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Lagunenroute - Teil 3


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Die Karte ist ein animiertes Kurzvideo, also anklicken und die gefahrene Route verfolgen... Sie zeigt in Blau die ersten zwei Abschnitte von Uyuni bis zur Laguna Pastos Grandes und in Rot den 3. Teil der Lagunenroute bis zur westlichen Strecke an der Laguna Hedionda.

Auf der letzten Seite, dem 2. Teil der Lagunenroute, habe ich die Laguna Pastos Grandes auf dem östlichen Arm der Lagunenroute im Altiplano Boliviens erreicht. Jetzt geht die Fahrt weiter über einen weiteren Kamm der Anden, zum westlichen Arm der Lagunenroute.

Höhenprofil

Von der Laguna Pastos Grandes möchte ich euch unbedingt noch drei Bilder zeigen. Sie sind auf seltsame Art fremdartig, verstörend, irgendwie lebensfeindlich und dennoch auf faszinierende Art sehenswert. Wieder muß ich an die unscharfen und verschwommenen Bilder der europäischen Raumsonde Huygens auf dem Saturnmond Titan denken... oder an die Tentakel einer Qualle... oder die Adern und Nerven in unseren Körpern...
Was auch immer wir an Assoziationen bei diesen Bildern haben - irgendetwas berühren sie... in mir auf jeden Fall...
..lebensfeindlich, abstoßend, giftig, schwefelgelb und doch faszinierend in seiner Fremdartigkeit...
..lebensfeindlich, abstoßend, giftig, schwefelgelb und doch faszinierend in seiner Fremdartigkeit...


nur aus der Vogelperspektive sind solche Strukturen
              zu erkennen
nur aus der Vogelperspektive sind solche Strukturen zu erkennen

Synapsen zwischen Neuronen...?
Synapsen zwischen Neuronen...?

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Laguna Hedionda

Nach der Laguna Pastos Grandes brechen wir mit unseren beiden Steyr`n auf um den westlichen Arm der Lagunenroute zu erreichen. Bald darauf geht`s wieder steil bergauf und der Anteil an brutalem Wellblech steigt ebenfalls wieder fürchterlich an! Es folgen extreme Steilstücke mit grauenhaften Steinen und engsten Haarnadelkurven, die genauso breit wie unsere Fahrzeuge sind und die wir nur zentimeterweise im Kriechgang bewältigen können.

...dann kommt die Laguna Hedionda in Sicht - und mit ihr wieder hunderte von Flamingos!

insgesamt sind es in der Laguna Hedionda
                      wieder hunderte von Flamingos...insgesamt sind es in der Laguna Hedionda wieder hunderte von Flamingos...

..so nah, wie noch
                        niemals zuvor..so nah, wie noch niemals zuvor
grazil
                      und schön...grazil und schön...

..und sie spielen mit dem Wind.....und sie spielen mit dem Wind...

Am Nachmittag ist es geschafft und wir stehen bei einem Wind, der nur noch mit viel gutem Willen nicht als heftigster Sturm bezeichnet werden kann, an unserem neuen Stellplatz auf 4.178 m oberhalb der Laguna Hedionda.
    Inzwischen schon zur zwingenden Notwendigkeit geworden, habe ich den Wanderer mit der Front wieder nach Osten, in Richtung des Sonnenaufgangs ausgerichtet, damit die Morgensonne die über Nacht tiefgekühlte Maschine am nächsten Morgen "auftauen" kann.
    Kurz darauf treibt mich jedoch mein unbezwingbarer Forscherdrang auf eine neben mir liegende Anhöhe. Natürlich will ich wissen, was dahinter liegt und wie der brave Wanderer von dort oben aussieht. Was daheim in Deutschland ein netter Spaziergang wäre, ist hier, in der Höhe, eine kräftezehrende Angelegenheit und immer wieder muß ich an dem alles andere als flachen Hang anhalten, um den pochenden Herzschlag und das gierige Schnaufen nach Luft wieder zu beruhigen... aber so ist das nun einmal, wenn man versucht, einzelne Fußstapfen von Alexander von Humboldt (dessen Name in Südamerika oft anzutreffen (z.B. der Humboldt-Strom entlang der Pazifikküste) und immer noch bekannt ist! Wen`s interessiert: https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Humboldt) zu finden und ihnen zu folgen...

PS: Meine Kartoffeln, die gestern über 1 Stunde im Wasser kochten, weigerten sich auch heute in der Pfanne hartnäckig, etwas braun zu werden! Sie wurden zwar außen, hm, ziemlich trocken, aber nicht wirklich braun...

der Wanderer an der Laguna Hediondader Wanderer an der Laguna Hedionda

Pause zum Atem holen vor
                        grandioser KulissePause zum Atem holen vor grandioser Kulisse

das zerrissene Salz strahlt grellweiß wie Eis
das zerrissene Salz strahlt grellweiß wie Eis

Dienstag, 11. Nov. `25, der Wanderer und ich sind wieder allein! Heute Morgen haben Marc & Doro und ich uns mit vielen guten Wünschen nach zehn Tagen, an denen wir zusammen unterwegs waren, verabschiedet. Die beiden haben nur vier Monate Zeit,Drohnenflug - am früher Morgen gibt`s zum Glück noch Schatten um Südamerka zu entdecken und hängen schon weit hinter ihrem anvisierten Zeitplan zurück. Für mich ist es nach diesen intensiven gemeinsamen Erlebnissen schon ein komisches, ein etwas leeres Gefühl, auf einmal wieder allein zu sein. Zum Glück habe ich nicht nur viel Erfahrung damit, sondern für mich auch wieder die schon ein wenig vermißte Muße, meine Erlebnisse und jeden einzelnen Moment wieder in der Intensität wahrzunehmen, die ich brauche und liebe. Muße, auch die vielen Arbeiten und Kleinigkeiten nachzuholen, die bei mir in den letzten Tagen liegen geblieben sind und die man sich zu zweit eben teilen kann.

nur am windstillen Morgen liegt die
                      Laguna so glatt
nur am windstillen Morgen liegt die Laguna so glatt

am
                      Mittag steht die Sonne senkrecht über dem Wandereram Mittag steht die Sonne senkrecht über dem Wanderer

die ersten Sonnenstrahlen am Morgen fallen auf die Bergspitzendie ersten Sonnenstrahlen am Morgen fallen auf die Bergspitzen

Spiegelungen, Pastellfarben und die winzigen Punkte der Flamingos
Spiegelungen, Pastellfarben und die winzigen Punkte der Flamingos

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Laguna Ukhuqucha (Honda)

Mittwoch, der 12. Nov. `25, nach zweieinhalb Tagen an der Laguna Hedionda werde ich heute wieder zu neuen Ufern aufbrechen! Der Wanderer ist bereits fahrbereit, als ich in der offenen Tür zwei junge Fahrradfahrer sehe, die mich auch gleich auf deutsch ansprechen. Max & Luca aus Mühlheim haben von der Piste aus mein Nummernschild erkannt und so haben wir noch eine ganze Weile über unsere unterschiedlichen Touren und Erlebnisse geplaudert. Zum Abschied koche ich ihnen noch 1 Liter Wasser für ihre Tee-Thermoskanne und dann geht`s wirklich los.

Der Steyr ist, wie schon gewohnt, ein wenig zickig und widerwillig angesprungen, war aber dankbar, daß er vorher in der Sonne bereits seine Vorderseite aufwärmen konnte. Schon nach wenigen Kilometern erreiche ich die nächste Lagune, die Laguna Ukhuqucha (Honda) und bin sofort begeistert! Von der Piste, weit oberhalb, kann ich eine Halbinsel sehen, die weit in die Lagune hinausläuft - und eine kleine Piste, die genau dorthin führt. Ohne noch großartig überlegen zu müssen, rollt der Wanderer freudig über die kleinen Hindernisse und wir beziehen unseren neuen, exponierten Platz, weit vorn auf der Halbinsel. Es waren diesmal ganze sechs Kilometer Strecke... ein neuer Rekord smiley_zwinkern...!
    Nach einem herrlichen Frühstück will ich mit frischen Kräften mein neues Zuhause erkunden und bin kaum vor der Tür, als ich die Vicunjas sehe, die gerade weniger als zwanzig Meter vom Wanderer entfernt am Hang stehen und grasen! Ich wundere mich allerdings sehr, was es dort überhaupt zu knabbern gibt, wo ich doch nichts anderes als Steine sehe... Aber vermutlich wundern sich die Vicunjas später auch als sie mich dabei sehen, wie ich frisches Öl in dieses gelbe, eckige Ding, den Steyr, schütte anstatt es zum Braten zu verwenden...
    Jetzt jedenfalls gehe ich an meiner Privatbucht am Ufer der Laguna entlang, direkt über das bei jedem Schritt knirschende Salz. Weit von der Halbinsel entfernt, sitze ich dann auf einem tiefschwarzen, basaltischen Felsen und versuche wieder einmal zu begreifen, wo ich hier eigentlich bin...
    Um mich herum ist eine unwirkliche, exotische Welt aus Bergen in unterschiedlichsten Farben, von Braun, über Rot und Gelb bis zu Weiß. Vor mir strahlt die Laguna in der senkrecht einfallenden Sonne grellweiß durch das kristallisierte Salz an ihren Ufern, wird dann türkis im Wasser und auf der gegenüber liegenden Seite leuchtend gelb von stark schwefelhaltigen Einschlüssen. Etliche Meter von mir entfernt beäugt mich eine kleine Herde Vicunjas mißtrauisch und vor mir staksen Flamingos in der extrem salzigen Brühe um ihr Futter auszuseien. Wenn der Wind für einen Moment nachläßt, ist nichts, überhaupt kein Geräusch zu vernehmen - absolute Stille...

der Wanderer auf unserer Halbinsel in
                      der Laguna Honda
der Wanderer auf unserer Halbinsel in der Laguna Honda

VicunjasVicunjas

Laguna HondaLaguna Honda
im Vordergrund die stark schwefeligen
                      Einlagerungen im Salz
im Vordergrund die stark schwefeligen Einlagerungen im Salz

Spuren der Flamingos im weichen Sedimentaus der Vogelperspektive sind die Spuren der Flamingos im weichen Sediment gut zu sehen

SchwefeleinlagerungenSchwefeleinlagerungen

Am Abend habe ich dann `mal wieder mein Leib- und Magengericht, Linsensuppe, gekocht und dabei in meinen Physikkenntnissen gekramt: Mein Dampfkochtopf hat doch ein federgespanntes Druckventil... also müßte sich doch -völlig unabhängig vom kaum noch vorhandenen Restluftdruck in dieser Höhe- innerhalb des Topfes genau der Druck aufbauen, der auch bei mir in Deutschland über dem Ceranfeld  entstehen würde... oder? Jedenfalls bin ich davon überzeugt und als das Ventil ganz aus dem Topf herauslugt, stelle ich -wie gewohnt- das Gas ab, schreibe noch ein bischen an diesen Zeilen und öffne dann mein Überraschungspaket... und, was soll ich sagen, meine Theorie hat den Praxistest mit Bravour bestanden und ich konnte eine herrlich heiße und durchgegarte Suppe schlürfen!

Wie jetzt schon seit mehr als drei Jahren gehe ich auch diesen Abend vor dem zu Bett gehen noch nach draußen - in die bittere Kälte und den Wind des Abends. Nirgendwo ist auch nur der Hauch von menschlicher Beleuchtung zu erkennen. Über mir steht dagegen die gesamte Milchstraße als ein Meer von Sternen am Himmel. Das ihnen so selbstverständlich zugeschriebene Funkeln, gibt es hier aber nur bei Sternen, die in der Nähe des Horizonts stehen! Dieses sonst übliche Funkeln entsteht in der Atmosphäre durch Bewegungen der Luft, die das Licht der Sterne ständig minimal ablenken und brechen. Hier aber, in der Höhe des bolivianischen Altiplano, liegt bereits der dichteste Teil der Atmosphäre unter mir und so glänzen abertausende von Sternen über mir nahezu ohne jedes Funkeln, dafür in einer kaum zu fassenden Klarheit und Pracht. Leider habe ich es immer noch nicht geschafft, meine nagelneue Kamera, vollgestopft mit Elektronik und automatischen Funktionen dazu zu bringen, die ganze Reihe von manuellen Einstellungen für solche Bilder ohne ihr Eingreifen zu akzeptieren... Daher immer noch kein Bild dieses unglaublichen Sternenhimmels...

Sonnenaufgang an der Laguna Honda
Sonnenaufgang an der Laguna Honda

noch ist die Laguna mit einer feinen
                      Eisschicht überzogen
noch ist die Laguna mit einer feinen Eisschicht überzogen und den Flamingos ist es noch zu kalt zum Frühstücken

die Community kommt
                      langsam in Schwungdie Community kommt langsam in Schwung

Spiegelungen am windstillen MorgenSpiegelungen am windstillen Morgen

Noch eine kleine Anekdote am Rande: In den letzten Tagen war ja herzlich wenig Zeit, die kleinen und banalen Aufgaben zu erledigen... Heute habe ich auch endlich die Zeit, meinen inzwischen schon weit mehr als 3-Tage-Bart `mal wieder zu stutzen. Da der E-Rasierer bei der wuchernden Pracht keine Chance mehr hätte, muß also der gute, alte Naßrasierer den Job erledigen! Das Problem ist nur: In der extrem trockenen Höhenluft hier oben, verdunstet das Wasser schneller, als ich es festhalten könnte... mit dem Effekt, daß ich schon nach einer Minute keinen Rasierschaum, sondern nur noch einen ausgetrockneten, bröseligen Belag im Gesicht habe, mit dem sich der Rasierer einfach nicht anfreunden will...

die Sonne kriecht mit warmen Farben noch über die Berge
die Sonne kriecht mit warmen Farben noch über die Berge

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es geht weiter...

Am Freitag, dem 14. Nov. `25, nehme ich Abschied von meiner Halbinsel in der Laguna Honda. Seit einigen Tagen schon habe ich immer wieder über meinen verbliebenen Dieselbestand in den Tanks gegrübelt und die verschiedenen Optionen abgewogen. Das Problem ist, daß es in Bolivien ohne Beziehungen für Touristen nur sehr schwer möglich ist, an Diesel zu kommen. Ich habe noch in Argentinien vollgetankt und bin seitdem über 700 Kilometer unterwegs. Das ist für den Wanderer normalerweise kein Problem, hier, auf der Lagounenroute aber schon! Der Grund liegt einfach darin, daß ich seit Uyuni ausschließlich auf sehr schlechten Pisten mit sehr langsamer Geschwindigkeit unterwegs bin... und der Steyr macht leider keinen Unterschied, ob ich mit 2.000 Umdrehungen/min auf einer Landstraße unterwegs bin und Kilometer "mache", oder mit 2.000 rpm auf einer Piste und dabei pro Stunde nur 20 Kilometer weit gekommen bin! Die Entscheidung ist jetzt gefallen: Ich werde die gesamte Lagunenroute nach Süden hin weiter fahren, dann den Paso Hito Cajones von Bolivien nach Chile überqueren und hier dann nach San Pedro de Atacama fahren und damit die erste erreichbare Tankstelle ansteuern.
    Zuvor aber erwarten mich noch die spektakulärsten Pässe und Lagunen im äußersten Südwesten Boliviens!
    ..ach, und euch das Video der letzten Tage!

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weiter mit dem 4. Teil der Lagunenroute