auf, der Kara See in einer Höhe von 4.522
Metern über dem Meeresspiegel ..und ist voll mit tausenden
von Flamingos!
![]() in der Zeit eingefroren
![]() das Wunder des Lebens in dieser unwirklichen Welt |
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Cachi Laguna Cachi Später treffen sich Marc, Doro und ich
erneut und zusammen fahren wir durch eine unglaubliche Sandwüste,
wie sie auch in der Sahara zu finden ist, bis zur Laguna
Cachi. Sie hat fast keine offenen Wasserflächen und damit
auch keine Flamingos mehr. Aus der Luft dagegen erschließen sich
surreale Strukturen wie aus einer anderen Welt! Als 2005 die
europäische Raumsonde Huygens auf
dem Saturnmond Titan landete, haben sich ihre Kameras vielleicht
an diesem Ort ihre Inspiration geborgt.
![]() auch hier zeigt nur die Spur einer einsamen Piste die Größenverhältnisse |
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Pastos Grandes Laguna Pastos GrandesNach der Laguna Cachi folgen, bei jetzt
wieder bei getrennter Fahrt, noch etwa 30 Kilometer Strecke -damit
mindestens eineinhalb Stunden- und der 3. Paß für heute. Auf der
Paßhöhe steht der Geländewagen eines Tourveranstalters und schon
beim Näherkommen winken sie und bitten mich anzuhalten... Ihr
Geländewagen hat einen schleichenden Platten, einen Kompressor
haben sie nicht und fragen daher, ob ich ihnen helfen kann. In
einer derart abgelegenen Gegend wie hier, zwischen den beiden
Hauptarmen der Lagunenroute, ist das überhaupt keine Frage und so
schließe ich sie an meine Reifenfüllanlage an und rette ihren
Nachmittag.
Nach der Abfahrt erwarten mich Mark & Doro bereits an unserem heutigen Etappenziel, der Laguna Pasos Grandes auf 4.499 Metern.
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Du bist hier: Global-Wanderer > Reisen > Südamerika > Inhaltsverzeichnis > 4. Törn > Lagunenroute > Teil 2 > weiter es geht weiter... Am nächsten Tag überqueren wir nach der
Laguna Pastos Grandes einen weiteren Gebirgszug um den westlichen
Arm der Lagunenroute auf dem Altiplano Boliviens zu erreichen. Von
hier aus geht die weitere Fahrt entlang der Lagunen, dabei der
bekanntesten, wie der Laguna Colorada
und der Laguna Verde,
ausschließlich in südliche Richtung bis zur Grenze zwischen
Bolivien und Chile.
Natürlich alles nicht ohne das schon unvermeidliche Video der heutigen Fahrt... Ich wünsche euch Freude beim Anschauen! Dieses Video liegt in FullHD vor ..demnächst weiter mit dem 3. Teil
der Lagunenroute
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