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Paranal

von San Pedro über Calama zur Mano del Desierto und weiter zum VLTvon San Pedro über Calama zur Mano del Desierto und weiter zum VLT
Nach genau vier Wochen in San Pedro de Atacama, nach außerge-wöhnlichen Ausflügen auf das Chajnantor Plateau zum Antennen Array von ALMA und Feldern mit Büßerschnee, nach den Valles de la Muerte und de Luna, geht die Fahrt jetzt, am 18. Dez. `25 weiter - zur Mano del Desierto, der Hand der Wüste und zu den größten Teleskopen der Welt, dem VLT.
    Von San Pedro geht es bei brennender Sonne über den nächsten Gebirgszug der Anden nach Nordwesten, vorbei an der Stadt Calama. Die Stadt hat herzlich wenig spektakuläres und schönes zu bieten... Wenn sich eine Stadt wie Las Vegas allerdings brüstet, mitten in der Mojave-Wüste  existieren zu können, dann kann sich die Spielerhauptstadt der Welt jedoch mehr als eine Scheibe von Calama in der Atacama abschneiden. Eine derartige Abgeschiedenheit und augenfällige Trockenheit ist unübertroffen. Auffällig beim Näherkommen an Calama sind auch schier endlose Felder mit Windrädern und Solaranlagen.
An der südlichen Stadtgrenze von Calama zweige ich dann mit dem Wanderer nach Südwesten, in Richtung der Hafenstadt Antofagasta ab. Zwischen diesen beiden Städten fahre ich schier endlose 200 Kilometern an den größten Tagebauen der Welt vorbei. Die Luft ist vom Staub der gigantischen Abbaubetriebe gelblich-trüb und teilweise so undurchsichtig wie Herbstnebel. Immer wieder ziehen auch riesige Abraumhalden, die kaum kleiner als die umliegenden Berge sind, an mir vorbei. Streifen in verschiedenen, völlig unnatürlich wirkenden Farben, ziehen sich durch die Hänge und manchmal sehe ich auch kleine Seen mit den Rückständen der Aufbereitungsanlagen, die in grellen Neonfarben leuchten. Hochgiftige Überbleibsel der Separierung des begehrten Kupfers, des Goldes und Silbers aus den Roherzen. Die Karawane aus Tanklastern, die mit Schwefelsäure beladen an mir vorbei fahren, sprechen Bände... während die trockenste Wüste der Welt, die Atacama, laut schreit, welche unfaßbaren Mengen an kostbarstem Süßwasser für die Lithiumproduktion verwendet werden...
    Leider noch abstoßender werden die sichtbaren Auswirkungen der milliarden-schweren Argumente bei der Vorbeifahrt an Antofagasta. Zig Kilometer weit wechseln sich riesige Industriekomplexe mit dreckigen und staubigen Lagerflächen und Werkstätten für gigantische Bergbaumaschinen ab. Der Boden ist oft schwarz von den ohne Umweltbedenken abgelassenen Ölrückständen. Die Luft ist stickig, glühend heiß, staubig und stinkt.
Erst weit nach Antofagasta laufen die Auswüchse unserer Gier nach Rohstoffen, ganz langsam aus und machen wieder einer genauso unwirklichen Wüste Platz.
    Gut, daß gerade wir in Deutschland mit stolz geschwellter Brust und reinem Herzen sagen können, wie umweltbewußt und sauber wir mit unseren mit Kupfer und Lithium überladenen Elektro-Autos doch sind. Gut, daß auch die gigantischen Umweltverbrechen, die in unserem Interesse und mit unserem Geld begangen werden, in keinem Werbeslogan, keinem Verkaufsgespräch und auf keiner politischen Bühne, angesprochen werden...

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Mano del Desierto

Schon seit dem halben Weg zwischen Calama und Antofagasta bin ich mit dem Wanderer wieder einmal auf der Ruta 5, der PanAmercana und nähere mich jetzt der Mano del Desierto, der Hand der Wüste! Die monumentale Skulptur einer riesigen Hand, die sich aus dem felsigen Boden der Wüste dem Himmel entgegenstreckt, wurde 1992 von dem chilenischen Künstler Mario Irarrázabal an dieser Stelle errichtet. Angeblich steht diese Hand als Symbol für menschliche Zerbrechlichkeit, Einsamkeit und Umweltschutz. Ob den meisten der Touristen, die hier einen Fotostopp einlegen, die Intentionen des Künstlers bekannt sind, entzieht sich meiner Kenntnis...

der Wanderer an der Mano del Desierto
der Wanderer an der Mano del Desierto

Nach meinem eigenen Fototermin fahre ich mit dem Wanderer nach der heutigen, in vielerlei Hinsicht, extrem anstrengenden Etappe von 380 Kilometern, noch einige hundert Meter weiter in die Wüste... weiter weg von der geschäftigen PanAmericana, bis auch das letzte Rauschen der Ruta 5 nicht mehr zu hören ist...
    Wie jeden Abend seit mehr als drei Jahren, führt mein letzter Gang vor dem Hineinklettern ins Bett, nach draußen. In völliger Stille schaue ich auf den unvergleichlichen Sternenhimmel über mir und frage mich wieder einmal, ob irgendwo dort oben, genau "über" mir und genau in diesem Moment, ebenfalls jemand nach "oben" schaut, genau in meine Richtung und sich die gleiche Frage wie ich stellt...
    In Carl Sagans Film Contact von 1997 antwortet Jodie Fosters Filmvater der jungen Ellie auf ihre Frage nach anderem Leben im Universum mit den eingehenden Worten: "Wenn wir die einzigen sind, wäre das eine ziemliche Platzverschwendung!"

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VLT - Paranal

Am nächsten Vormittag starte ich mit dem Wanderer auf eine überschaubare Etappe von nur 88 Kilometern, aber erneuten 1.000 Höhenmetern. Nach wenigen Minuten Fahrt auf der PanAmericana, kommt der Abzweig zu einem weiteren, für mich ganz besonderen Ort - ich bin auf dem Weg zu einem der bedeutensten astronomischen Teleskope der Welt, dem Very Large Telescope (VLT) der ESO - European Southern Observatory auf dem Cerro Paranal.
    Mit meiner inzwischen ziemlich verläßlichen Mischung aus Recherche und Bauchgefühl bei der Suche nach einem Stellplatz für die Nacht, fahre ich noch wenige Kilometer an der Zufahrt zum Paranal vorbei und biege dann auf eine Piste in die Wüste und Berge ab - und finde im extrem feinen Wüstenstaub "meinen" perfekten Platz... weit entfernt und oberhalb der Straße und an einem Hang, den ich nicht nur bewußt ausgewählt, sondern schon bald nach meiner Ankunft erstiegen habe. Hier erwartet mich eine Aussicht, die mich wieder lange Zeit mit vor Rührung feuchten Augen verweilen läßt! Tief unter mir, schon viel kleiner als ein Matchbox-Auto, steht der Wanderer. Dahinter klettern die Berge wieder nach oben und dort sehe ich den Cerro Paranal. Auf seiner Spitze die ganze Phalanx aus den vier Riesenteleskopen, dem VLT und um sie angeordnet, die vier kleineren, sog. Auxillary-Teleskope sowie die Kuppeln des VST und VISTA. Wende ich mich zu meiner rechten Schulter, strahlt dort auf dem Cerro Armazones das noch im Bau befindliche ELT, das Extremely Large Telescope, das mit Abstand größte Spiegelteleskop der Welt.
    Genau einen Monat zuvor bin ich mit dem Wanderer auf über 5.100 Meter Höhe auf das Chajnantor-Plateau geklettert und habe ALMA mit eigenen Augen gesehen. Jetzt stehe ich in unmittelbarer Nähe des VLT und des ELT - mit die bedeutensten astronomischen "Wissenschaftsmaschinen", die die Menschheit gebaut hat... und morgen früh habe ich einen Besuchertermin auf dem Paranal...

mein Stellplatz auf 2.400 Meter unterhalb des Cerro Armazonesmein Stellplatz auf 2.400 Meter unterhalb des Cerro Armazones

der Wanderer auf seinem Stellplatzder Wanderer auf seinem Stellplatz

Ihr, die ihr diese Seite irgendwann anschaut, werdet jetzt sicher erleichtert aufatmen, daß ich es mir -schweren Herzens- verkneifen werde, all die aufgeführten seltsamen Namen und Akronyme zu erklären. Ich könnte mich in meiner Begeisterung nicht bremsen und würde sicher das halbe Universum gleich mit erklären... Nur ein noch nicht genanntes Kürzel im Zusammenhang mit dem Paranal (Paranal, der Name des Berges, ist auch das Synonym für die gesamte Einrichtung an Teleskopen an diesem Ort) - VLTI, das Very Large Telescope Interferometer! Wie schon bei ALMA, lassen sich auch die Paranal Teleskope zu einem (optischen) Verbundsystem, dem VLTI, zusammenschalten und erhalten so eine "Öffnung" wie ein einzelnes Teleskop mit einem Durchmesser von über 100 Metern...
Wer tatsächlich Interesse hat, hier ein bischen tiefer nachzulesen, dem kann ich die folgenden Links von Wikipedia und der ESO empfehlen:

noch vor dem Sonnenaufgang an meinem Stellplatz zwischen VLT und ELT
noch vor dem Sonnenaufgang an meinem Stellplatz zwischen VLT und ELT

Nach einem Abend mit einem schier überwältigenden Sternenhimmel und einer Nacht in absoluter Stille, breche ich schon früh am nächsten Morgen zu meinem Termin am Paranal auf. In weiten Serpentinen klettere ich mit dem Wanderer noch einmal steil in die Höhe und finde dann einen Platz auf dem Besucherparkplatz der ESO. Bald darauf kann ich mein Voucher, mein Besuchervisum auf dem Handy vorweisen und dann das Besucherzentrum betreten. In gedämpftem Licht bin ich von beeindruckenden Bildern der gesamten Einrichtung und seinen Forschungsergebnissen und Entdeckungen, von Bildern mit schier unwirklichen kosmischen Nebeln und Galaxien und natürlich von beeindruckenden Erläuterungen auf spanisch und englisch umgeben. Dann kommt Wilma, mein Tourguide, die die Führung im Paranal für die getrennte, kleine, englischsprache Gruppe übernimmt. Nach einem Einführungsvortrag mit beeindruckenden Informationen und Details zu den Teleskopen, besteigen wir einen ESO-Bus und fahren die gewundene, steile Zufahrtstraße zum Paranal-Plateau mit den Telekopen hinauf. Ich bin total aufgeregt und mir der Bedeutung mehr als bewußt, auch wenn meine Augen ununterbrochen zwischen den riesigen, in der Sonne strahlend leuchtenden, Gebäuden mit den Hauptteleskopen hin- und herspringen um auch ja kein einziges Detail zu verpassen. Durch eine völlig unscheinbare Tür betritt unsere kleine Gruppe dann das Kueyen zu einem der 8,2 Meter durchmessenden Spiegelteleskope. Die ESO hatte beim Bau des Paranal in Chile einen Wettbewerb zur Namensgebung ausgerufen - die Gewinnerin war ein damals junges Mädchen, das für die vier Riesenteleskope Namen aus der indigena-Sprache der Mapuche vorgeschlagen hat. Kueyen ist dabei in Mapuche der Mond...den ich damit zum ersten Mal in meinem Leben betrete!

an der Einfahrt zum ESO-Gelände auf dem Cerro Paranalan der Einfahrt zum ESO-Gelände auf dem Cerro Paranal

das
                        'Paranal Technology Museum' in einem ausrangierten,                        alten Eisenbahnwaggondas 'Paranal Technology Museum' in einem ausrangierten, alten Eisenbahnwaggon

auf dem Plateau des Cerro Paranal mit den
                gewaltigen VLT-Teleskopen
auf dem Plateau des Cerro Paranal mit den gewaltigen VLT-Teleskopen

Durch überraschend enge und steile Gänge und Treppen steigen wir im Kueyen immer höher, während es gleichzeitig ständig dunkler wird. Wilma weist uns noch einmal darauf hin, daß unser Teleskop z.Zt. für die nächste Beobachtungsnacht kalibriert wird und daher jedes Fremdlicht, vor allem Kamerablitze, vollkommen vermieden werden müssen. Mit nur 11° C im Inneren der Kuppel hält das Gebäude während des Tages weitgehend die Nachttemperaturen und wird auch eine Stunde vor Beobachtungsbeginn am Abend geöffnet um einen vollständigen Temperaturausgleich mit der Außentemperatur herzustellen und dabei Wärmespannungen im Teleskop zu vermeiden. Ein ständiges, schwaches Klicken erregt meine Neugier und Wilma zeigt mir die Tanks mit flüssigem Stickstoff und Helium. Kleine Pumpen erzeugen dieses Geräusch, weil ununterbrochen, 24 Stunden am Tag, die den Spiegeln nachgeschalteten Sensoren und Meßgeräte auf Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt bei -273 °C (0 K - Kelvin) gehalten werden. Dadurch werden die Teilchenbewegungen in den Systemen nahezu vollkommen ausgeschaltet und Verzerrungen, das Signalrauschen, unterdrückt.

der in der Bildmitte matt schimmernde Riesenspiegel des Teleskops liegt offen vor mirder in der Bildmitte matt schimmernde Riesenspiegel des Teleskops liegt offen vor mir

in der
                        Mitte des 8,2-m-Spiegels ist eine helle Reflektion vom                        viele Meter darüber liegenden Sekundärspiegel zu                        erkennenin der Mitte des 8,2-m-Spiegels ist eine helle Reflektion vom viele Meter darüber liegenden Sekundärspiegel zu erkennen

Langsam umrunden wir das riesenhafte Teleskop und an einigen Stellen kann ich trotz des Dämmerlichts den gewaltigen Hauptspiegel und den etliche Meter darüber angebrachten Sekundärspiegel erkennen. Mit einem Ohr verfolge ich die spannenden Erläuterungen von Wilma, während ich gleichzeitig aus dem Staunen und dem Versuch, so viele Details wie möglich mit der Kamera fest zu halten, nicht herauskomme. Es ist faszinierend, die erstaunlichen Geschichten über den Bau der Teleskope zu verfolgen... unfaßbare Details über die technischen Einrichtungen zu erfahren, die z.B. in Sekundenbruchteilen mechanische Sicherungen auslösen, um die empfindlichen Spiegel bei einem Erdbeben zu schützen - immerhin liegen wir hier in Chile in einem der aktivsten Erdbebengebiete der Welt. 1960 wurde in Valdivia mit 9,5 Mw (Momenten-Magnituden-Skala, die seit 1977 andere Skalen, wie auch die bekanntere, aber unzureichende Richter-Skala, immer mehr abgelöst hat. Übrigens: Die Mw endet bei dem logarithmischen Wert von 10,6 - gleichbedeutend mit dem vollständigen Zerbrechen der Erde)...
     Dann sind da die ganzen Aufwendungen um die empfindlichen Spiegel vom eingetragenen Wüstenstaub zu reinigen bis dazu, daß die Spiegel alle zwei Jahre ausgebaut, die aufgedampfte Aluminiumschicht entfernt und die Spiegel anschließend neu bedampft werden...
    Dann die 4 gewaltigen Laser des Kueyen, die mit ihren gelb-organgenen Strahlen bis in 90 Kilometer Höhe schießen und immer dann zum Einsatz kommen, wenn im aktuellen Beobachtungsfenster kein geeigneter Referenzstern vorhanden ist. Mit solchen Sternen, oder eben mit den Lasern, werden die Turbulenzen in der Hochatmosphäre gemessen, die für das "Flimmern" der Sterne verantwortlich sind, exakte wissenschaftliche Beobachtungen und Messungen aber stören. Anhand der Reflektionen der Laser (oder den Messungen bei den Referenzsternen) wird die sog. "adaptive Optik" des Sekundärspiegels durch Aktuatoren bis zu 1.000 mal pro Sekunde verformt um diese Störungen durch Gegenbewegungen zu kompensieren...

viele Meter über dem riesigen Hauptspiegel hängt genau in der Mitte der runden Stützkonstruktion der kleine Sekundärspiegel
viele Meter über dem riesigen Hauptspiegel hängt genau in der Mitte der runden Stützkonstruktion der kleine Sekundärspiegel
das vom Hauptspiegel aufgefangene Licht wird nach oben, zum Sekundärspiegel reflektiert und von diesem, noch weiter gebündelt, zurück nach unten, zur Sensorgondel unter dem Teleskop
..und dort von der Vielzahl von Meßgeräten aufgefangen

Es gäbe noch mindestens 100 weitere, faszinierende und erstaunliche Informationen zu den wissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Meisterleistungen dieser außergewöhnlichen Teleskope... Die Fülle an interessanten Details zu diesem größten optischen Teleskop-Verbund der Welt ist einfach so überwältigend, daß ich mein Gefühl für die Zeit vollkommen verloren habe!
Bild rechts: Natürlich konnte ich mich nicht ausschließen, als es um den "Beweis" für meinen Besuch im VLT gab... auf dem Drehtisch vor der Gondel mit den Sensoren und Meßgeräten unterhalb des Hauptspiegels
rechts neben mir mein größter Bewunderer: Aaryan, der indische Programmierer aus Chicago
mein Erinnerungsfoto - vor der Sensorgondel im VLT


Irgendwann verlassen wir die Ebene des Hauptspiegels und gehen zur Basis des Teleskops und damit dem gewaltigen Drehtisch, einer der technischen Einrichtungen, die das Teleskop während der langen Belichtungszeiten nachführen um die Bewegung der Erdrotation auszugleichen. Der 450 Tonnen schwere Tisch läuft auf einem Ölfilm und ist so fein gelagert, daß er sogar mit der Kraft eines Menschen bewegt werden kann. So faszinierend und erstaunlich das auch ist, so zufrieden war auch mein wissendes Grinsen bei dieser Information, habe ich mich dabei doch an meine Jugend erinnert. Als Jungen waren wir oft am Dortmund-Ems Kanal zum Baden. Für uns war es ein Kräftemessen, uns gegen angelegte und vertäute Schiffe zu stemmen. In den allerersten Sekunden war es wie ein Kampf gegen einen Berg, aber ganz unmerklich und dann immer spürbarer bewegten sich die Schiffe vom Kai weg, bis sich die Taue spannten und mit unüberhörbarem Knarzen gedehnt wurden und die Bewegung wieder stoppten...

zwei der auf der Fläche über Schienen verschiebbaren Auxillary-Teleskopezwei der auf der Fläche über Schienen verschiebbaren Auxillary-Teleskope

absolut
                        klarer Blick vom Rand des Plateaus auf den 20 Kilometer                        entfernten und 2.500 Meter tiefer liegenden Pazifikabsolut klarer Blick vom Rand des Plateaus auf den 20 Kilometer entfernten und 2.500 Meter tiefer liegenden Pazifik

Beim Verlassen des Kueyen treten wir wieder aus der Stille und Kühle der Kuppel hinaus auf den in der Sonne grell strahlenden Beton des Paranal-Plateau`s. Vorbei an Antu, Melipal und Yepun (Sonne, Kreuz des Südens [Sternbild] und Venus - die drei anderen Hauptteleskope) gehen wir langsam zu den Auxillary-Teleskopen. Zwischen ihnen gibt es etliche Schienenführungen mit denen sie ihre Stellung und Abstand zu den Hauptteleskopen bei Bedarf ändern können. Inzwischen steht die Sonne wieder senkrecht über uns und die Sicht auf den weniger als 20 Kilometer erfernten und zweieinhalbtausend Meter tiefer liegenden Pazifik, dessen Horizont sich im Unendlichen verliert, ist atemberaubend. Noch beeindruckender ist der Blick nach Westen, auf die Cordillera de los Andes. Wilma deutet auf den Nevado Ojos del Salado am Horizont. Der gewaltige Berg liegt auf der Grenze zwischen Chile und Argentinien und ist mit über 6.890 Metern der höchste Vulkan der Erde und nach dem Aconcagua der zweithöchste Berg Amerikas - und er ist 250 Kilometer Luftlinie vom Paranal entfernt... und immer noch gut sichtbar! Auch ein Grund für diesen Standort des VLT auf dem Paranal - nicht dieser Vulkan, sondern der beste, jemals auf unserer Welt gemessene Wert für die Qualität der Luftunruhe in der Erdatmosphäre, das sog. Seeing von 0,18" (" ist eine Bogensekunde, der 3.600-ste Teil eines Winkel-Grades. Wer noch ein altes Geodreieck aus der Schule besitzt, kann sich `mal anschauen, wie winzig ein einzelnes Grad ist! Jetzt dieses "Dingelchen" durch 3.600 teilen und dann noch mit 0,18 multiplizieren... 2 Punkte, die sich in diesem Winkelabstand voneinander befinden, können damit noch sichtbar unterschieden werden!).
    Auch dazu gäbe es noch so viel spannendes zu erzählen und zu erklären... aber, ich verstehe schon... es geht um mein Abenteuer PanAmericana und nicht um meine nerdige-Erklärsucht...

das Plateau der Auxillary-Teleskope auf dem Paranal - mit einem Blick von weit über 250 Kilometern in der Ebene...*)
das Plateau der Auxillary-Teleskope auf dem Paranal - mit einem Blick von weit über 250 Kilometern in der Ebene
..und einem von vielen Milliarden Lichtjahren in der Vertikalen...*)
Bild: ESO/José Francisco Salgado (josefrancisco.org)

*) Noch eine letzte Bemerkung zu der vertikalen Sichtweite über dem Cerro Paranal: Ja, mit diesen unglaublichen Teleskopen ist es möglich, etliche Milliarden Lichtjahre tief ins Universum zu schauen! Wenige hundert Kilometer in der Ebene, aber Milliarden Lichtjahre in die Vertikale - wie ist das möglich? Die Antwort auf diese Frage ist so einfach wie einleuchtend: Schon bei meinem Besuch auf dem Chajnantor-Plateau in über 5.000 Meter Höhe über dem Meeresspiegel bekamen der Wanderer und ich deutlich zu spüren, wie dünn die Luft in dieser Höhe bereits war! Noch einmal läppische 2.000 Meter höher beginnt für Bergsteiger die sog. "Todeszone", in der die Luft zum Überleben schlichtweg zu dünn ist und bereits in 100 Kilometern Höhe beginnt offiziell der Weltraum mit seinem Vakuum. Das heißt, schon ab dieser Höhe existieren kaum noch Luftmoleküle unserer Erdatmosphäre mehr, die Lichtstrahlen aus den Tiefen des Universums absorbieren, reflektieren oder streuen könnten... die Teleskope haben also nach "oben hin" praktisch "unbegrenzte" Sicht...

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die Residencia auf dem Cerro Paranal

Irgendwann ist unsere Zeit auf dem Plateau abgelaufen und wir besteigen wieder unseren Bus, der uns zurück nach unten bringt - zum letzten Punkt der Besucherführung auf dem Paranal, der Residencia. Dieses Gästehaus für die Wissenschaftler, die hier in der Abgeschiedenheit des Paranal arbeiten, ist von den deutschen Architekten Auer+Weber geplant worden. Mit Blick auf den Pazifik ist es durch den James Bond Film "Ein Quantum Trost" mit Daniel Craig weltberühmt geworden. Schon nach wenigen Sekunden im Inneren entstehen die ersten Schweißtropfen auf der Stirn! Fordern außerhalb der Residencia die dünne Höhenluft und die extrem geringe Luftfeuchtigkeit hier in der Atacama dem Körper einiges an Reserven ab, herrscht durch das künstliche Biotop in der Kuppel ein fast schon tropisches Klima!
    Das Bild unten ist von der ESO, da wir nur die Eingangsseite und die dort gelegene Kuppel mit dem Biotop betreten dürfen. Verständlich, da die Wissenschaftler fast ausschließlich nachts arbeiten und tagsüber selbstverständlich ihre Ruhe und Privatsphäre benötigen.


die Residencia auf dem Paranal mit Blick auf den pazifischen Ozean
die Residencia auf dem Paranal mit Blick auf den pazifischen Ozean
Bild: ESO/José Francisco Salgado (josefrancisco.org)


innerhalb der Residencia mit ihrem Biotop einschließlich Swimmingpool
innerhalb der Residencia mit ihrem Biotop einschließlich Swimmingpool
der zusammengefaltete "Regenschirm" unter der Kuppel wird abends automatisch entfaltet um jedes störende Licht für die Teleskope zu verhindern


Wieder zurück auf dem Besucherparkplatz, dauert es noch über eine Stunde, bis sich nach und nach wieder etwas Ruhe einstellt. Der riesige Wanderer war natürlich auf dem überschaubaren Parkplatz nicht zu übersehen und schon während der Führung bin ich immer wieder darauf angesprochen worden, ob ich der Fahrer dieses Ungetüms sei. Immer wieder mußte ich mich dann auch mit jemandem vor die Front oder an eines der riesigen Räder stellen und wurde fotografiert. Zum Schluß ist es noch ein begeistertes Ehepaar aus Süddeutschland, das für vier Wochen in einem kleinen Mietauto hier in Chile unterwegs ist und alles mögliche über den Bau eines solches Fahrzeugs wissen wollte und Aaryan, der indische Programmierer, der in Chicago in den USA lebt und arbeitet und ebenfalls aus dem Staunen nicht mehr herauskommt...

Auch dieses letzte Bild vom VLT-Komplex ist von der ESO. Aus ebenfalls nachvollziehbaren Gründen herrscht im gesamten Areal natürlich strengstes Drohnenverbot. Daher noch einmal ein Dank an die ESO, daß sie so viele beeindruckende Bilder ihrer Einrichtungen und Forschungen zur Veröffentlichung frei zur Verfügung stellt.

der VLT-Komplex auf dem Cerro Paranal
der VLT-Komplex auf dem Cerro Paranal
http://www.eso.org/public/images/eso-paranal-51/

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Extremely Large Telescope

der Wanderer auf fast 2.400 Metern nahe dem Cerro Armazones mit dem ELTDann stehe ich als Letzter auf dem Parkplatz und die plötzliche Ruhe ist völlig unwirklich. Ich starte den Steyr und während ich die steilen Serpentinen vom Paranal wieder nach unten rolle, schwirren die ganzen Eindrücke so wild durch meinen Kopf wie ein aufgeschreckter Bienen-schwarm.
    Irgendwann biege ich wieder in die sandige Piste ein, an der ich bereits in der vergangenen Nacht gestanden habe. Jetzt allerdings ist wieder höchste Konzentration gefragt. Durch meine Klettertour vom Vortag weiß ich, daß diese Piste mitsamt den daneben liegenden Strommasten in direkte Richtung auf das ELT führt, jedoch verdammt sandig, stellenweise verdammt eng und ebenso verdammt steil ist...Mit eingeschalteter Geländeuntersetzung und gesperrtem Mitteldifferenzial dauert es volle 40 Minuten, bis ich die Spitze des Berges erreicht habe. Wie ich gehofft hatte, in der Nähe der offiziellen Zugangsstraße zum ELT, dem Extremely Large Telescope.
    Bevor ihr zurück scrollen müßt: Heute Morgen war ich am VLT, dem Very Large Teleskop auf dem Paranal - jetzt stehe ich in der Nähe des "extrem großen Teleskops" am 23 Kilometer Luftlinie entfernten Cerro Armazones.     Nicht gerade ein Knaller bei der Namensgebung, dafür aber tatsächlich extrem bei dem, was dieses Teleskop wissenschaftlich und technisch zu leisten imstande ist! Mit den Erfahrungen durch den Bau des VLT, liefen in der ESO (European Southern Observatory) bereits seit etlichen Jahren die Planungen und Bauarbeiten zu diesem weltweit einzigartigen Teleskop. Es steht inzwischen kurz vor seiner Fertigstellung und "das erste Licht" ist für 2028 geplant.

mein Stellplatz auf 2.400 Meter unterhalb des Cerro Armazonesmein Stellplatz auf 2.400 Meter unterhalb des Cerro Armazones

das ELT im Licht der untergehenden Sonne -
                        im Vordergrund der Schatten vom Wandererdas ELT im Licht der untergehenden Sonne - im Vordergrund der Schatten vom Wanderer

Mit seinem bereits eingebauten, 39 Meter durchmessenden Hauptspiegel, ist es etwa 4 x größer als die auf der Welt existierenden, größten Teleskope mit ihren 8 bis 10-m-Spiegeln.Die Spiegelfläche des ELT von fast 980 Quadratmetern ist damit größer als die Gesamtfläche aller bisherigen Großteleskope zusammen und wird durch diese "Lichtsammelfläche" damit Ansichten des Sternenhimmels ermöglichen, die bisher undenkbar schienen.
    Größte Erwartungen liegen dabei unter anderem in der Untersuchung der bisher entdeckten Exoplaneten, also Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, die andere Sonnen umkreisen. Wir haben in den letzten Jahren mit großem technischen Aufwand zwar mittlerweile, Stand heute, über 5.000 dieser Planeten nachweisen können, ihre Masse und Bahneigenschaften berechnen können, viel mehr aber nicht. Es stellt sich für uns wie die Suche nach einem Glühwürmchen vor dem Scheinwerfer eines Leuchtturms dar. Von der Auflösung des ELT erwarten wir aber etwas ganz besonderes. Wenn wir derartige Exoplaneten genau in dem Moment untersuchen, wo sie auf ihrer Umlaufbahn und ihrem Vorbeilauf an ihrer Sonne genau den Sonnenrand erreichen, fällt dieses Licht durch ihre hauchdünne Atmosphäre und kann dann vom ELT auf Absorptions-eigenschaften untersucht werden. Dabei hinterlassen die in dieser Atmosphäre vorhandenen Elemente und Verbindungen ganz spezifische Spuren im Spektrum dieses Lichts. Lassen sich dabei Sauerstoff, Ozon, Kohlendioxid oder Wasserdampf nachweisen, ist das, je nach Verteilung und anderer Parameter, der erste Beweis für die Existenz von biologischem Leben außerhalb unserer Erde - möglicherweise die größte Entdeckung in der gesamten Menschheitsgeschichte! Leben außerhalb der Erde...


die imposante Kuppel des ELT im Sonnenuntergang - daneben die sie sogar noch überragenden Krane
die imposante Kuppel des ELT im Sonnenuntergang - daneben die sie sogar noch überragenden Krane
Noch stehen riesenhafte Baukrane neben der 80 Meter hohen Kuppel des Teleskopes, die damit fast so groß wie ein 25-stöckiges Gebäude ist. Gerade jetzt, wo dieses beeindruckende Werk noch im Bau ist, komme ich als Besucher natürlich nicht auf das gesperrte Gelänge des ELT. Dafür aber nur eine handvoll Kilometer davon entfernt zu stehen und es, wie schon bei ALMA, mit eigenen Augen sehen zu können, ist für mich einfach unbeschreibbar! Verzeiht mir daher meine Begeisterung bei der Schilderung dieser so außergewöhnlichen Erlebnisse während meines Abenteuers PanAmericana...


Das nächste Bild zeigt in einer Fotomontage die überwältigende Größe des ELT auf der Fläche der Chanjnantor-Ebene von ALMA
Fotomontage: das ELT auf der Chanjnantor-Ebene von ALMA
  das ELT in einer
Fotomontage auf der Chanjnantor-Ebene von ALMA
Créditos: Imagen ELT: ESO / Imagen ALMA: Clem & Adri Bacri-Normier (wingsforscience.com) / Montaje: David Fernández - ALMA (ESO/NAOJ/NRAO)


das ELT unter dem Sternenhimmel der Atacama
das ELT unter dem Sternenhimmel der Atacama
Orginaltext: "This Picture ... shows ESO’s Extremely Large Telescope (ELT) underneath a gorgeous starry night sky, perched atop the mountain of Cerro Armazones, Chile, like a ship cresting a great, shadowy wave. Credit: P. Romaniuk/ESO"

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Nach über zwei Monaten in den Hochanden, den Bergen und Wüsten des bolivianischen Altiplano und der chilenischen Atacama, nach wochenlangen Aufenthalten in weit über 4.000 Metern Höhe und einer größten Höhe von über 5.100 Metern über dem Meeresspiegel, verlasse ich heute, am Montag, dem 22. Dez. `25, die Anden und erreiche bei Taltal in Chile, den Pazifischen Ozean - ein ganz andere Welt!
    Zum Ende dieser Seite wieder ein Video der Fahrt zur Mano del Desierto und vom Besuch des VLT auf dem Cerro Paranal...

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