An der südlichen Stadtgrenze von Calama
zweige ich dann mit dem Wanderer nach
Südwesten, in Richtung der Hafenstadt Antofagasta
ab. Zwischen diesen beiden Städten fahre ich schier
endlose 200 Kilometern an den größten Tagebauen der Welt vorbei.
Die Luft ist vom Staub der gigantischen Abbaubetriebe
gelblich-trüb und teilweise so undurchsichtig wie Herbstnebel.
Immer wieder ziehen auch riesige Abraumhalden, die kaum kleiner
als die umliegenden Berge sind, an mir vorbei. Streifen in
verschiedenen, völlig unnatürlich wirkenden Farben, ziehen sich
durch die Hänge und manchmal sehe ich auch kleine Seen mit den
Rückständen der Aufbereitungsanlagen, die in grellen Neonfarben
leuchten. Hochgiftige Überbleibsel der Separierung des begehrten
Kupfers, des Goldes und Silbers aus den Roherzen. Die Karawane aus
Tanklastern, die mit Schwefelsäure beladen an mir vorbei fahren,
sprechen Bände... während die trockenste Wüste der Welt, die
Atacama, laut schreit, welche unfaßbaren Mengen an kostbarstem
Süßwasser für die Lithiumproduktion verwendet
werden...
Leider noch abstoßender werden die sichtbaren Auswirkungen der milliarden-schweren Argumente bei der Vorbeifahrt an Antofagasta. Zig Kilometer weit wechseln sich riesige Industriekomplexe mit dreckigen und staubigen Lagerflächen und Werkstätten für gigantische Bergbaumaschinen ab. Der Boden ist oft schwarz von den ohne Umweltbedenken abgelassenen Ölrückständen. Die Luft ist stickig, glühend heiß, staubig und stinkt. Erst weit nach Antofagasta laufen die Auswüchse unserer Gier nach Rohstoffen, ganz langsam aus und machen wieder einer genauso unwirklichen Wüste Platz. Gut, daß gerade wir in Deutschland mit stolz geschwellter Brust und reinem Herzen sagen können, wie umweltbewußt und sauber wir mit unseren mit Kupfer und Lithium überladenen Elektro-Autos doch sind. Gut, daß auch die gigantischen Umweltverbrechen, die in unserem Interesse und mit unserem Geld begangen werden, in keinem Werbeslogan, keinem Verkaufsgespräch und auf keiner politischen Bühne, angesprochen werden... |
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Paranal > Mano del Desierto Mano del DesiertoSchon seit dem halben Weg zwischen Calama
und Antofagasta bin ich mit dem Wanderer wieder
einmal auf der Ruta 5, der PanAmercana und
nähere mich jetzt der Mano del Desierto,
der Hand der Wüste! Die monumentale
Skulptur einer riesigen Hand, die sich aus dem felsigen Boden der
Wüste dem Himmel entgegenstreckt, wurde 1992 von dem chilenischen
Künstler Mario Irarrázabal an
dieser Stelle errichtet. Angeblich steht diese Hand als Symbol für
menschliche Zerbrechlichkeit, Einsamkeit und Umweltschutz. Ob den
meisten der Touristen, die hier einen Fotostopp einlegen, die
Intentionen des Künstlers bekannt sind, entzieht sich meiner
Kenntnis...
![]() der Wanderer an der Mano del Desierto Nach meinem eigenen Fototermin fahre ich
mit dem Wanderer nach der
heutigen, in vielerlei Hinsicht, extrem anstrengenden Etappe von
380 Kilometern, noch einige hundert Meter weiter in die Wüste...
weiter weg von der geschäftigen
PanAmericana, bis auch das letzte Rauschen der Ruta 5
nicht mehr zu hören ist...
Wie jeden Abend seit mehr als drei Jahren, führt mein letzter Gang vor dem Hineinklettern ins Bett, nach draußen. In völliger Stille schaue ich auf den unvergleichlichen Sternenhimmel über mir und frage mich wieder einmal, ob irgendwo dort oben, genau "über" mir und genau in diesem Moment, ebenfalls jemand nach "oben" schaut, genau in meine Richtung und sich die gleiche Frage wie ich stellt... In Carl Sagans Film Contact von 1997 antwortet Jodie Fosters Filmvater der jungen Ellie auf ihre Frage nach anderem Leben im Universum mit den eingehenden Worten: "Wenn wir die einzigen sind, wäre das eine ziemliche Platzverschwendung!" |
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Paranal > VLT - Paranal VLT - ParanalAm nächsten Vormittag starte ich mit dem Wanderer auf eine überschaubare Etappe
von nur 88 Kilometern, aber erneuten 1.000 Höhenmetern. Nach
wenigen Minuten Fahrt auf der PanAmericana,
kommt der Abzweig zu einem weiteren, für mich ganz besonderen Ort
- ich bin auf dem Weg zu einem der bedeutensten astronomischen
Teleskope der Welt, dem Very Large
Telescope (VLT) der ESO -
European Southern Observatory auf dem Cerro
Paranal.
Mit meiner inzwischen ziemlich verläßlichen Mischung aus Recherche und Bauchgefühl bei der Suche nach einem Stellplatz für die Nacht, fahre ich noch wenige Kilometer an der Zufahrt zum Paranal vorbei und biege dann auf eine Piste in die Wüste und Berge ab - und finde im extrem feinen Wüstenstaub "meinen" perfekten Platz... weit entfernt und oberhalb der Straße und an einem Hang, den ich nicht nur bewußt ausgewählt, sondern schon bald nach meiner Ankunft erstiegen habe. Hier erwartet mich eine Aussicht, die mich wieder lange Zeit mit vor Rührung feuchten Augen verweilen läßt! Tief unter mir, schon viel kleiner als ein Matchbox-Auto, steht der Wanderer. Dahinter klettern die Berge wieder nach oben und dort sehe ich den Cerro Paranal. Auf seiner Spitze die ganze Phalanx aus den vier Riesenteleskopen, dem VLT und um sie angeordnet, die vier kleineren, sog. Auxillary-Teleskope sowie die Kuppeln des VST und VISTA. Wende ich mich zu meiner rechten Schulter, strahlt dort auf dem Cerro Armazones das noch im Bau befindliche ELT, das Extremely Large Telescope, das mit Abstand größte Spiegelteleskop der Welt. Genau einen Monat zuvor bin ich mit dem Wanderer auf über 5.100 Meter Höhe auf das Chajnantor-Plateau geklettert und habe ALMA mit eigenen Augen gesehen. Jetzt stehe ich in unmittelbarer Nähe des VLT und des ELT - mit die bedeutensten astronomischen "Wissenschaftsmaschinen", die die Menschheit gebaut hat... und morgen früh habe ich einen Besuchertermin auf dem Paranal...
Ihr, die ihr diese Seite irgendwann
anschaut, werdet jetzt sicher erleichtert aufatmen, daß ich es mir
-schweren Herzens- verkneifen werde, all die aufgeführten
seltsamen Namen und Akronyme zu erklären. Ich könnte mich in
meiner Begeisterung nicht bremsen und würde sicher das halbe
Universum gleich mit erklären... Nur ein noch nicht genanntes
Kürzel im Zusammenhang mit dem Paranal (Paranal, der Name des
Berges, ist auch das Synonym für die gesamte Einrichtung an
Teleskopen an diesem Ort) - VLTI, das Very
Large Telescope Interferometer! Wie schon bei ALMA,
lassen sich auch die Paranal Teleskope zu einem (optischen)
Verbundsystem, dem VLTI, zusammenschalten und erhalten so eine
"Öffnung" wie ein einzelnes Teleskop mit einem Durchmesser von
über 100 Metern...
Wer tatsächlich Interesse hat, hier ein bischen tiefer nachzulesen, dem kann ich die folgenden Links von Wikipedia und der ESO empfehlen: ![]() noch vor dem Sonnenaufgang an meinem Stellplatz zwischen VLT und ELT Nach einem Abend mit einem schier
überwältigenden Sternenhimmel und einer Nacht in absoluter Stille,
breche ich schon früh am nächsten Morgen zu meinem Termin am
Paranal auf. In weiten Serpentinen klettere ich mit dem Wanderer
noch einmal steil in die Höhe und finde dann einen Platz
auf dem Besucherparkplatz der ESO. Bald darauf kann ich mein Voucher, mein Besuchervisum auf dem Handy
vorweisen und dann das Besucherzentrum betreten. In gedämpftem
Licht bin ich von beeindruckenden Bildern der gesamten Einrichtung
und seinen Forschungsergebnissen und Entdeckungen, von Bildern mit
schier unwirklichen kosmischen Nebeln und Galaxien und natürlich
von beeindruckenden Erläuterungen auf spanisch und englisch
umgeben. Dann kommt Wilma, mein
Tourguide, die die Führung im Paranal für die getrennte, kleine,
englischsprache Gruppe übernimmt. Nach einem Einführungsvortrag
mit beeindruckenden Informationen und Details zu den Teleskopen,
besteigen wir einen ESO-Bus und fahren die gewundene, steile
Zufahrtstraße zum Paranal-Plateau mit den Telekopen hinauf. Ich
bin total aufgeregt und mir der Bedeutung mehr als bewußt, auch
wenn meine Augen ununterbrochen zwischen den riesigen, in der
Sonne strahlend leuchtenden, Gebäuden mit den Hauptteleskopen hin-
und herspringen um auch ja kein einziges Detail zu verpassen.
Durch eine völlig unscheinbare Tür betritt unsere kleine Gruppe
dann das Kueyen zu einem der 8,2
Meter durchmessenden Spiegelteleskope. Die ESO hatte beim Bau des
Paranal in Chile einen Wettbewerb zur Namensgebung ausgerufen -
die Gewinnerin war ein damals junges Mädchen, das für die vier
Riesenteleskope Namen aus der indigena-Sprache der Mapuche
vorgeschlagen hat. Kueyen ist
dabei in Mapuche der Mond...den ich damit zum ersten Mal
in meinem Leben betrete!
![]() auf dem Plateau des Cerro Paranal mit den gewaltigen VLT-Teleskopen Durch überraschend enge und steile Gänge
und Treppen steigen wir im Kueyen immer
höher, während es gleichzeitig ständig dunkler wird. Wilma weist
uns noch einmal darauf hin, daß unser Teleskop z.Zt. für die
nächste Beobachtungsnacht kalibriert wird und daher jedes
Fremdlicht, vor allem Kamerablitze, vollkommen vermieden werden
müssen. Mit nur 11° C im Inneren der Kuppel hält das Gebäude
während des Tages weitgehend die Nachttemperaturen und wird auch
eine Stunde vor Beobachtungsbeginn am Abend geöffnet um einen
vollständigen Temperaturausgleich mit der Außentemperatur
herzustellen und dabei Wärmespannungen im Teleskop zu vermeiden.
Ein ständiges, schwaches Klicken erregt meine Neugier und Wilma
zeigt mir die Tanks mit flüssigem Stickstoff und Helium. Kleine
Pumpen erzeugen dieses Geräusch, weil ununterbrochen, 24 Stunden
am Tag, die den Spiegeln nachgeschalteten Sensoren und Meßgeräte
auf Temperaturen nahe dem absoluten
Nullpunkt bei -273 °C (0 K - Kelvin)
gehalten werden. Dadurch werden die Teilchenbewegungen in den
Systemen nahezu vollkommen ausgeschaltet und Verzerrungen, das
Signalrauschen, unterdrückt.
Langsam umrunden wir das riesenhafte
Teleskop und an einigen Stellen kann ich trotz des Dämmerlichts
den gewaltigen Hauptspiegel und den etliche Meter darüber
angebrachten Sekundärspiegel erkennen. Mit einem Ohr verfolge ich
die spannenden Erläuterungen von Wilma, während ich gleichzeitig
aus dem Staunen und dem Versuch, so viele Details wie möglich mit
der Kamera fest zu halten, nicht herauskomme. Es ist faszinierend,
die erstaunlichen Geschichten über den Bau der Teleskope zu
verfolgen... unfaßbare Details über die technischen Einrichtungen
zu erfahren, die z.B. in Sekundenbruchteilen mechanische
Sicherungen auslösen, um die empfindlichen Spiegel bei einem
Erdbeben zu schützen - immerhin liegen wir hier in Chile in einem
der aktivsten Erdbebengebiete der Welt. 1960 wurde in Valdivia
mit 9,5 Mw (Momenten-Magnituden-Skala,
die seit 1977 andere Skalen, wie auch die bekanntere, aber
unzureichende Richter-Skala, immer
mehr abgelöst hat. Übrigens: Die Mw endet bei dem
logarithmischen Wert von 10,6 - gleichbedeutend mit dem
vollständigen Zerbrechen der Erde)...
Dann sind da die ganzen Aufwendungen um die empfindlichen Spiegel vom eingetragenen Wüstenstaub zu reinigen bis dazu, daß die Spiegel alle zwei Jahre ausgebaut, die aufgedampfte Aluminiumschicht entfernt und die Spiegel anschließend neu bedampft werden... Dann die 4 gewaltigen Laser des Kueyen, die mit ihren gelb-organgenen Strahlen bis in 90 Kilometer Höhe schießen und immer dann zum Einsatz kommen, wenn im aktuellen Beobachtungsfenster kein geeigneter Referenzstern vorhanden ist. Mit solchen Sternen, oder eben mit den Lasern, werden die Turbulenzen in der Hochatmosphäre gemessen, die für das "Flimmern" der Sterne verantwortlich sind, exakte wissenschaftliche Beobachtungen und Messungen aber stören. Anhand der Reflektionen der Laser (oder den Messungen bei den Referenzsternen) wird die sog. "adaptive Optik" des Sekundärspiegels durch Aktuatoren bis zu 1.000 mal pro Sekunde verformt um diese Störungen durch Gegenbewegungen zu kompensieren... ![]() viele Meter über dem riesigen Hauptspiegel hängt genau in der Mitte der runden Stützkonstruktion der kleine Sekundärspiegel das vom Hauptspiegel aufgefangene Licht wird nach oben, zum Sekundärspiegel reflektiert und von diesem, noch weiter gebündelt, zurück nach unten, zur Sensorgondel unter dem Teleskop ..und dort von der Vielzahl von Meßgeräten aufgefangen Es gäbe noch mindestens 100 weitere,
faszinierende und erstaunliche Informationen zu den
wissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Meisterleistungen
dieser außergewöhnlichen Teleskope... Die Fülle an interessanten
Details zu diesem größten optischen Teleskop-Verbund der Welt ist
einfach so überwältigend, daß ich mein Gefühl für die Zeit
vollkommen verloren habe!
Bild rechts: Natürlich konnte ich mich nicht ausschließen, als es um den "Beweis" für meinen Besuch im VLT gab... auf dem Drehtisch vor der Gondel mit den Sensoren und Meßgeräten unterhalb des Hauptspiegels rechts neben mir mein größter Bewunderer: Aaryan, der indische Programmierer aus Chicago ![]() Irgendwann verlassen wir die Ebene des
Hauptspiegels und gehen zur Basis des Teleskops und damit dem
gewaltigen Drehtisch, einer der technischen Einrichtungen, die das
Teleskop während der langen Belichtungszeiten nachführen um die
Bewegung der Erdrotation auszugleichen. Der 450 Tonnen schwere
Tisch läuft auf einem Ölfilm und ist so fein gelagert, daß er
sogar mit der Kraft eines Menschen bewegt werden kann. So
faszinierend und erstaunlich das auch ist, so zufrieden war auch
mein wissendes Grinsen bei dieser Information, habe ich mich dabei
doch an meine Jugend erinnert. Als Jungen waren wir oft am Dortmund-Ems Kanal zum Baden. Für uns war
es ein Kräftemessen, uns gegen angelegte und vertäute Schiffe zu
stemmen. In den allerersten Sekunden war es wie ein Kampf gegen
einen Berg, aber ganz unmerklich und dann immer spürbarer bewegten
sich die Schiffe vom Kai weg, bis sich die Taue spannten und mit
unüberhörbarem Knarzen gedehnt wurden und die Bewegung wieder
stoppten...
Beim Verlassen des Kueyen treten wir
wieder aus der Stille und Kühle der Kuppel hinaus auf den in der
Sonne grell strahlenden Beton des Paranal-Plateau`s. Vorbei an Antu, Melipal und Yepun (Sonne,
Kreuz des Südens [Sternbild] und Venus - die drei anderen
Hauptteleskope) gehen wir langsam zu den Auxillary-Teleskopen.
Zwischen ihnen gibt es etliche Schienenführungen mit denen sie
ihre Stellung und Abstand zu den Hauptteleskopen bei Bedarf ändern
können. Inzwischen steht die Sonne wieder senkrecht über uns und
die Sicht auf den weniger als 20 Kilometer erfernten und
zweieinhalbtausend Meter tiefer liegenden Pazifik, dessen Horizont
sich im Unendlichen verliert, ist atemberaubend. Noch
beeindruckender ist der Blick nach Westen, auf die Cordillera
de los Andes. Wilma deutet auf den Nevado
Ojos del Salado am Horizont. Der gewaltige Berg liegt auf
der Grenze zwischen Chile und Argentinien und ist mit über 6.890
Metern der höchste Vulkan der Erde und nach dem Aconcagua
der zweithöchste Berg Amerikas - und er ist 250 Kilometer
Luftlinie vom Paranal entfernt... und immer noch gut sichtbar!
Auch ein Grund für diesen Standort des VLT auf dem Paranal - nicht
dieser Vulkan, sondern der beste, jemals auf unserer Welt
gemessene Wert für die Qualität der Luftunruhe in der
Erdatmosphäre, das sog. Seeing von
0,18" (" ist eine Bogensekunde, der 3.600-ste Teil eines
Winkel-Grades. Wer noch ein altes Geodreieck aus der Schule
besitzt, kann sich `mal anschauen, wie winzig ein einzelnes Grad
ist! Jetzt dieses "Dingelchen" durch 3.600 teilen und dann noch
mit 0,18 multiplizieren... 2 Punkte, die sich in diesem
Winkelabstand voneinander befinden, können damit noch sichtbar
unterschieden werden!).
Auch dazu gäbe es noch so viel spannendes zu erzählen und zu erklären... aber, ich verstehe schon... es geht um mein Abenteuer PanAmericana und nicht um meine nerdige-Erklärsucht... ![]() das Plateau der Auxillary-Teleskope auf dem Paranal - mit einem Blick von weit über 250 Kilometern in der Ebene ..und einem
von vielen Milliarden Lichtjahren in der Vertikalen...*)
Bild: ESO/José Francisco Salgado (josefrancisco.org) *) Noch eine letzte
Bemerkung zu der vertikalen Sichtweite über dem Cerro Paranal: Ja,
mit diesen unglaublichen Teleskopen ist es möglich, etliche
Milliarden Lichtjahre tief ins Universum zu schauen! Wenige
hundert Kilometer in der Ebene, aber Milliarden Lichtjahre in die
Vertikale - wie ist das möglich? Die Antwort auf diese Frage ist
so einfach wie einleuchtend: Schon bei meinem Besuch auf dem Chajnantor-Plateau
in über 5.000 Meter Höhe über dem Meeresspiegel bekamen der Wanderer und ich deutlich zu spüren,
wie dünn die Luft in dieser Höhe bereits war! Noch einmal
läppische 2.000 Meter höher beginnt für Bergsteiger die sog.
"Todeszone", in der die Luft zum Überleben schlichtweg zu dünn ist
und bereits in 100 Kilometern Höhe beginnt offiziell der Weltraum
mit seinem Vakuum. Das heißt, schon ab dieser Höhe existieren kaum
noch Luftmoleküle unserer Erdatmosphäre mehr, die Lichtstrahlen
aus den Tiefen des Universums absorbieren, reflektieren oder
streuen könnten... die Teleskope haben also nach "oben hin"
praktisch "unbegrenzte" Sicht...
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Paranal > Residencia die Residencia auf dem Cerro ParanalIrgendwann ist unsere Zeit auf dem Plateau
abgelaufen und wir besteigen wieder unseren Bus, der uns zurück
nach unten bringt - zum letzten Punkt der Besucherführung auf dem
Paranal, der Residencia. Dieses
Gästehaus für die Wissenschaftler, die hier in der
Abgeschiedenheit des Paranal arbeiten, ist von den deutschen
Architekten Auer+Weber geplant
worden. Mit Blick auf den Pazifik ist es durch den James Bond Film
"Ein Quantum Trost" mit Daniel
Craig weltberühmt geworden. Schon nach wenigen Sekunden
im Inneren entstehen die ersten Schweißtropfen auf der Stirn!
Fordern außerhalb der Residencia die dünne Höhenluft und die
extrem geringe Luftfeuchtigkeit hier in der Atacama dem Körper
einiges an Reserven ab, herrscht durch das künstliche Biotop
in der Kuppel ein fast schon tropisches Klima!
Das Bild unten ist von der ESO, da wir nur die Eingangsseite und die dort gelegene Kuppel mit dem Biotop betreten dürfen. Verständlich, da die Wissenschaftler fast ausschließlich nachts arbeiten und tagsüber selbstverständlich ihre Ruhe und Privatsphäre benötigen. ![]() die Residencia auf dem Paranal mit Blick auf den pazifischen Ozean Bild: ESO/José Francisco Salgado (josefrancisco.org) ![]() innerhalb der Residencia mit ihrem Biotop einschließlich Swimmingpool der zusammengefaltete "Regenschirm" unter der Kuppel wird abends automatisch entfaltet um jedes störende Licht für die Teleskope zu verhindern Wieder zurück auf dem Besucherparkplatz,
dauert es noch über eine Stunde, bis sich nach und nach wieder
etwas Ruhe einstellt. Der riesige Wanderer
war natürlich auf dem überschaubaren Parkplatz nicht zu übersehen
und schon während der Führung bin ich immer wieder darauf
angesprochen worden, ob ich der Fahrer dieses Ungetüms sei. Immer
wieder mußte ich mich dann auch mit jemandem vor die Front oder an
eines der riesigen Räder stellen und wurde fotografiert. Zum
Schluß ist es noch ein begeistertes Ehepaar aus Süddeutschland,
das für vier Wochen in einem kleinen Mietauto hier in Chile
unterwegs ist und alles mögliche über den Bau eines solches
Fahrzeugs wissen wollte und Aaryan,
der indische Programmierer, der in Chicago in den USA lebt und
arbeitet und ebenfalls aus dem Staunen nicht mehr herauskommt...
Auch dieses letzte Bild vom VLT-Komplex ist
von der ESO. Aus ebenfalls nachvollziehbaren Gründen herrscht im
gesamten Areal natürlich strengstes Drohnenverbot. Daher noch
einmal ein Dank an die ESO, daß sie so viele beeindruckende Bilder
ihrer Einrichtungen und Forschungen zur Veröffentlichung frei zur
Verfügung stellt.
![]() der VLT-Komplex auf dem Cerro Paranal http://www.eso.org/public/images/eso-paranal-51/ |
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Paranal > ELT Extremely Large Telescope Dann stehe ich als Letzter auf dem
Parkplatz und die plötzliche Ruhe ist völlig unwirklich. Ich
starte den Steyr und während ich
die steilen Serpentinen vom Paranal wieder nach unten rolle,
schwirren die ganzen Eindrücke so wild durch meinen Kopf wie ein
aufgeschreckter Bienen-schwarm.Irgendwann biege ich wieder in die sandige Piste ein, an der ich bereits in der vergangenen Nacht gestanden habe. Jetzt allerdings ist wieder höchste Konzentration gefragt. Durch meine Klettertour vom Vortag weiß ich, daß diese Piste mitsamt den daneben liegenden Strommasten in direkte Richtung auf das ELT führt, jedoch verdammt sandig, stellenweise verdammt eng und ebenso verdammt steil ist...Mit eingeschalteter Geländeuntersetzung und gesperrtem Mitteldifferenzial dauert es volle 40 Minuten, bis ich die Spitze des Berges erreicht habe. Wie ich gehofft hatte, in der Nähe der offiziellen Zugangsstraße zum ELT, dem Extremely Large Telescope. Bevor ihr zurück scrollen müßt: Heute Morgen war ich am VLT, dem Very Large Teleskop auf dem Paranal - jetzt stehe ich in der Nähe des "extrem großen Teleskops" am 23 Kilometer Luftlinie entfernten Cerro Armazones. Nicht gerade ein Knaller bei der Namensgebung, dafür aber tatsächlich extrem bei dem, was dieses Teleskop wissenschaftlich und technisch zu leisten imstande ist! Mit den Erfahrungen durch den Bau des VLT, liefen in der ESO (European Southern Observatory) bereits seit etlichen Jahren die Planungen und Bauarbeiten zu diesem weltweit einzigartigen Teleskop. Es steht inzwischen kurz vor seiner Fertigstellung und "das erste Licht" ist für 2028 geplant.
Mit seinem bereits eingebauten, 39
Meter durchmessenden Hauptspiegel, ist es etwa 4 x größer
als die auf der Welt existierenden, größten Teleskope mit ihren 8
bis 10-m-Spiegeln.Die Spiegelfläche des ELT von fast 980
Quadratmetern ist damit größer als die Gesamtfläche aller
bisherigen Großteleskope zusammen und wird durch diese
"Lichtsammelfläche" damit Ansichten des Sternenhimmels
ermöglichen, die bisher undenkbar schienen.
Größte Erwartungen liegen dabei unter anderem in der Untersuchung der bisher entdeckten Exoplaneten, also Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, die andere Sonnen umkreisen. Wir haben in den letzten Jahren mit großem technischen Aufwand zwar mittlerweile, Stand heute, über 5.000 dieser Planeten nachweisen können, ihre Masse und Bahneigenschaften berechnen können, viel mehr aber nicht. Es stellt sich für uns wie die Suche nach einem Glühwürmchen vor dem Scheinwerfer eines Leuchtturms dar. Von der Auflösung des ELT erwarten wir aber etwas ganz besonderes. Wenn wir derartige Exoplaneten genau in dem Moment untersuchen, wo sie auf ihrer Umlaufbahn und ihrem Vorbeilauf an ihrer Sonne genau den Sonnenrand erreichen, fällt dieses Licht durch ihre hauchdünne Atmosphäre und kann dann vom ELT auf Absorptions-eigenschaften untersucht werden. Dabei hinterlassen die in dieser Atmosphäre vorhandenen Elemente und Verbindungen ganz spezifische Spuren im Spektrum dieses Lichts. Lassen sich dabei Sauerstoff, Ozon, Kohlendioxid oder Wasserdampf nachweisen, ist das, je nach Verteilung und anderer Parameter, der erste Beweis für die Existenz von biologischem Leben außerhalb unserer Erde - möglicherweise die größte Entdeckung in der gesamten Menschheitsgeschichte! Leben außerhalb der Erde...
Das nächste Bild zeigt in einer
Fotomontage die überwältigende Größe des ELT auf der Fläche
der Chanjnantor-Ebene von ALMA
![]() das ELT in einer Fotomontage auf der Chanjnantor-Ebene von ALMA Créditos: Imagen ELT: ESO / Imagen ALMA: Clem & Adri Bacri-Normier (wingsforscience.com) / Montaje: David Fernández - ALMA (ESO/NAOJ/NRAO) ![]() das ELT unter dem Sternenhimmel der Atacama Orginaltext: "This Picture ... shows ESO’s Extremely Large Telescope (ELT) underneath a gorgeous starry night sky, perched atop the mountain of Cerro Armazones, Chile, like a ship cresting a great, shadowy wave. Credit: P. Romaniuk/ESO" |
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Paranal > weiter es geht weiter...Nach über zwei Monaten in den Hochanden,
den Bergen und Wüsten des bolivianischen Altiplano
und der chilenischen Atacama,
nach wochenlangen Aufenthalten in weit über 4.000 Metern Höhe und
einer größten Höhe von über 5.100 Metern über dem Meeresspiegel,
verlasse ich heute, am Montag, dem 22. Dez. `25, die Anden und
erreiche bei Taltal in Chile, den
Pazifischen Ozean - ein ganz andere Welt!
Zum Ende dieser Seite wieder ein Video der Fahrt zur Mano del Desierto und vom Besuch des VLT auf dem Cerro Paranal... Dieses Video liegt in FullHD vor hier geht`s weiter mit dem nächsten
Teil im Abenteuer PanAmericana
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