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der Weg zurück

Routenkarte-2025-12-31 aktuelle, zoombare Routenkarte des 4. Törns, Stand min. 12.02.2026 oder neuer

Es ist Mittwoch, der 21. Feb. ´26, und nach sechs wunderschönen, ruhigen Wochen an etlichen, traumhaften und meist völlig einsamen Stellplätzen an der wilden Pazifikküste Chile`s, erreiche ich nach der Fahrt durch Antofagasta und vorbei an Mejillones, wieder die Pazifikküste. Nicht mehr aufschiebbar, steht jetzt eine Entscheidung an: Wie und wann geht`s wohin weiter? Ursprünglich wollte ich der chilenischen Küste bis zur peruanischen Grenze folgen, dann in die Hochanden abbiegen und zwischen Peru, Bolivien und Chile wechselnd, langsam zurück nach Süden fahren. Wie ich jedoch schon mehrfach angedeutet habe, erreichen mich schon seit Wochen immer neue Warnungen vor dem “invierno boliviano”, den ich weiter unten auch endlich erklären werde... und den damit zusammenhängenden Anpassungen meiner gesamten Fahrplanung...

Als ich an diesem Morgen von meinem außergewöhnlichen Stellplatz auf dem Mirador Caleta el Cobre, aufbrechen will, erwartet mich in der strahlenden Morgensonne noch ein besonderes Schauspiel - die Wolken über dem pazifischen Ozean sind noch nicht von der Sonne aufgelöst worden und sind über Nacht auch weit in die tiefer Täler unter mir eingedrungen.

das Meer aus Wolken liegt in der Morgensonne noch über dem Meer aus Wasser
das Meer aus Wolken liegt in der Morgensonne noch über dem Meer aus Wasser

Dann geht`s weiter bis zu der riesigen Hafenstadt Antofagasta mit einem langen Stopp an einem der Supermärkte und entsprechendem Großeinkauf. Als ich dann alles in den Wanderer verladen habe, geht`s runter zur Küstenlinie und der Ruta 1, die ab hier wieder weiter nach Norden der Küste folgt. Hier ist sie autobahnmäßig ausgebaut, was sie jedoch nicht daran hindert, mich mit einem quälenden Ampelmarathon über fast 30 Kilometer zu foltern, bis ich endlich aus diesem Moloch heraus bin. Nördlich von Mejillones erreiche ich dann reichlich geschafft, endlich wieder ruhige Gefilde an der Küste und damit meinen Stellplatz für die Nacht.

Playa Grande bei MejillonesPlaya Grande bei Mejillones

einer der zahlreichen Geier, die auch an den Stränden unablässig patroulliereneiner der zahlreichen Geier, die auch an den Stränden unablässig patroullieren
noch so`n, schräger Vogel der mich
                      aufmerksam beobachtetnoch so`n, schräger Vogel der mich aufmerksam beobachtet

na, zumindest weiß ich, daß das Möwen sind...na, zumindest weiß ich, daß das Möwen sind...

Am 22. Jan. `26, in Gualaguala, ist es dann soweit! Mit einigem Grübeln, bei dem ich meinem Bauch die gesamten Randbedingungen der weiteren Fahrplanung eingegeben und es dann ihm überlassen habe, eine Richtungsentscheidung zu treffen, hat jetzt ein weiterer Zwischenfall die Entscheidung leichter und eindeutig gemacht!
    Mehrfach schon habe ich den “invierno boliviano”, den bolivianischen "Winter", erwähnt. Trotz seines Names ist damit ein Wetterphänomen gemeint, das ausgerechnet im Hochsommer, also jetzt, ein Gebiet heimsucht, das sich vom südlichen Peru über ganz Bolivien und seinem Grenzbereich zu Chile, sowie den nördlichsten Bereich Argentiniens hinzieht - also das gesamte Altiplano, Teile der chilenischen Atacama und die argentinische Puna. Dabei bilden sich über dem Tiefland des Amazonas riesenhafte Luftmassen, die mit Feuchtigkeit gesättigt sind. Bei ihrer weiteren Ausdehnung stoßen sie im Westen auf die unüberwindliche Barriere der Hochanden. Die gesättigten Luftmassen müssen nach oben in immer kältere Luftschichten ausweichen, der Wasserdampf kondensiert zu gigantischen Wolken, die sich in heftigsten Gewitterstürmen mit Schneefällen in höheren Lagen, schwersten, teilweise lang anhaltenden Regenfällen mit Starkregen und Hagel entladen. Es kommt, trotz Sommer, zu starken Temperaturstürzen, eingeschneiten und gesperrten Andenpässen, Sturzfluten, Erdrutschen, die Straßen und Pisten wegreißen... das ist der invierno boliviano!
    Schon seit Wochen haben mich immer wieder Nachrichten mit einschlägigen Warnungen erreicht und damit meine eigentliche Fahrplanung komplett umgeschmissen! Letztlich der Hauptgrund für mein extrem langsames "Tingeln" entlang der chilenischen Pazifikküste, die durch die Cordillera de los Andes, die Andenkette, von diesen Extremen verschont bleibt.

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invierno boliviano

..und dann erreichte mich ein Hilferuf! Andere Overlander würden mit ihrem ExMoExpeditionsMobil feststecken... und ich sei doch auch in Nordchile... ob ich in der Nähe wäre und helfen könnte? Es war im äußersten Norden Chiles, im Grenzgebiet zu Bolivien, also genau dort, wo ich ursprünglich hinfahren wollte, mich aber dagegen entschieden habe. Ich konnte nicht helfen! Zu diesem Zeitpunkt war ich ganze 5 - 7 Fahrtage vom Unglücksort entfernt und hatte somit keine Möglichkeit, zeitnah zu helfen.

mit der Beifahrerseite eingebrochen...
..und so ist es passiert: Durch starke Regenfälle war diese Piste bereits schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Auf der Beifahrerseite hatte sich ein kleiner See aufgestaut, auf der Fahrerseite gab es eine große Ausböschung. Vor der Durchfahrt sind sie die Piste zu Fuß abgegangen und sie schien ausreichend stabil und breit genug... dann brach die Beifahrerseite ein...

der aufgestaute See läuft über...
...anschließend zog der nächste Regensturm auf. Der See trat über die Piste und unterspülte sie immer weiter. Man kann aber noch deutlich erkennen, daß auf der Fahrerseite immer noch ausreichend Restpiste vorhanden war...

..und reißt dabei immer mehr von der Piste mit sich
Immer mehr Substanz der Piste wird weggespült. Der einzige Grund, warum das Fahrzeug nicht abrutsche war wahrscheinlich, daß es schon längst nicht mehr auf seinen Rädern stand, sondern weitgehend auf seinem Unterboden mit wesentlich größerer Auflagefläche...

Ich werde dieses persönliche Drama jetzt nicht weiter ausschlachten. Entscheidend ist, daß relativ zeitnah Hilfe organisiert werden konnte. Das chilenische Militär kam zu Hilfe und das eingebrochene Fahrzeug konnte befreit werden.

Meine Entscheidung ist jetzt eindeutig. Jeglicher Gedanke, doch noch im Norden Chiles das Grenzgebiet zu Bolivien oder die nördliche Puna in Argentinien anzufahren, fällt aus! Dazu kommt, daß mein chilenisches TIPTemporary Import Permit (temporäre Einfuhrgenehmigung) in 3 Wochen ausläuft. Um dem seit Wochen immer wieder auftretenden invierno boliviano halbwegs sicher nicht in die Arme zu laufen, muß ich weit nach Süden ausweichen. Mein neues Ziel für den Grenzübertritt nach Argentinien wird damit der mehrere hundert Kilometer südlich gelegene Paso de San Francisco sein. In zwei Etappen verlasse ich die Küste nördlich Mejillones und fahre -größtenteils auf der Ruta 5, der PanAmericana, fast 500 Kilometer bis zum Pan de Azúcar.

das chilenische Militär hilft entscheidend bei der Bergung des Fahrzeugs
das chilenische Militär
                      hilft entscheidend bei der Bergung des Fahrzeugs

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Pan de Azúcar

Am Sonntag, dem 25. Jan. `26, erreiche ich nach zweitägiger Fahrt wieder die Pazifikküste Chile`s am Pan de Azúcar. Nach zwei Monaten bin ich zum ersten Mal seit San Pedro de Atacama wieder auf einem Campingplatz und genieße das Süßwasser einer richtigen Dusche in vollen Zügen. Es gibt zwar nur agua frio, also kaltes Wasser, aber bei der weiterhin glühenden Sonne ist sogar das eine wundervolle Wohltat. Zwei volle Monate, in denen kostbares Trinkwasser zu sparen das oberste Gebot war! Zwei Monate, in denen ich nur im Meer baden oder mich mit einem Waschlappen säubern konnte... zwei Monate, in denen mein Geschrirr genauso wie meine Schmutzwäsche, nur im Meerwasser gespült wurde. Sogar alle meine Scheiben am Wanderer bekommen jetzt eine Rundumwäsche und zeigen eine Durchsicht, wie ich sie schon lange nicht mehr kannte.
    Leider gibt es nur agua frio, kein agua potable, also kein Trinkwasser! Das strenge Wassersparen geht also weiter...
    Ach, Pan de Azúcar heißt übersetzt übrigens "Zuckerbrot".

die ersten Sonnenstrahlen am nächsten
                      Morgen...
die ersten Sonnenstrahlen am nächsten Morgen...

deftige Brecher walzen an die
                        Küste - dahinter die Isla Pan de Azúcar
deftige Brecher walzen an die Küste - dahinter die Isla Pan de Azúcar

die Isla Pan de Azúcar und die Küste, wenige Meter hinter dem Wanderer
die Isla Pan de Azúcar und die Küste, wenige Meter hinter dem Wanderer

Ganze vier Tage genieße ich das Paradies dieses, trotz der Hauptsaison fast völlig leeren und weitläufigen Campingplatzes direkt an der blau leuchtenden
Bucht vor der Isla Pan de Azúcar. Mit seinem fast schneeweißen Sand-strand, der nur hauchzart mit seltenen Fäden von schwarzgrauer Vulkan-asche durchzogen ist und die oft beeindruckenden Wellen. Jeden Tag wage ich mich mindestens einmal in die Brecher und lasse mich wie im Schleudergang herumwirbeln. Irgendwann hat`s mich jedoch so sehr er-wischt, daß ich mir sogar den Hals verrenkt habe und auch in den nächsten Tagen immer wieder an den einen, wohl doch etwas zu hohen, Brecher erinnert wurde.
    Das Wasser in Ufernähe leuchtet durch den Sandgrund in hellem Türkis und mit jedem Meter weiter hinaus, wechselt die Farbe immer mehr zu einem klaren, tiefen Blau.

mein Campingplatz Pan de Azúcar erstreckt sich über die gesamte Bucht!mein Campingplatz Pan de Azúcar erstreckt sich über die gesamte Bucht!

die andere Seite des wahrlich nicht
                        überfüllten Platzes und die andere Seite der Bucht
die andere Seite des wahrlich nicht überfüllten Platzes und die andere Seite der Bucht

die Isla Pan de Azúcar und dahinter die Bucht
                mit dem Campingplatz - eingerahmt von den 'kleinen' Felsen links                und den großen rechts...
die Isla Pan de Azúcar und dahinter die Bucht mit dem Campingplatz - eingerahmt von den 'kleinen' Felsen links und den großen rechts...

Obwohl der Horizont scheinbar unglaublich weit entfernt scheint, sind es, da ich fast direkt am Ufer sitze, nur wenige Kilometer, bis die winzige Erd-krümmung die Oberfläche des Ozeans aus meiner Perspektive, um wenige Zentimeter abgesenkt und damit meinem Blick entzogen hat. Immer weiter hinaus werden diese Zentimeter irgendwann zu einem ganzen Meter, dann zu vielen Metern und unendlich viel weiter zu einem ganzen Kilometer. So geht es in für mich zwar faßbaren Zahlen, in meiner Vorstellung aber unbegreiflichen Entfernungen immer weiter. Es braucht tausende, sogar 20-tausende Kilometer Fahrt über die Oberfläche dieses größten Ozeans auf unserer Erde, bis irgendwann Australien, Japan oder Asien erreicht werden!

Das Mikro-Klima ist hier, wo die Küstenberge deutlich niedriger und weiter von der Küste entfernt sind, völlig anders als an der Ruta 1 weiter im Norden Chile`s. Feuchte Luft vom Pazifik wird hier nicht von bis zu 1.500 Meter hohen Küstenbergen gestaut, sondern der Himmel zeigt fast immer sein vertrautes, tiefes Blau und nachts erstrahlt die Milchstraße wieder in der vollen Pracht der Südhalbkugel. Die Tage an diesem wunderschönen Platz sind ein einziger "Südsee-Traum"!

die Isla Pan de Azúcar kurz nach dem Sonnenuntergang
die Isla Pan de Azúcar kurz nach dem Sonnenuntergang

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es geht weiter...

..weiter zur nächsten und letzten Seite des Abenteuers PanAmericana entlang der chilenischen Pazifikküste. Nach der Entscheidung, nicht weiter an der Küste nach Norden zu fahren, hatte ich fast 500 Kilometer weiter südlich, den Pan de Azúcar erreicht.
    In den letzten drei Etappen geht die Fahrt noch für 120 weitere Kilometer  entlang der Küste nach Süden, bevor ich in Caldera den Pazifik entgültig verlasse und auf dem Weg in die Anden, zum Paso de San Francisco bin.
    Vorher natürlich noch das Video der letzten Tage mit den Eindrücken der Fahrt entlang des Pazifik in Nordchile:

Dieses Video liegt in FullHD vor
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hier geht`s hier weiter mit dem nächsten Teil im Abenteuer PanAmericana