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> 4. Törn > San
Pedro > Andes Nomads Andes NomadsIch stehe mit dem Wanderer
etwas südlich von San Pedro de
Atacama auf dem Campingplatz Andes
Nomads und versuche zum tausendsten mal zu begreifen, wo
ich hier bin und wie mich mein Leben an diesen Ort und in diese
Zeit gebracht hat. Mein Verstand sonnt sich in seiner
Überheblichkeit und verschafft mir mit Leichtigkeit jede beliebige
Folge von Entscheidungen, die mich genau hierhin geführt hat.
Meinen Gefühlen geht es jedoch völlig anders. Ich erinnere mich
schmunzelnd daran, wie ich als 10-Jähriger immer und immer wieder
in den Seiten meines Diercke Weltatlas
geblättert habe um die Orte zu finden, von denen Alexander
von Humboldt oder irgendwelche fiktiven Abenteurer im
letzten Roman erzählt haben. Die Atacama gehörte schon damals zu
diesen exotischen und geheimnisumwitterten Orten auf unserer Erde,
die ich mit meinem Zeigefinger und einem Gefühl von Faszination
und Ehrfurcht umrundet habe. Als "großer Entdecker" war es
natürlich immer ein Wunsch, selbst einmal in dieser trockensten
aller Wüsten auf unserer Erde zu sein. Die Sehnsucht, die ich
damals gespürt habe, ist nie vergangen, mußte sich aber immer den
Anforderungen eines "erwachsenen" Lebens und seinen
Einschränkungen unterwerfen. Das ich
jetzt, in der Nähe eines Ortes, dessen Name allein schon allen
Zauber meiner kindlichen Vorstellungen enthält, San
Pedro de Atacama, auf einem Stein sitze, den Pazifik 200
Kilometer in meinem Rücken und die Cordillera
de los Andes unmittelbar vor mir, ist immer noch so
unwirklich wie ein Traum. Der riesige Vulkan Licancabur (siehe
auch Laguna Verde),
liegt direkt vor mir. Wandere ich mit meinen Augen nach links und
rechts, sehe ich allein in meinem Blickfeld weitere 10 Vulkane,
während sich tief unter mir die pazifische Nasca-Platte
mit der doppelten Geschwindigkeit von wachsenden Fingernägeln
unter die kontinentale Platte schiebt und dabei dieses längste
Gebirge der Welt, die Anden, immer weiter in die Höhe hebt.Bild Atacama: Wikipedia, CC
BY-SA 3.0
Beim Duschen auf Andes Nomads muß ich
darauf achten, meine feuchten Lippen nicht mit der Zunge zu
"trocknen"! Das Wasser ist fast so salzig wie die Ostsee... Nach dem Spülen meines Geschirrs muß ich jedesmal mit meinem Trinkwasser aus dem Tank nachspülen, sonst habe ich nach nur einer Minute salzige, weiße Krusten und Ränder an meinen Töpfen und Tassen... In der -im wahrsten Sinn des Wortes- staubtrockenen Wüstenluft kann ich dagegen auf mein Deo verzichten - nichts fängt an zu müffeln! ..nicht einmal die Socken, selbst wenn ich einen ganzen Tag bei einem Motorradausflug in meinen Turnschuhen, äh, das heißt ja heute wohl Sneakers..., gesteckt habe. Die mittags senkrecht über mir stehende Sonne brennt so unbarmherzig auf das ausgetrocknete Land und mich herunter, daß jeder Schatten heiß ersehnt ist. 34° im Schatten und 46° in der Sonne habe ich gemessen - und der Sommer hat noch nicht einmal angefangen! Nachts kühlt es hier in einer Höhe von immer noch fast zweieinhalbtausend Metern dagegen auf herrlich erfrischende Temperaturen von unter 10° ab. Während ich diese Zeilen schreibe, plärren deutsche Weihnachtsschnulzen über das Internetradio leise aus den Lautsprechern meines Laptops während ich durch das Heckfenster vom Wanderer auf den sonnen- und Lavaverbrannten Licancabur sehe... was für eine Welt... >
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> 4. Törn > San
Pedro > Valle de la Muerto Valle de la MuertoAls ich mich mit der Yam zum ersten Mal dem
Valle de la Muerto, dem Tal des
Todes, genähert habe, wälzten sich mehr als widersprüchliche
Gefühle in mir! Da waren Erschrecken vor der kaum in Worte zu
fassenden Fremdartigkeit dieser Landschaft und der mit
vollkommender Stille laut schreienden und abstoßenden
Lebensfeindlichkeit. Nicht die allerkleinste Pflanze konnte in
diesen surrealen Bergen, Felsen, Spalten und Erosions-rillen aus
verborgener Lake, kristallisiertem Salz, Gips und Schwefel leben.
Keinerlei Bewegung durch irgendwelche Tiere war zu sehen und
selbst der Wind hatte keine Chance, in die engen Schluchten der
Felsen einzutauchen. Lediglich die senkrecht über mir stehende
Sonne brannte unerbittlich in die erstarrte, tote Mischung aus
Felsen, Kristallen und etwas, was sich wie getrockneter,
bröckeliger Lehm anfühlte. Gleichzeitig sind diese engen und
steilen Canyons trotz ihrer erschreckenden Ausstrahlung
wunderschön! Ich kann es nicht fassen, mit welcher Kreativität die
Natur derartige Landschaften formen kann.
![]() in den engen Schluchten des Valle de la Muerte - im Hintergrund der alles überragende Vulkan Licancabur
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> 4. Törn > San
Pedro > Valle de la Luna Valle de la LunaWar das Valle de la Muerte (Tal des Todes),
auch Valle de la Marte (Marstal)
genannt, an Fremdartigkeit und dem Gefühl, sich wirklich auf einem
anderen Planeten zu befinden, kaum noch zu überbieten, ist das Valle de la Luna, das Mondtal, noch
einmal eine Klasse für sich. Der augenfälligste Unterschied ist im
Gegensatz zu den engen Schluchten des Muerte,
hier jedoch seine Weite und die unfaßbaren Aussichten auf die
surreale Landschaft aus zerrissenen und gefalteten Bergen sowie
den riesenhaften Sanddünen. Wie überall in der Atacama, liegt die
bewegte geologische Gegenwart und Vergangenheit unmittelbar vor
den Augen und steht allein damit schon in krassem Gegensatz zu
unserer menschlichen Intuition, die Welt um uns herum als
unbeweglich und statisch zu empfinden. Unser, im Vergleich zu den
geologischen Prozessen, viel zu kurzer Einblick in die Dynamik der
hier ablaufenden Prozesse, wird hier aber Lügen gestraft.
Gesteinsschichten zeigen wie ein zusammengeschobenes Tischtuch die
unerbittliche Kraft der aktiven, geologischen Veränderungen unter
unseren Füßen und durch Erosion direkt vor unseren Augen. Die
Natur hat in ihrer kreativen Kraft erneut eine an
Außergewöhnlichkeit kaum zu überbietende und einmalige Landschaft
geformt.
Auch das Valle de la Luna hatte bereits Besuch der US-amerikanischen NASA. Etliche Protypen, darunter die Mars-Rover, wurden unter den hier herrschenden, extremen Bedingungen aus Trockenheit, Hitze und Bodenbeschaffenheit ausführlich getestet. ![]() Ruta vom Valle de la Muerte (Einfahrt rechts unten) zum Valle de la Luna Auch bei meinen Besuchen mit der Yam im
Valle de la Luna konnte ich die hier herrschenden, extremen
Bedingungen hautnah fühlen! Die Sonne steht wieder genau senkrecht
über mir und mein eigener Schatten reicht nicht einmal aus, um
meine Füße ein wenig abzudecken. Ohne jeden Strauch, ohne jeden
Baum, sucht man vergebens nach einem winzigen schattigen
Plätzchen. Bei weit über 40° reichen meine beiden Trinkflaschen im
Fotorucksack gerade `mal bis zum Mittag.
Ich bin gefragt worden, wie denn die Sonne senkrecht über mir stehen kann, obwohl ich doch noch 2.000 km südlich des Äquators bin? Ohne jetzt auf die verwirrende Begriffe wie Drehimpulserhaltung und Ekliptik einzugehen, ist die Antwort eigentlich sehr leicht. Wir alle haben schon gehört, das unsere Erdachse, um die wir uns drehen, nicht "senkrecht" zur Ebene der Bahn um die Sonne steht, sondern geneigt ist. Wie bei einem Kreisel, der sich selbst nachdem er angestoßen wurde, wieder in seine ursprüngliche Lage zurück orientiert, ist auch die Neigung der Erdachse bei der jährlichen Bewegung der Erde um unsere Sonne, stabil! Die Achse zeigt immer in die gleiche Richtung, egal wo sich die Erde gerade auf ihrer Bahn um die Sonne befindet - nämlich auf den Polarstern, der seinen Namen genau aus diesem Grund bekommen hat. In der kleinen Skizze sieht man daher, daß, je nach Jahreszeit, also der Position der Erde auf ihrer Bahn, einmal die Nordhalbkugel auf die Sonne "zeigt" während die Südhalbkugel abgewand ist. Ein halbes Jahr später ist es genau umgekehrt. Das ist der Grund, warum im Sommer die Sonne "hoch am Himmel" steht und im Winter eben wesentlich "niedriger". Entscheidend ist jetzt, daß die "Kraft der Sonnenstrahlen" im luftleeren Weltall fast nicht schwächer wird, wohl aber bei ihrem Weg durch die Atmosphäre. Im Sommer haben sie nur einen "kurzen" Weg durch die Atmosphäre - es ist heiß... Im Winter ist der Winkel flach, der Weg lang und die Temperaturen sind entsprechend niedriger. Jetzt, während meiner Zeit in der Atacama, also Mitte Dezember, nähert sich der Sonnenstand dem "südlichen Wendekreis" und steht damit mittags senkrecht über mir. ![]() Jahreszeiten in Abhängigkeit der Position der Erde auf ihrer Bahn um die Sonne Klar, ich wäre nicht ich, wenn ich`s so
wie alle machen würde... nämlich an der offiziellen Einfahrt zum
Valle de la Luna... ich klopfe erst einmal an der Hintertür an.
Also mit der Yam zu den Miradores,
den Aussichts-punkten an der Ruta in Richtung Calama und dann zur
Hintertür. Auf den Satellitenbildern habe ich nämlich eine Piste
genau dorthin entdeckt und bin viel zu neugierig, was mich dort
erwartet... ..und wieder einmal hat mein Bauchgefühl eine gute Entscheidung getroffen. Nach einigen Kilometern in absoluter Einsamkeit nähere ich mich immer mehr dem Massiv des Luna, lande zwar vor riesigen, hier zur Absperrung aufgeschütteten Felsen, die die weitere Fahrt ins Valle verhindern, nicht dagegen das Überklettern zu Fuß! Bald darauf komme ich wieder in eine völlig unwirkliche Landschaft mit skurrilen Schluchten und Felsformationen und bin dabei völlig ungestört von Besucherautos und ihren unvermeidlichen Staubfahnen. Fast zwei Stunden erkunde ich zu Fuß diese fremde Welt, bis mich die glühende Hitze und die tiefen Schluchten, die nicht einen einzigen Windhauch durchlassen, wieder zur Yam zurücktreiben. Hier gibt es zum Glück einige überhängende Felsen die wohltuenden Schatten spenden. Wieder einmal sitze ich noch lange Zeit auf den Felsen, genieße mein kühles Wasser aus den isolierten Trinkflaschen und kann diese unwirkliche Welt um mich herum mit allen Sinnen aufnehmen.
![]() Skulpturen wie aus einer anderen Welt Wie soll ich das nur machen? Alle doppelten
oder schlechten Bilder sind schon längst gelöscht! Es bleiben
immer noch 158 aus dem Valle übrig. Nach zweimaliger Auswahl
sind`s für den GlobalWanderer immer
noch 48 Bilder und jedes davon ist bezeichnend für die
überwältigende Fremdartigkeit und Schönheit des Valle de la Luna.
Klar, ich muß weiter aussortieren aber bei jedem einzelnen Bild
habe ich das Gefühl, daß genau dieses doch auf gar keinen Fall
fehlen darf um diese außerirdische Welt zu zeigen! Dieses Tal hat
so viele Gesichter, eines davon unterschiedlicher als das
andere...welche kann ich denn jetzt zeigen? ..und was kommt bei
euch an, die ihr mit jedem Bild nur einen winzigen Ausschnitt aus
dieser überwältigenden Wirklichkeit seht? "Boah ey, noch so`n
Felsen...". Ich weiß in diesem Moment noch nicht, wie ich
aus dieser Falle herauskomme...
![]() die große Düne - Duna Mayor |
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> 4. Törn > San
Pedro > weiter es geht weiter...Nach genau vier Wochen in San Pedro de
Atacama, nach außergewöhn-lichen Ausflügen auf das Chajnantor
Plateau zum Array von ALMA und
Feldern mit Büßerschnee, nach den
Valles de la Muerte und de Luna, geht die Fahrt jetzt, am 18. Dez.
`25 weiter. Die nächsten Ziele sind eine monumentale Skulptur
mitten in der Wüste und danach die größten Teleskope, die auf
unserer Erde gebaut worden sind, das VLT auf
dem Cerro Paranal und das ELT
auf dem Cerro Armazones!
Wie schon üblich, zuvor noch das Video der Zeit in und um San Pedro mit den Valles de la Muerto und Luna - mit zehn Minuten fast schon ein abendfüllender Dokumentarfilm... Dieses Video liegt in FullHD vor demnächst geht`s hier weiter mit dem
nächsten Teil im Abenteuer PanAmericana
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